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Aom Ecken geht’s besonders lustig zu

Standesgemäß: Wieweler-Präsident Hans-Karl Meunier (links) und Sitzungspräsident Jürgen Jakobs überreichen Rosemarie Sahler den Orden gegen den trierischen Ernst. TV-Foto: Martin Recktenwald
Standesgemäß: Wieweler-Präsident Hans-Karl Meunier (links) und Sitzungspräsident Jürgen Jakobs überreichen Rosemarie Sahler den Orden gegen den trierischen Ernst. TV-Foto: Martin Recktenwald FOTO: Martin Recktenwald (ten) ("TV-Upload Recktenwald"
Trier. Zurlaubener Fastnachter ehren die Wirtin der Kultkneipe - Rosi Sahler - mit dem Orden gegen den trierischen Ernst. Martin Recktenwald

Trier Einen Trierer mit seiner ganz besonderen Art zum Lachen zu bringen, sei keine einfache Aufgabe, meinte Jürgen Jakobs, Sitzungspräsident der "Karnevalsgesellschaft M'r wieweln noch en Zalawen 1911". Zum Glück gebe es aber Menschen, die sich täglich erfolgreich darum bemühten. Ihre Verdienste werden vom Verein alljährlich mit dem "Orden gegen den trierischen Ernst" gewürdigt. Diesmal wurde eine regelrechte Institution von Trier-Nord ausgezeichnet: Rosemarie Sahler, besser bekannt als Wirtin Rosi der Kneipe "Aom Ecken" in der Maarstraße.
Der Verein sei ja schon lange hinter ihr her gewesen, aber sie habe sich immer geniert, scherzte die Ordensträgerin. "Allerdings habe ich vor etwa 50 Jahren unbedachterweise gesagt: Fragt mich, wenn ich mal über 70 bin", erinnerte sie sich. Mit diesem "Schlupfloch" wurden die Herren vom Vorstand der Wieweler - alle Stammgäste in Rosis Lokal - jüngst erneut bei ihr vorstellig. Offenbar wurde so lange intensiv bekniet, bis Rosis Lebensgefährte die Nerven durchgingen: "Da mach' et halt!"
In der Laudatio beim Ordensfest würdigte Jacobs insbesondere Sahlers Engagement für den Erhalt der Traditionsgaststätte im Maarviertel. Dabei sei dieser Weg vor rund 30 Jahren noch keineswegs vorgezeichnet gewesen. Als gelernte Schneiderin wäre das "echt Maarezer Mädche" damals beinahe für die Karriere aus Trier fortgezogen. Doch die Eltern brauchten zwingend Hilfe im Familienlokal. Aus der Aushilfe ist längst Leidenschaft geworden, seit 1998 ist Rosi selbst Chefin im Ecken.
Besonders schätzen viele Gäste, dass sie das Viertel sowie seine Bewohner seit Jahrzehnten kennt und einiges darüber zu erzählen hat. Eine kleine Kostprobe gab sie in ihrer Dankesrede, rief ein Stück Trier der Nachkriegszeit in Erinnerung. Vom Alt-Zurlaubener Moselufer führte der virtuelle Stadtrundgang über die "damals noch etwas schönere" Zurmaiener Straße. Durch die Gärtnereien, wo sie als hungrige Kinder gelegentlich Kohlrabi mitgehen ließen, ging's weiter ins Maarviertel. "Maar und Zurlauben waren und sind etwas Besonderes in Trier", schloss Sahler ihre Erinnerungsreise und erntete reichlich Applaus.
Neben dem "Orden gegen den trierischen Ernst" wurden bei der Feier in der Orangerie des Hotels Nells Park zahlreiche weitere Ehrungen vergeben. So kabbelten sich Wieweler-Präsident Hans-Karl Meunier (Manni) und Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK), "Es ist immer wieder spannend, was der Manni so alles von sich gibt. Meistens verstehe ich es sogar", teilte Peters aus. "Tja, das ist eben ein höheres Niveau", konterte Meunier.
Einig waren sich die beiden indes, dass Günter Schiff für sein langjähriges Engagement bei den Wiewelern eine Auszeichnung verdient, ihm wurde der ATK-Orden verliehen. Der Verdienstorden des Landesverbands Rhein-Mosel-Lahn (RML) ging an Tobias Benz und Julien Dustert. Die Zurlaubener Karnevalisten ehrten außerdem Elisabeth Kretschmar und Melanie Sauer mit dem Sonderorden des Ehrenrats und beriefen Christel Hontheim-Monz und Matthias Melchisedesch als Ehrenratsherrin und Ehrenratsherr.
Der Titel "Künstlerin des Jahres" wurde an Silvia Nels vergeben. Die Eifeler Mundartsängerin gab sogleich auf der Bühne eine Kostprobe. "Wofier get et dat Woart Liebe net op Platt?" sowie "Un dan foahrn ma ma'm Bulldog an de Stausee" kamen beim Publikum großartig an. Und so gab es als Zugabe unter anderem noch die Geschichte von "Bepp un Henns", bei denen die Romantik an Kommunikationsdefiziten zwischen Mann und Frau scheitert. Auf "I love you" folgt da schon mal die Antwort "Dau Schof, du".
Die weiteren Akteure: Zalwaner Duckentchen, Tanja (Prinzessin der Stadt Trier), Tanzpaar Denise und Bastian Gouin, Wieweler Jugendgarde (Trainerinnen: Nina Klaas, Maylin Müller), Wieweler Garde (Trainerin: Melanie Münster), Wieweler Showtanzgruppe (Trainer: Oliver Hoffmann), Walter Schrage (Vortrag: Wer kännt noch. ..?).