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Die Goldenen Zwanziger - ganz in Rosa

Die Goldenen Zwanziger - ganz in Rosa

Was zur Jahrtausendwende mit 70 Zuschauern im Schmit-Z begann, hat sich längst zum Kassenschlager entwickelt: der Rosa Karneval. In dieser Session geht die Reise in die "Gay Twenties" des vergangenen Jahrhunderts.

Trier. Federboas, Stirnbänder, hüftbetonte Hängekleider: Im Messepark fühlt man sich in die schillernde Welt der 20er Jahre zurückversetzt. "The Gay Twenties" ist das Motto des Rosa Karnevals, der die berüchtigten Berliner Transvestitenbälle und Burlesque-Shows wieder aufleben lässt.
Wie immer glänzt der Rosa Karneval mit aufwendiger Dekoration und tollen Kostümen. Auch viele der mehr als 1000 Besucher haben das Motto aufgegriffen: Überall flattern die Federboas und prangen glitzernde Stirnbänder. Mondän und wortgewandt führt Sitzungspräsidentin Prissy (Stefan Kronauer) durch rasante fünf Stunden. Berthold Hirschfeld gibt mit dem "Lila Lied" eine schwule Hymne zum Besten, geschrieben im Jahr 1920 von Kurt Schwabach, der auch für Evelyn Künneke, Zarah Leander und Freddy Quinn dichtete: "Wir sind nun einmal anders als die Andern." Ein Ständchen gibt es für die Ministerpräsidentin: Malu Dreyer, stilecht mit Federboa, feiert hier ihren 54. Geburtstag.
Die einfallsreichen Sketche ernten zahlreiche Lacher: Im Friseursalon "Charme Haar" geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Der Vermieter zumindest ist stinksauer, als seine gewaltige Haarpracht plötzlich die Farbe wechselt. Und Neues von Kevin und Shanaya gibt es auch: Deren Vorfahren, Karl-Kevin und Maria-Shanaya, müssen aufs Arbeitsamt. Letztlich entscheiden sie sich aber doch für Hartz, äh, Bismarck IV. Insgesamt ist es ein zum Brüllen komischer Abend, der unzählige Einblicke ins Liebesleben von Homosexuellen bietet. So schildert der "Kleine grüne Kaktus" (Nele Engel) detailliert seine Suche nach einem gemütlichen Plätzchen und Didi und Philipp wollen "niemals auseinandergehn". Können sie auch gar nicht, denn sie sind siamesische Zwillinge. Zum Toben bringen Andres de Blust-Mommaerts und Oli Michel den Saal mit ihrem frivolen Badetuch-Tanz: "Dat kennt man bisher nur von Youtube", betont Prissy. Auch die Gesangseinlagen und Showtänze - toll: Das Musicalmedley "Chicago" und "Steampunk" vom Schmit-Z Ballett ernten verdiente Bömbchen und "Maju!"-Rufe.
Es werden aber auch kritische Töne angeschlagen: Klaas Michel wettert "gegen Hirnlosigkeit", sprich gegen AfD und Pegida: "Toleranz und Akzeptanz haben eine tiefe Delle, Stammtischparolen nehmen überhand in unserem Land". Der "schweigenden Mehrheit" legt er ans Herz, Mut zu fassen und mit dem Hirn zu entscheiden.
Auch Intoleranz in den eigenen Reihen prangert er an und stellt nüchtern fest: "Mit Hass gegen Fremde fängt es an. Minderheiten sind der nächste Schritt - dann kriegen auch wir einen festen Tritt."
Organisator Alex Rollinger, der seit den Anfängen vor 15 Jahren aktiv mit dabei ist, betont im Gespräch mit dem TV: "Wir feiern gerne, aber wir legen auch den Finger in die Wunde."
Ein Gedanke ist ihm besonders wichtig: "Wir sind für die Akzeptanz der verschiedenen Lebensweisen und für bunte Vielfalt.
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volksfreund.de/fastnacht