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Kultur: Fastnacht feiern fast ohne Verbote

Kultur : Fastnacht feiern fast ohne Verbote

Sie sind nicht allzu oft einer Meinung, was gut für Jugendliche ist. Dass am Donnerstag erstmals seit zwei Jahren kein Alkoholverbot in der Innenstadt herrscht, halten aber sowohl Pädagogen als auch die Polizei für gleichermaßen falsch.

Trier. Hilger Hoffmann, Leiter des Trierer Exhauses, ist sauer: "Für mich ist das ein Schlag ins Gesicht!" Am Donnerstag geht die Weiberfastnacht erstmals seit 2012 wieder ohne lenkende Einschränkungen wie Narrenkäfig oder Alkoholverbot über die Hauptmarktbühne — für den Pädagogen und seine Kollegen war der entsprechende Stadtratsbeschluss eine Enttäuschung: Der Rat habe doch die Verwaltung seinerzeit beauftragt, sich Gedanken zu machen, was 2012 schiefgelaufen sei, sagt Hoffmann — und die Verwaltung in Person von Angelika Birk habe sich dessen angenommen, "beharrlich, mit viel Energie!"
Hoffmann zählt anerkennend auf, wen die Bürgermeisterin alles zum Arbeitskreis "Runder Tisch Weiberfastnacht" zusammengetrommelt hat: Polizei, Feuerwehr, ADD, Ordnungsamt, Jugendamt, Krankenhäuser, Suchtberatung — auch die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) habe konstruktiv die Lehren aus 2012 gesucht. "Das war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit", sagt Streetworker Cornelis Günter, Beteiligte wie Polizei und Rettungsdienste hätten das örtliche Alkoholverbot beibehalten wollen.
Doch einer Einladung, sich vor dem Beschluss mit dem Arbeitskreis zu unterhalten, seien mehrere Stadtratsfraktionen erst gar nicht nachgekommen. "Unsere Arbeit wurde mal eben über den Haufen geworfen!", ist Jörg Hunold vom Jugendzentrum Mergener Hof empört.
Uwe Konz, Sprecher des Trie rer Polizeipräsidiums, bestätigt auf Volksfreund-Anfrage, er befürchte Probleme "vielleicht im Ausmaß wie 2012", vor allem durch das völlige Fehlen eines zeitlichen oder örtlichen Alkoholverbots. Das galt in den beiden Vorjahren vor verschiedenen rechtlichen Hintergründen: Die Gefahrenabwehrverordnung von 2013 erlaubte der Polizei, in "originärer Zuständigkeit" aktiv zu werden, die 2014 geltende Allgemeinverfügung nur Amts- und Vollzugshilfe fürs Ordnungsamt. So oder so habe das Alkoholverbot "Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Verunreinigungen" deutlich eingedämmt. Der Stadtratsbeschluss von November 2014 sei gegen den "Konsens des Arbeitskreises" erfolgt, die bewährten Mittel wieder einzusetzen. Die Polizei stelle sich nun wieder auf die Situation von 2012 ein — mit "Interventionsmaßnahmen im großen Stil, womit die Polizei voraussichtlich ausgelastet sein wird". Das umfasse die "Verhinderung insbesondere alkoholbedingter Gewaltexzesse und sonstiger gewalttätiger Übergriffe", außerdem soll der Jugendschutz gewährleistet werden: Wie schon in den Vorjahren hätten Kontrollteams in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt und dem Kreis Trier-Saarburg nicht nur die Innenstadt, "sondern auch informelle Treffpunkte der Jugendlichen im Blick".
Als ATK-Vorsitzender blickt Andreas Peters optimistisch auf den Donnerstag: 7500 Menschen hätten "2014 gezeigt, dass man trotz Bier, Wein und Sekt ohne Komasaufen und sonstige Probleme an Weiberfastnacht feiern kann!" Für Peters sind die Mitgliedsvereine des ATK dabei gute Vorbilder: "Tausende Kinder und Jugendliche sind darin aktiv und werden an Brauchtum und Feierkultur herangeführt!" Die Trierer Pädagogen bleiben skeptisch. "Wir haben gerne unrecht, wenn nichts passiert", versichert Exhaus-Leiter Hoffmann, "aber ich habe kein gutes Gefühl!"
Im Exhaus findet eine gemeinsame Party für Jugendliche unter und über 16 Jahren statt (siehe Zweittext) — mit der Aufsplittung in zwei Veranstaltungen hatte man im Vorjahr keine guten Erfahrungen gemacht. Jörg Hunold fürchtet aber, dass Jugendliche schon betrunken in Trier-Nord ankommen: "Wenn es dann bei uns kracht, heißt es später: Auf dem Hauptmarkt haben die so schön gesittet gefeiert, und im Exhaus gab es den Exzess!"Extra

Um den Jecken einen gefahrlosen Straßenkarneval an Weiberdonnerstag zu ermöglichen, hat die Polizei mit ihren Kooperationspartnern aus dem Runden Tisch Weiberfastnacht ein Sicherheitspaket geschnürt. Neben weiteren Einsätzen wird die Polizei in diesem Jahr erstmals an Weiberdonnerstag twittern. Durch die Nutzung des Kurznachrichtendienstes sollen Informationen zu Verkehrsaufkommen, Entwicklung der Teilnehmer- und Zuschauerzahlen und weitere Hinweise unmittelbar an die "Follower" gepostet werden. Wer der Polizei auf Twitter folgen will, kann das unter #PolizeiTrier tun. red