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Frohsinn statt Frust: Wie die Trierer Narren in der Arena auch ohne Umzug feiern

Frohsinn statt Frust: Wie die Trierer Narren in der Arena auch ohne Umzug feiern

Originellste Fußgruppe? Schönster Wagen? Die Fragen, die sonst im Mittelpunkt der Nach-dem-Umzug-Fete in der Arena stehen, stellten sich gestern nicht. Stattdessen feierten am Rosenmontag einige tausend Narren dort zwischen Frohsinn und vereinzeltem Frust.



Rosenmontag fällt nur im Freien ins Wasser, in der Arena nicht. Dort könnte man auf den ersten Blick meinen, alles ist wie jedes Jahr. Schon um 16 Uhr wird auf den Tischen getanzt, und es wird zusehends voller - so, als wären jetzt auch die letzten Zugteilnehmer am Ziel in Trier-Nord eingetroffen. Aber den Zug hat es nicht gegeben. Der traditionellen Nach-dem-Umzug-Fete ist das nicht anzumerken. Die Mitglieder des Präsidiums der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) atmen auf. "Ja, ich bin sehr erleichtert", sagt Präsident Andreas Peters (50).

Kein Umzug - keine Einnahmen

Einen "fünfstelligen Betrag" dürfte die Zugabsage die ATK gekostet haben, weil den Ausgaben (etwa für die Bühnen auf dem Hauptmarkt, für Sanitätsdienste und Versicherungen) keine Einnahmen (durch konzessionierte Essens- und Getränkestände) gegenüberstanden. Die Fete, eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Arena, treibt den Narren-Dachverband nicht noch tiefer hinein in die Verlustzone.
Für die Akteure des KC Grün-Weiß Euren ist es "Ehrensache, dabei zu sein", sagt die Ehrenvorsitzende Christa Bölte (wird heute 65). Die Eurener haben sich nach der morgendlichen Zugabsage erst mal zum "Vorglühen" in der Festhalle Druckwerk getroffen und sind dann mit Bussen, die sie kurzfristig bei den Stadtwerken gechartert haben, nach Trier-Nord gefahren. "Wir sind mit bestimmt 100 Leuten hier", strahlt Christa Bölte.
Was bei weitem nicht jeder ATK-Verein von sich behaupten kann. Selbst Stadtprinz Elmar I. wird lange nicht gesichtet, ehe er sich am frühen Abend doch noch kurz die Ehre gibt.

In sozialen Netzwerken wird derweil heftig und kontrovers diskutiert, ob die Absage überhaupt nötig war. Den Mitgliedern der Bläsergruppe Pratzbähnt platzt ob der "geistlosen Kritik" der Kragen. "Wir unterstützen ausdrücklich die vernünftige Entscheidung der ATK. Unseren Instrumenten hätte dieses Wetter sicher nicht gefallen. Unser Wagen ist eingelagert und steht bereit für einen Nachholtermin", postet Saxofonist Jens Lorscheider via facebook.
Zug-Schirmherr Thomas Neises (44), absagebedingt sprichwörtlich "nicht zum Zuge gekommen", war laut eigenem Bekunden morgens "den Tränen nahe. Wenn ich daran denke, wie viele Leute Zeit und Herzblut in ihre Kostüme und Wagen gesteckt haben, dann tut es mir im Herzen weh, dass ausgerechnet Stadtpatron Petrus uns so hängen lässt". Mittags kann Neises, seines Zeichens SPD-Stadtratsmitglied, schon wieder lachen - und weist "jegliche persönliche Verantwortung" weit von sich, nachdem er einige Frotzeleien wegen seines roten Schirmherren-Schirms über sich hat ergehen lassen müssen: "Mit einem schwarzen Schirm wäre das nicht passiert …"

Auch Petra Moske (50), Vorsitzende und Gründerin des Vereins Nestwärme, hat nach morgendlichem Frust schnell wieder zu gewohnt guter Laune zurückgefunden. Grund: "Die Arena hat uns Gestrandetee aufgenommen." Die Gestrandeten sind das Team, das den von Maximilian von Kunow (Konz-Oberemmel) gestifteten Glühwein beim Umzug hat verkaufen sollen. Nun gibt's den Nestwärme-Benefiz-Glühwein eben in der Halle. Dort geht's ohnehin schon ziemlich heiß zu. Die Bands Kapelle Kamelle und Klimaschock, die DJs Rom, Carnage und Rent a Sunshine, Moderatorin Alexandra Meusel - und mit einer Einlage - die Pälzer Rhythmusfetzer aus Landau treiben das Stimmungsbarometer in unverhoffte Höhen.

In der Arena herrscht, wo insgesamt mehrere tausend Narren bis in späten Abend feiern, eitel Sonnenschein. Im Stadtteil Ehrang, wo der Rosenmontagszug ebenfalls kurzfristig abgeblasen worden ist, sind die Gefühle gemischt: "Schade, aber aus Sicherheitsgründen verständlich", sagt Klaus Pauly (64); "Unsere kleine Gruppe hat viel Zeit und Geld investiert. Aber es war nicht komplett für die Katz. Am Sonntag waren wir in Kordel dabei und hatten viel Spaß."Extra

Ein Heuschreck als Blumenkavalier: Karlheinz Scheurer (63), bei Triers ältester Karnevalsgesellschaft Elferratsmitglied und für den Umzugswagen mitverantwortlich, hat an Rosenmontag Altenheime und Krankenhäuser mit Tulpen beglückt: "Wir haben 3000 davon gekauft, um sie beim Rosenmontagszug unters Volk zu bringen und wollten nach der Absage natürlich nicht, dass sie verwelken, ohne Freude bereitet zu haben."
Das essbare "Wurfmaterial" der KG Heuschreck kam noch nicht zum Einsatz. Scheurer: "Da hoffen wir auf einen Nachholtermin." Sollte es wider allgemeinem Erwarten keinen Ersatz-Umzug geben, würden möglicherweise ebenfalls soziale Einrichtungen in den Genuss der insgesamt 450 Kilogramm Schokoriegel, Bonbons etc. kommen. Das meiste davon sei erst kürzlich eingekauft worden und bis 2017 haltbar.