Helden in Strumpfhosen

Wem bei Männerballett vor allem unbeholfene Männer in Ballettröckchen in den Sinn kommen, der war offenbar noch nie beim Festival in Trier-Zewen. Dort wählt jedes Jahr an Weiberfastnacht das überwiegend weibliche Publikum das beste Männerballett des Abends. Und da hat unkoordiniertes Gehampel zu lahmer Musik bei den Ladies (fast) keine Chance.

Trier. Acht Männerballetts stehen in den Startlöchern, um an Weiberfastnacht die Damenwelt mit Hüftschwung und Fantasie zu begeistern. Der ICV Igel tritt außer Konkurrenz mit Motiven aus dem Musical "König der Löwen" auf. Bei den anderen sieben Gruppen geht es um den "goldenen Tanzschuh", der jährlich verliehen wird.Obwohl Heinrich Schneider vom KV Welschbillig vor dem Auftritt betont: "Es geht vor allem um den Spaß!", ist es am Ende seine Truppe, die nach Messung des Applauspegels als Sieger des Abends hervorgeht. Ihre Trainerinnen Susanne Gotthard, Saskia Backes und Janina Leuschen wissen offenbar ganz genau, was die Kerle einsetzen müssen, um die "Weiber" zu überzeugen: Sehr männliche Piraten, die sich zu rockiger Musik in rosa Engel (mit unrasierten Waden!) verwandeln. Dazu eine fast perfekte Choreographie.Verwandlung zur Frau

Die Fast-Perfektion ist wie die Verwandlung vom Mann zur Frau und umgekehrt auch bei anderen Gruppen ein Thema. Bei den Könenern sind es Ninjas, die zu Prostituierten mutieren. Bei der AG Karneval Zerf wird aus Cheerleaderinnen eine Gymnastiktruppe, bei deren Mitgliedern sich trotz hautenger Kostüme unterhalb der Gürtellinie keine Hinweise auf eine Geschlechtszugehörigkeit ergeben, obwohl der Vereinsname "Riet Rous" auf Hochdeutsch "Frei heraus" heißt.Frei heraus wird auch am Ende per Applausometer entschieden, welche Gruppe den Anwesenden am besten gefallen hat. Die bei vielen als Favorit gehandelten Kordeler erreichen nur Platz 3 - ihr Tanz mit vielen originellen Einfällen rund um das Thema Zirkus begeistert mit Raubtiernummern, aus dem Hut gezauberten Häschen und fetziger Musik. Auch Kell am See bringt mit Assoziationen zu "Hangover" und originellen Ideen die "Weiber" zum Kreischen.Dass die bis dahin etwas züchtig gekleideten Herren auch anders können, sieht eine Dame im Publikum sofort: "Die han Buxen mit Knöpp!", sagt sie trocken. Die Frau kennt sich aus, denn kurz danach reißen sich die Kerle die längs an den Beinen zugeknöpften Hosen vom Leib, und die Halle tobt. So muss es sein beim Männerballett: eine gute Mischung aus Originalität, Sexappeal, Humor, stimmiger Musik und Choreographie.Sicher liegt es auch an den mitgebrachten Fans, die das Applausometer in die Höhe treibt. So macht Blau-Weiß Ehrang den zweiten Platz mit ihrer ZDF-Hitparade, in der sie Nena, Wolfgang Petry und Heino auftreten lassen. Während in den vergangenen Jahren Jürgen Jakobs durchs Programm führte, moderiert diesmal Artur Wengler mit viel Hintergrundwissen über die Region den Abend. Für das nächste Jahr ist eine waschechte Drag-Queen aus dem Rosa Karneval im Gespräch, die sich des Weiberballs annehmen soll - für das amüsierlüsterne Publikum sicher nicht die schlechteste Entscheidung. Mitwirkende Männerballetts: KKV Riet Rous Könen, ICV Igel, AG Karneval Zerf, Männerballett Kordel, Tälchen Karneval, KV Welschbillig, KC Cailida Kell am See, TKV Blau-Weiß Ehrang.Weitere Mitwirkende: Sängerduo: No Name (Peter Kritzke und Jürgen Zender), Band: Kamelle Kapelle, Moderator: Artur Wengler. kapvolksfreund.de/fastnacht