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Käfigfrei und Spaß dabei: Hunderte Karnevalsfans feiern auf dem Hauptmarkt - OB Klaus Jensens letzte Entmachtung

Käfigfrei und Spaß dabei: Hunderte Karnevalsfans feiern auf dem Hauptmarkt - OB Klaus Jensens letzte Entmachtung

Na also: Es geht auch ohne Gefahrenabwehrverordnung und Alkoholverbot. Tausende haben an Weiberfastnacht auf dem Hauptmarkt den Auftakt des Straßenkarnevals gefeiert. Nach der Proklamation des Prinzenpaares Uwe I. und Renate I. ging es weitgehend friedlich zu.

Trier. Um 16.30 Uhr, als die offizielle Hauptmarktfete endet, atmet Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK), tief durch: "Das war doch ein Bilderbuchstart in die heiße Fastnachts-Phase."
War es tatsächlich. Fast so wie in den guten alten Zeiten vor 2012. Hunderte feiern fröhlich und friedlich im Herzen der Altstadt. Nur mit dem Unterschied, dass die Bühne nun mit dem Rücken zum Dom steht und nicht mehr vor St. Gangolf - eine praktische und kostensparende Maßnahme: Sie bleibt bis Rosenmontag stehen und dient dann beim Umzug als Tribüne. Bühne um 90 Grad gedreht und um 30 Meter verschoben - das war auch 2014 so, aber sonst ist alles anders. Erstmals seit den 2012er Exzessen Dutzender Jugendlicher gilt keine Gefahrenabwehrverordnung und kein Alkoholverbot. Da wird das 2015er ATK-Sessionsmotto "Karneval ohne Grenzen" zum Programm.
Ohne behördlich verordnete Brauchtumsbeschränkung und ohne "Narrenkäfig" ist von Beginn an Stimmung in der Bude, was nicht zuletzt den blendend aufgelegten Hauptakteuren zu verdanken ist. Uwe I. und Renate I. vom IAT Tower erweisen sich als würdiges und witziges Prinzenpaar. Davon, dass seine absolut nicht schwindelfreie bessere Hälfte bei der Drehleiterkorb-Fahrt zur Brunnenfigur von Stadtpatron Petrus (in 6,50 Meter Höhe) fast in Ohnmacht fällt, lenkt der Gatte geschickt ab, indem er aus luftiger Höhe sein Prinzenlied intoniert. A cappella. Mutig. Aber auch echt quant, wie man in Trier anerkennend sagt.
Ebenfalls Anerkennung gebührt dem anwesenden Stadtvorstands-Trio, allen voran OB Klaus Jensen. Der ist - in Anspielung auf die 2016er Großausstellung - als Römerkaiser Nero verkleidet und wehrt sich mit listigen und lustigen Sprüchen lange gegen seine Entmachtung als Stadtoberhaupt. Nutzt nichts, den symbolischen Stadtschlüssel muss er dennoch rausrücken. Reaktion Jensen: "Dann mach ich jetzt eben Urlaub auf den Malediven."
Und wer ist die stilecht nobel römisch gestylte Dame neben ihm? Großes Rätselraten im Publikum, denn da haben die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet. Ministerpräsidentin und Jensen-Gattin Malu Dreyer ist\'s nicht, Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani ist\'s nicht (sie bleibt den Feierlichkeiten wegen Krankheit fern), sondern - es darf gestaunt werden - Bürgermeisterin Angelika Birk! Leichter zu identifizieren ist Thomas Egger. Der Wirtschafts- und Kulturdezernent untermauert seine guten Beziehungen zur Partnerstadt Xiamen, indem er auf "Kaiser von China" macht.
Für Jensen ist es die letzte Entmachtung. Seine Amtszeit als Stadtoberhaupt endet nach acht Jahren am 31. März.
Nach dem offiziellen 11.11 Uhr-Proklamationsbrimborium gehört die Bühne musikalischen Stimmungsgaranten. Bis in den späten Nachmittag heizen die Bands Leiendecker-Bloas, Zalawener Duckentcher, de Hofnarren und Fun 2.0 sowie DJane Rent a Sunshine (Sonja Storz) bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt den Hunderten Karnevalsfans ein.
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