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Karnevalsumzüge in der Region: Bei der Sicherheit hört der Spaß auf

Karnevalsumzüge in der Region: Bei der Sicherheit hört der Spaß auf

Schnell kann aus ausgelassener Fröhlichkeit eine Katastrophe werden. Die Love-Parade 2010 in Duisburg ist ein Beispiel dafür. Bei einem Gedränge mit anschließender Massenpanik starben 21 Menschen. Seitdem sind die Auflagen für Großveranstaltungen strenger geworden. Auch für Karnevalsumzüge.

Vier Seiten lang sind die Teilnahmebedingungen für den Trierer Rosenmontagsumzug. Zwölf Punkte umfassen die Infos für den Wagenbau für die Teilnehmer des Saarburger Fastnachtsumzug am kommenden Samstag. Zwei Beispiele, dass Fastnacht oder die besser die Vorbereitung darauf alles andere als reiner Spaß ist. "Es gibt immer strengere Auflagen für die Umzüge und die Auflösung danach", sagt Helmut Hohl, Sprecher der Rheinischen Karnevals Kooperationen in Koblenz. Mit ein Grund dafür sei die Love-Parade-Katastrophe in Duisburg 2010. Bei einem Gedränge und anschließender Massenpanik starben 21 Menschen, über 500 wurden verletzt. Seitdem haben sich für alle Großveranstaltungen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Auch für Karneval. Vor allem für Umzüge. "Die Auflagen entstehen durch Fahrlässigkeiten und Vorfällen in anderen Städten und bei anderen Umzügen", sagt Georg Heinen, Zugleiter des Trierer Rosenmontagszugs. Auch Cornelius Theiß, Vorsitzender des Vereins Saarburger Fastnacht akzeptiert die Auflagen "vollumfänglich" wie er sagt.

Polizei, Ordnungsamt, Rettungskräfte und Tüv machen eindeutige Vorgaben, damit aus Spaß keine Katastrophe wird. In Ürzig (Bernkastel-Wittlich) hat das dazu geführt, dass der Nachtumzug in diesem Jahr abgesagt worden ist: Zu viele Betrunkene, zu breite Zugmaschinen, zu viel Lärm. Die Polizei, Rettungskräfte und das Ordnungsamt bemängelten vor allem, dass es in dem Weinort zu eng ist für einen solchen Umzug. Wenn etwas passiert, was durch einige zwischen den Wagen torkelnden Besucher schnell der Fall sein kann, dann dauere es einfach zu lange, bis Hilfe da ist. Daher zogen die Veranstalter in diesem Jahr die Reißleine.

Auch bei anderen Umzügen in der Region hat man mit den Problemen und damit einhergehenden Auflagen zu kämpfen. Die Einsicht bei den Zugveranstaltern und -teilnehmern sei groß, heißt es aber beim Tüv Rheinland. Der Technische Überwachungsverein sorgt gemeinsam mit den Ordnungsämtern für die Sicherheit der Umzugswagen. In den vergangenen Jahren habe sich schon viel getan, der Zustand der Wagen habe sich deutlich verbessert, sagt ein Tüv-Sprecher. Er weist daraufhin, dass die Wagen eine Zulassung benötigen. Und vor ihrem Einsatz ein Gutachten, das bescheinigt, dass die Aufbauten sicher befestigt sind, dass die Brüstungen an den Seiten mindestens ein Meter hoch sind, damit keiner der auf dem Anhänger Feiernden herunter fällt und dass die Räder und Anhängerkupplungen geschützt sind, damit kein Zuschauer drunter oder dazwischen gerate. Auf den Anhängern seien rutschfeste Stehflächen vorgeschrieben. Laut Tüv dürfen die Narren nur während des Umzugs auf den Wagen mitfahren, nicht aber bei der An- und Abfahrt. All das werde vor dem ersten Einsatz im Umzug überprüft. Und zwar bei allen Wagen und allen Umzügen, heißt es beim Tüv.

Grundlage für diese Überprüfungen ist eine bundeseinheitliche Regelung "über Ausrüstung und Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen bei Brauchtumsveranstaltungen".Alkohol ist tabu


Alkohol sei natürlich für die Fahrer ebenso wie für die Wagenbegleiter, die dafür sorgen sollen, dass Zuschauer nicht zu nahe kommen und eventuell mitgeschleift werden, tabu.

Für den Trierer Zugleiter Heinen ist das kein Problem: "Wir fordern bei der Zugaufstellung die gesamten Papiere des Fahrzeugs und des Fahrers." Außerdem kontrollierte eine unabhängige Prüfungskommission vor dem Start des Zugs am Rosenmontag alle Fahrzeuge, "um die Sicherheit auf unserer Seite zu haben". Wer sich nicht dran halte, der dürfe nicht am Umzug teilnehmen. Das sagt auch Cornelius Theiß. Zusammen mit anderen Verantwortlichen des Saarburger Umzugs besuche er stichprobenartig vorher schon teilnehmende Gruppen, um bereits beim Bauen des Wagens auf mögliche Missstände hinzuweisen.

Und wie steht es mit dem Versicherungsschutz? Die meisten Zugveranstalter hätten eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, über die alle Zugteilnehmer während des Umzugs versichert seien, sagt Helmut Hohl. Eine Besonderheit gilt etwa für Feuerwehrleute, die in vielen Dörfern die Zugstrecke absichern. Sie sind über die Gemeindeunfallkasse versichert. Aber nur, wenn der Dienst beim Zug auch im Dienstplan eingetragen ist, also ein offizieller Auftrag dafür besteht. Für die Sicherheit entlang der Strecken sei der Veranstalter verantwortlich, heißt es bei der Polizei. Die Streckenführung müsse vorher bei der zuständigen Ordnungsbehörde angemeldet werden. Während des Umzugs gelte der entsprechende Weg dann nicht mehr als öffentlicher Verkehrsraum, es gelten also Sonderregelungen.

Aus Sicht der Polizei steht übrigens dem ausgelassenen Feiern beim Straßenkarneval nichts entgegen. Es gebe keine Hinweise auf eine besondere Gefährdung von größeren Zügen, sagt ein Polizeisprecher.