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Mit der ersten Prunksitzung feiert der KG Heuschreck die goldenen 20er.

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : „Der Heuschreck, der wird feminin“

Mit der ersten Prunksitzung feiert der KG Heuschreck die goldenen 20er.

Fransige Cocktailkleider, funkelnder Kopfschmuck und karierte Schiebermützen, gepaart mit Hosenträgern – oder gleich ein Frack? Die Gäste der Karnevalsgesellschaft Heuschreck haben sich herausgeputzt – genauso wie die Aktiven auf der Bühne. Los geht es bereits um 18.11 Uhr am Samstagabend, und die frühe Uhrzeit merkt man dem Narrenvolk auch ein wenig an. Das „Halaudi“, der Ruf der KG, klingt noch etwas schwach – ein Umstand, der sich im Laufe der knapp sechsstündigen Sitzung aber ändern soll.

Eröffnet wird der Abend von einem gut gelaunten Prinzenpaar Harald III. und Marion II., gefolgt von einer Tanzeinlage der Kinder- und Jugendgarde. Anschließend übernimmt die Pratzbähnt mit Coverversionen im Blasmusikgewand und akrobatischen Einlagen die Bühne, bevor die erste Büttenrede ansteht: Bonnie und Clyde (Isabell Kiefer und Francois Rischard) gehen mit Beziehungsklamauk in die erste Runde, der vor allem auf Schenkelklopfer abzielt.

Der Trierer Tenor Thomas Kiessling folgt dem Paar mit Sologesang, schunkelnd begleitet vom Elferrat im Hintergrund.

Sitzungspräsident Alexander Houben leitet mit einer Auflistung von Hipster-Essen und den Worten „Wir brauchen wohl etwas Handfesteres“ den nächsten Akt in der Bütt ein. Roland Grundheber gibt den Paul Trappen, der im Engelskostüm von Petrus gesandt die Trierer Politik in die Mangel nimmt: Stephan Ackermann, der neue Blitzeranhänger und Nina Calcheras Bordelle bekommen ihr Fett weg, bevor Grundheber mit den Worten „Fuß vom Gas, das spart de Lowie, holt euch lieber e Fuffie und en Puffellabecher im Puffie“ den Bogen schließt, einen Blick in die Trierer Zukunft wagt und den Nahverkehr sowie die Biomülltüten aufs Korn nimmt.

Die Völkerverständigung zwischen Luxemburg und Trier übernehmen traditionsgemäß Marika Leonardy und Andrea Ley, die ihre erste Charleston-Tanzstunde bei Reveriano Camil nehmen. Nach einer Einlage des Chores, der sich ebenfalls am Busverkehr, Wohnen, grüner Politik und Kirchenkritik abarbeitet, geht es in die wohlverdiente Pause.

De Hofnarren bringen die Karnevalsgesellschaft schnell wieder in Stimmung. In der Bütt wird danach der Blick über den Stadtrand hinaus in die große Politik gewagt. Gerhard Kress und Alexander Houben erkennen eine neue Tiergattung, die Ministerpräsidenteneintagsfliege, in Thüringens FDP-Mann Thomas Kemmerich. Unter anderem beschäftigen sie sich auch mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche und attestieren Bischof Ackermann den Missbrauchssoli erfunden zu haben, welchen er sich bei Andreas Scheuer abgeschaut habe.

Louisa Kress nimmt in ihrem Sologesangspart die männlich geprägte Karnevalsgesellschaft unter die Lupe und kritisiert gekonnt den traditionell männlich besetzten Elferrat und auch, dass Frauen auf der Bühne meist nur in ihren gendergesetzten Rollen zu finden sind. Sie sieht sich im Männermeer und kokettiert mit „Der Heuschreck, der wird feminin“.

Die feministischen Ansätze Kress‘ werden aber sogleich von Rainer Lübeck untergraben: Das neue Mitglied im Rat widmet sich als Bademeister in breiter Mundart dem Klamauk.

Nach dem Heuschreck-Ballett übernimmt Helmut Leiendecker traditionell als letzter Büttenredner das Mikrofon und amüsiert als „Schigooolo“ und mit ähnlichen Beziehungswitzchen wie schon einige seiner Vorredner das Publikum, bevor das Männerballett und die Leiendecker Bloas den Abend beschließen.

Keine Frage: Die Heuschrecken können immer noch kraftvoll zubeißen – wenngleich der Biss manchmal zwischen Plattitüden und Schenkelklopfern gesucht werden muss.

Die Aktiven

Gerhard Kress und Alexander Houben in der Heuschreck-Bütt. Foto: TV/Julia Nemesheimer

Musik und Tanz: Kinder- und Jugendgarde, Heuschreck-Garde, -Ballett und -Chor, Louise Kress, Thomas Kiessling, Pratzbähnt, De Hofnarren, Leiendecker Bloas. Büttenreden: „Bonnie & Clyde“: Isabell Kiefer und Francois Rischard; „Trappens Paul“: Roland Grundheber; „Tanzstunde“: Marika Leonardy und Andrea Ley; „Schuhputzer“ Gerhard Kress, Alexander Houben; „Bademeister“: Rainer Lübeck; „Gigolo“: Helmut Leiendecker.