Närrische Trierer Mathematik: Auf 9 folgt 90 - 1600 Akteure beim Rosenmontagszug

Närrische Trierer Mathematik: Auf 9 folgt 90 - 1600 Akteure beim Rosenmontagszug

Der Wunsch des Trierer Prinzenpaares Uwe I. und Renate I. ist in Erfüllung gegangen: Für den Straßenkarneval taugliches Wetter war eine wesentliche Voraussetzung für einen tollen Trierer Rosenmontagszug mit 1600 Akteuren in 111 Zugnummern, der in Sachen Stimmung den 2014er noch übertraf.

Trier. Die Besucher, die sich zwecks Orientierung mit der in der TV-Wochenendausgabe abgedruckten Zugaufstellung "bewaffnet" haben, staunen nicht schlecht. Auf Zugnummer 9 folgt die 90, und nach der 101 geht es mit 10 weiter. Des Rätsels Lösung: Zugleiter Georg Heinen (50) hat auf den letzten Drücker den drittletzten von zehn Blöcken, den der KG Trier-Süd, auf Startplatz zwei beordert. Auf Wunsch der Trier-Süder Akteure. Die wollen möglichst weit vorn marschieren, um früh zur eigenen Nach-dem-Zug-Fete in der Festhalle am Bach stoßen zu können. Verständlich angesichts des Zeitgewinns von gut 90 Minuten durch die Verlegung.Rote Funken per pedes


Aber nicht nur das Publikum staunt - auch aktive Narren sind nicht vor Überraschungen gefeit: So muss die 40-köpfige Besatzung des in der Saarstraße mit einem technischen Defekt liegen gebliebenen Komiteewagens der KG Rote Funken die restlichen vier Kilometer per pedes zurücklegen.
Macht nichts, denn entlang der insgesamt fünf Kilometer langen Strecke zwischen St. Matthias und dem Verteiler Nord herrscht prächtige Stimmung. Das liegt am feiertauglichen trockenen Wetter, aber auch an dem für Trie rer Verhältnisse hohen Anteil an Live-Musik. Und darunter neben den "Klassikern" wie der Piesporter Winzerkapelle Moselloreley echte Kracher wie die Pratzbähnt (mit gesanglicher Unterstützung von Helmut Leiendecker) und die Band Fun 2.0. Klasse!
Zug-Schirmherr Thomas Müller (47) von Müller-Kylltal-Reisen zeigt sich auf halber Strecke auf dem Hauptmarkt im Blitz-Interview mit Moderatorin Alexandra Meusel (29) "superglücklich. Ein toller Tag, ein toller Umzug."
Auch Triers künftiger Oberbürgermeister Wolfram Leibe (54; Amtsantritt am 1. April) findet sichtlich Gefallen am närrischen Treiben und bietet Andreas Peters (49), dem Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK), spontan an, die Schirmherrschaft für den 2016er Umzug zu übernehmen. Ein Angebot, das man normalerweise nicht ablehnen kann, aber ausgerechnet ein SPD-Parteifreund ist Leibe zuvor gekommen: Thomas Neises (43), Stadtratsmitglied, Ex-Karnevalsprinz und aktiver Zugteilnehmer im Pfalzeler KV-Palenzia-Block, hat bereits vorher Interesse angemeldet, und das ATK-Präsidium sei schon so gut wie einig mit ihm.
Während das Prinzenpaar Uwe I. und Renate I. am Zugende an der Porta Nigra wie im Akkord Schokoriegel, Keksrollen & Co. ins Volk schaufelt, ist die Zugspitze bereits an der Arena angekommen. Dort steigt die große Abschlussfete mit rund 3500 Besuchern.
Ein Hauptprogrammpunkt ist die Prämierung herausragender Zugnummern. Die "internationale" ATK-Jury (je ein Mitglied aus Trier-Euren, Trier-West und Luxemburg) ist zu folgendem Urteil gelangt:
Schönste Wagen: 1. Pfalzeler 3-Tage-Narren, 2. Klappschmieren, 3. AG BuKoBe (Butzweiler, Kordel, Beßlich), 4. Ruwertal 801.
Schönste Fußgruppen: 1. Blaues Wasser, 2. Karnevalsfreunde TuS Euren, 3. Zauberflöten, 4. Haarvitrine Thonet.
Originellste Beiträge: 1. Saupäns, 2. Palais & Freunde, 3. Fußgruppe Josef Thömmes (40. Rosenmontagszug-Teilnahme), 4. Palzer Giefjer.
Extra

"Absolut friedlich" ist der Rosenmontagszug aus Sicht der Polizei verlaufen. Dennoch musste die Polizei am Rande des Rosenmontagszugs bei vereinzelten körperlichen Auseinandersetzungen einschreiten. Insgesamt wurden 10 Platzverweise ausgesprochen und fünf Personen in Gewahrsam genommen.Die Polizei registrierte bis zum Abend vier Strafanzeigen wegen Körperverletzung.

Laut Rainer Nehren, Chef der Polizeiinspektion Trier und Leiter des Umzug-Einsatzes, ist das "sehr wenig angesichts einer Veranstaltung mit mehreren Zehntausend Besuchern".

In der Nacht zum Dienstag blieb es nach Angaben der Polizei ruhig.