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Prinzenpaar aus Südafrika: Mit Andrew I. will die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang ein Zeichen setzen

Prinzenpaar aus Südafrika: Mit Andrew I. will die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang ein Zeichen setzen

Andrew Kremp-Steyn wollte eigentlich nicht Prinz werden. Er bleibt lieber im Hintergrund. Dann aber änderte der 52-Jährige seine Meinung. Grund dafür: die Flüchtlingswelle, die im Januar 2016 auf ihrem Höhepunkt war.

Andrew Kremp-Steyn gehört zu jenen Menschen, die dem großen Rummel um ihre Person lieber aus dem Weg gehen. Als bescheiden könnte man Kremp-Steyn bezeichnen oder als zurückhaltend. Obwohl der 52-Jährige gerne mal eine Sause mitfeiert - als Karnevalist kommt er ohnehin einige Monate lang nicht drum herum.

In diesem Jahr aber wird alles anders für Andrew Kremp-Steyn. In diesem Jahr ist er Mittelpunkt der Session. Weil Andrew Kremp-Steyn Prinz der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang wird. Kein einfacher Prinz, sondern einer, den es noch nie gegeben hat in der Geschichte des Trierer Karnevals.

Andrew Kremp-Steyn ist der erste Prinz aus Südafrika, der seine Prinzessin eigens für die jecke Zeit aus Kapstadt einfliegen lassen wird - Charnae Pieterse, seine Nichte. Die 24 Jahre alte Audiologin (eine Ohren-Spezialistin) arbeitet in einem Krankenhaus in Kimberley und war als Kind schon ganz besessen von dem Gedanken, einmal Prinzessin zu werden. "So konnten wir nach einem harten Kampf dann auch Charnaes Chef überzeugen, sie für eine so lange Zeit freizustellen", sagt Prinz Andrew I..

Der 52 Jahre alte Jurist, der an einer Hochschule in Luxemburg unterrichtet, lebt seit 16 Jahren in Ehrang. Richtig jeck geworden ist Kremp-Steyn vor vier Jahren, als sein Lebenspartner Jörg Kremp Prinz der KG Rot-Weiß war. Selbst dieses Amt übernehmen wollte der Südafrikaner allerdings nie, auch nicht, als der Vorstand ihn vor einem Jahr fragte. Mit Händen und Füßen hatte er sich gewehrt: "Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen", sagt er. Als drei Monate später dann die Flüchtlingskrise auf ihrem Höhepunkt war, machte es Klick bei Andrew Kremp-Steyn. "Ich wollte ein Zeichen setzen, wollte zeigen, wie offen unser Ort und unser Verein sind", sagt er.

So funktioniere Integration, meint Thiébaut Puel. Der gebürtige Franzose war 1982 der erste ausländische Prinz in Ehrang. Damals eine kleine Sensation im Ort. "Aber ich glaube, dass Prinz Andrew I. in ganz Deutschland bekannt wird", sagt Puel.

Vorbereitet ist Kremp-Steyn jedenfalls, sollte seine Regentschaft für Wirbel sorgen. "Sicher wird es auch Kritiker geben", sagt der 52-Jährige, "aber ich muss ja nicht jeden zufriedenstellen." Dann wird Prinz Andrew I. an das Motto denken: Die Welt ist rund, die Welt ist bunt - so will er Kritikern begegnen. Und so will er die Session begehen, die am 11. November beginnt. Bis dahin wird er noch viel zu tun haben, gerade ist er aus Südafrika zurückgekehrt.
In 9400 Kilometer Entfernung hat er schon eifrig geübt mit seiner Prinzessin, den Karnevalsruf "Ehrang helau" soll die 24-Jährige schon prima beherrschen. "Obwohl Charnae kein Wort Deutsch spricht", sagt Andrew Kremp-Steyn. Und den Rest schaffen die beiden schon, die Rede zum Beispiel, die Prinzessin Charnae I. halten muss.

Ein Traumpaar, das ein Jahr lang die Ehranger Karnevalisten anführen wird. Und im nächsten Jahr wird die KG Blau-Weiß wieder Prinz und Prinzessin stellen. Zum Schluss sagt Puel scherzend: "Mal schauen, ob die das toppen können."Extra

 Der Orden des neuen Rot-Weiß-Prinzenpaars verbindet Ehrang und Kapstadt auf der Weltkugel.
Der Orden des neuen Rot-Weiß-Prinzenpaars verbindet Ehrang und Kapstadt auf der Weltkugel. Foto: Holger Bersch (h_st )

Die Session startet wie immer am 11. November um 11.11 Uhr. Einen Tag später, am 12. November, werden Prinz Andrew I. und Prinzessin Charnae I. um 19.11 Uhr im Bürgerhaus in Ehrang inthronisiert. Vom 20. Januar bis zum 5. März ist Prinzessin Charnae I. mit ihrer Mutter - der Schwester des Prinzen - zu Gast in Ehrang. Weiberfastnacht wird am 23. Februar gefeiert, Rosenmontag am 27. Februar 2017. esc