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Schmit-z feiert mit mehr als 1000 Narren queere Sitzung in der Trierer Messeparkhalle

Kostenpflichtiger Inhalt: Kappensitzung : Im Rosa Karneval sind alle Farben willkommen – außer Braun

Die queere Sitzung des Schmit-z steht für ein buntes Trier.

Auf den Trierer Straßen ist am Wochenende in Fahrzeugen und auf Fußwegen um den Messepark herum ein erhöhtes Wikingeraufkommen zu beobachten. Insider wissen: Dort findet unter dem Motto „Wickie und die Drachenzähmerinnen“ die Rosa Sitzung statt.

„Damit das klar ist: Das hier ist eine queere Sitzung“, verkündet Sitzungspräsidentin Prissi (Stefan Grandadam) und weist darauf hin, dass hier nicht über, sondern mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen gelacht wird. Die 1050 bunten Gäste in der ausverkauften Messeparkhalle quittieren diese Ansage mit kräftigem Applaus. Überhaupt sind es die starken Statements, die die Veranstaltung von vielen anderen Karnevalssitzungen unterscheidet und sie zu etwas Besonderem machen.

Klaas Michel zieht bei der „politisch Red“ Trierer Beschlüsse und Begebenheiten durch den Kakao und erhält viel Zwischenapplaus. Bei Reimen wie „Ein Umweltstreich der besonderen Güte gelang der ART mit der Biotüte“ hat er den Nerv des Publikums getroffen. In den Sketchen der „Frauenunion“ oder der alten Damen in einer fiktiven Trierer Ikea-Filiale werden ordentliche Breitseiten gegen rechts verteilt, die vom Publikum stets mit viel Applaus und großer Zustimmung honoriert werden.

Bei dieser Programm-Vielfalt ist es unmöglich, die Höhepunkte der Sitzung zu erwähnen – die fünfstündige (!) Veranstaltung strotzt durchweg vor Kreativität, Einfallsreichtum, hintersinnigen Witzen und herrlichen Albernheiten. Da gibt es eine leicht verstörende, aber geniale Soap um schwedische Kinderbuchhelden. In der „Lindgrenstraße“ sieht man, was aus Karlsson vom Dach, Pippi Langstrumpf, Michel, Ronja Räubertochter und dem armen Nils Holgersson geworden ist. Auch Kleinkünstlerin Coremy beweist, dass sie es trotz harmlos-freundlichem Erscheinungsbild musikalisch faustdick hinter den Ohren hat. Diesen derart schwarzen Humor erlebt man eben nur beim Rosa Karneval des Schmit-z.

Aber natürlich geht es an diesem Abend auch typisch karnevalistisch zur Sache: Prinz Harald III. von den Bobinet Coworking Places und Prinzessin Marion II. von Estrich und Fliesenbau Silano geben sich samt Hofstaat die Ehre. Der Prinz ist kein Unbekannter auf der Bühne des Rosa Karnevals: In der Vergangenheit hatte er als Entertainerin „Harriet“ dort die Bühne gerockt. „Ich freue mich, zu Hause zu sein“, bekennt er auf der Bühne.

Tänzerisch beeindruckend präsentiert sich die Rosa Garde, das Publikum tobt. Als Gastbeitrag tritt die Garde der Irscher Burgnarren auf. Prissi – mit Spürsinn für Akzeptanz und Vielfalt – fragt eine der kleinen Tänzerinnen, wie es sein könne, dass sie ein blaues Kostüm trage, während die anderen Gardemädchen in Rot gekleidet seien. Weil das so ihre Idee gewesen sei, antwortet die Kleine. Und die Garde finde es o.k. Prissi und Publikum sind entzückt.

Büttenreden, Tänze und Sketche: Die Aktiven der Rosa Sitzung machen unter dem Motto „Wickie und die Drachenzähmerinnen“ ordentlich Stimmung. Foto: TV/Mandy Radics

Beim großen Finale ist es nach 1 Uhr, alle Akteure und Bühnenbauer sowie das Gastro-Team von Eric Naunheim haben ganze Arbeit geleistet und können stolz sein, eine hochkarätige Veranstaltung gestemmt zu haben. Zwar sind die Sitzungen am 21. und 22. Februar bis auf einzelne Plätze bereits ausverkauft. Für Spontane lohnt sich dennoch der Versuch, an der Abendkasse auf zurückgegebene Karten zu hoffen. Auch auf der Facebookseite Rosa Karneval/Rosa Sitzung kann man fündig werden.