(Videos) Anders: Leute aus der Bütt - Ihre Geschichten und ihr bester Witz

(Videos) Anders: Leute aus der Bütt - Ihre Geschichten und ihr bester Witz

Von politisch bis schlüpfrig: Büttenredner aus der Region verraten ihr Rezept für einen guten Text, welche Vorbereitung dahinter steckt und wie lange sie schon in der Bütt stehen. Im Video tragen sie ihren Lieblingswitz aus einer Rede vor.

Foto: privat
Foto: privat
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Hans-Karl Meunier, 72 Jahre, "M'r wieweln noch" en Zalawen, Trier
Meine erste Büttenrede habe ich 1959 als 15-Jähriger zum Thema Rock 'n' Roll bei der KG Süd gehalten. Mein Vater war dort damals Sitzungspräsident.
Bei einer Rede kommt es darauf an, dass man sie nicht als Vortrag hält, sondern eher wie ein Gespräch zwischen dem Publikum und einem selbst gestaltet. Was immer geht, sind schlüpfrige und zweideutige Gags, und man muss sich natürlich auch selber einmal auf die Schippe nehmen können.

Bei politischen Reden ist dagegen die Pointe das Wichtigste. Gelungen finde ich den Text dann, wenn die Pointe möglichst lange offenbleibt - ein guter Redner überrascht sein Publikum.
Ich schreibe meine Büttenreden immer in Reimform - das ist mir wichtig. Daran schreibe ich etwa zwei Wochen. Die Arbeit an der Rede fängt aber natürlich schon Monate vorher an: Ideen sammelt man eigentlich das ganze Jahr über.

Privat bin ich auch ein Humorist. Wenn es mir mal gelingt, will ich auch ein Buch über meine Reden herausbringen. Freunde und Bekannte drängen mich schon langsam dazu.

Johannes Heinz, 68 Jahre, Karnevalsverein Issel
Die Leidenschaft zur Bütt wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Vater hat schon Reden geschrieben. Ich selbst stehe seit 1970 in der Bütt - damals mit der Figur Hänschen Klein. Seit 1988 trete ich als der Heilige Christophorus auf.
Politische Reden sind meine Stärke. Intelligente Texte machen für mich eine gute Büttenrede aus. Einfach nur flache Witze aus der untersten Schublade aneinanderzureihen - das gefällt mir nicht. Die Schwierigkeit ist es, immer etwas Neues zu finden, das das Publikum überrascht. Bei den Texten kann man Leute auch schon einmal hart angehen. Böse E-Mails habe ich deswegen noch nie bekommen.

Da ich auch auf aktuelle politische Ereignisse eingehen muss, starte ich mit dem Schreiben meiner Rede erst sehr spät. Sechs Wochen brauche ich dann, bis alles fertig ist.
Privat bin ich nicht der große Witzeerzähler. Wir Büttenredner sind ja auch Menschen mit einem normalen Arbeitsalltag. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir Witze so gut wie gar nicht merken - das können andere deutlich besser. sek

Klaas Michel, 47 Jahre, Rosa Karneval, Trier
Halb zog es mich, halb sank ich hin. Der Rosa Karneval geht ursprünglich aus dem Theater des schwul-lesbischen Zentrums Schmit-z (Trier) hervor. Für das Theater habe ich früher schon viele Texte geschrieben. In der Bütt stehe ich jetzt seit 2000 - das hat sich daraus dann irgendwie ergeben.

Bei meinen politischen Reden versuche ich immer so aktuell wie möglich zu sein. Zwei Wochen vor der Generalprobe fange ich an. In der Regel schreibe ich dann etwa zwei oder drei Tage an meinem Text - meist wird er dann auch rechtzeitig fertig.

Was bei meinen Reden immer funktioniert, ist ein frecher Seitenhieb auf die Politik. Da hat man das Publikum meist schnell auf seiner Seite. Wenn eine Büttenrede allerdings nur auf Witzen basieren soll, dann müssen die echt richtig gut sein, damit sie funktioniert. Ansonsten muss ein Text gute Pointen haben und wenn es geht, den wunden Punkt treffen. Eine gute Rede ist daher mit dem Florett gefochten und nicht mit dem Säbel.
Ob ich auch abseits der Karnevalszeit ein Jeck bin, weiß ich nicht. Alle anderen würden mich aber sicher so beschreiben. sek

Rainer Lübeck, 58 Jahre, KG Heuschreck, Trier
Als Büttenredner rennt man mit offenen Augen durchs Leben. Immer, wenn ich einen Witz höre, überlege ich schon, ob ich ihn für meine Rede verwenden kann.

Das erste Mal stand ich 1985 in der Bütt. Mein Vater war schon Büttenredner - da bin ich dann so reingerutscht.
Was immer funktioniert, sind Witze mit Schadenfreude und wenn man sich selbst veräppelt und als doof hinstellt. Witze aus der Ecke Ehefrau und Schwiegermutter klappen immer. Damit können sich auch viele Menschen aus dem Publikum identifizieren. Eine Büttenrede finde ich gelungen, wenn das Publikum lacht. Das ist allerdings nie ein Selbstläufer. Man braucht viel Disziplin. Man darf sich nie zu sicher sein und die Witze einfach nur dahinrotzen. So etwas merkt das Publikum - dann geht man in der Bütt baden.

Privat bin ich zwar auch ein lustiger Mensch, aber man spielt auf der Bühne eine Rolle. Früher bin ich viel Rettungsdienst gefahren: Da passt es nicht, immer flapsig zu sein.

Roland Holbach, 58 Jahre, KG Närrisches Saarschiff, Irsch
Eine Büttenrede beginnt mit der Ideensammlung. Ich bin ein Mensch, der mit wachen Augen durchs Leben geht. An meinen politischen Texten schreibe ich dann etwa drei bis vier Monate, wobei ich natürlich auch immer wieder aktuelle Ereignisse berücksichtigen muss.
In der Bütt stehe ich jetzt seit 15 Jahren. Angefangen habe ich in Ockfen. Dann wollte ich mal ein anderes Publikum sehen und bin nach Irsch gewechselt.

Eine gute Rede braucht nicht immer Beifall nach jedem Satz - sie kann auch mal zum Nachdenken anregen. Generell funktionieren Gags am besten, die sich auf das Dorfgeschehen beziehen und bekannte Personen auch einmal angreifen. Dabei muss man aber viel Fingerspitzengefühl beweisen.

Einmal ist es mir passiert, dass ich mal eine Frau erwähnt habe, die das gar nicht lustig fand. Sie hat mich dann angerufen, und ich habe die Stelle aus der Rede gestrichen.
Privat bin ich nicht der große Witzeerzähler, aber auch nicht der total ernste Typ.