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Tschüss Bürgermeister, Möhnen Kreiau!

Tschüss Bürgermeister, Möhnen Kreiau!

Leiter hoch, Schlips ab, Stadtschlüssel her: In Wittlich bejubelten rund 1000 Menschen den riskanten Coup der Möhnen, über eine alte Feuerwehrleiter das Rathaus zu erobern.

Wittlich. Die Hände zum Himmel tanzen Eisbären auf dem Marktplatz. Erst schneit es, dann regnet es Bonbons. Der Bürgermeister trägt Narrenkappe und dreht sich im Walzerschritt mit einer Dame in schwarzem Spitzenrock auf der Bühne.

Deren Chefin, Obermöhne Jutta Weisenfeld, schnappt sich das Mikrofon: "Weilen geste entmachtet!", ruft sie. Das heißt: "Nun wirst Du entmachtet!" Gemeint ist der Bürgermeister. Er lacht. Die Band spielt einen Tusch. "Wittlich Kreiau!" schreit die Menge. "Dat is ähn ganz Lieber", hat Jutta Weisenfeld zwar noch vor einer Stunde gesagt, trotzdem: Den Titel "Birjamästa" kann Joachim Rodenkirch sich bis Aschermittwoch abschminken.

Mit der Leiter zur Palastrevolte



Leiter ans Rathausfenster, hoch geklettert und rein in die Zentrale der Macht: Die Überfall-strategie der Möhnen ist effizient. Zwar hat selbst der neue Bürgermeister schon Wind vom Plan bekommen. "Ich werde es mit Charme probieren und dann eventuell mit schärferem Kaliber schießen", meint Rodenkirch, nebenbei Jäger, noch vor 11.11 Uhr. Aber dann hat es bei ihm ausgesetzt.

"Lass se fallen!" warnt noch ein Stadtrat, als die erste Möhne durchs Fenster klettert. Doch was macht Rodenkich? Er umarmt die Eroberin! Es ist vorbei. Dass sich Bürgermeister und Stadträte dann lachend gefesselt über den Markt schleppen lassen, muss am neuen Wir-Gefühl in Wittlich liegen. Oder doch am Lied "Viva Colonia"? Plötzlich heißt es musikalisch: "Am Rosenmontag ". Jedenfalls bis Aschermittwoch gilt das revolutionäre "Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit."