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Verstärkte Kontrollen beim Fastnachtszug

Verstärkte Kontrollen beim Fastnachtszug

2009 hat es beim Fastnachtszug in Bernkastel-Kues viele Alkoholexzesse gegeben. Für dieses Jahr kündigt die Polizei eine höhere Präsenz und härteres Vorgehen an. Eine glasfreie Zone gibt es allerdings nicht.

Bernkastel-Kues. Der Fastnachtszug in Bernkastel-Kues weist ein besonderes Merkmal auf. Er ist die einzige Veranstaltung dieser Art in der Region, der samstagsmittags stattfindet. Dieses Alleinstellungsmerkmal bringt den Organisatoren einen Vorteil. Es kommen auch viele Zuschauer aus der Umgebung. 2009 waren etwa 10 000 Zuschauer vor Ort.

Großer Nachteil: Unter ihnen sind viele Jugendliche, die diesen Termin offenbar als Beginn der heißen Phase der tollen Tage ansehen und übermäßig dem Alkohol, vor allem Spirituosen, zusprechen. "2009 haben wir festgestellt, dass viele Jugendliche so viel Alkohol getrunken hatten, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten", sagt Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues. So hatte ein 20-Jähriger 3,2 Promille im Blut.

Bereits unmittelbar nach dem Zug trafen sich Vertreter von Polizei, Ordnungsamt und den Organisatoren des Karnevalsvereins "Huckebein", um über Konsequenzen für die Folgejahre nachzudenken. Vor wenigen Tagen gab es eine weitere Besprechung.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Polizei wird gegenüber vergangenem Jahr mit doppelter Stärke (etwa zehn Beamte) vor Ort sein. Auf die Einrichtung einer glasfreien Zone wird verzichtet. Angesichts der Länge der Zugstrecke wäre so etwas nicht zu kontrollieren, glaubt Kaspar.

Verstärkt werden Polizeibeamte im Vorfeld in Einkaufsmärkten und an Tankstellen auf die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes hinweisen. Beamte in Uniform und Zivil werden vor und während des Zugs Kontrollen bei Jugendlichen vornehmen. Von ihnen mitgeführte Spirituosen werden beschlagnahmt.

Bei den Kontrollen werden die Polizisten von Mitarbeitern des Ordnungsamts unterstützt. Gegen Erwachsene, die solche Getränke an Jugendliche abgeben, wird ein Verfahren eingeleitet. Der Veranstalter wirkt darauf hin, dass von keinem Festwagen und von keiner Fußgruppe branntweinhaltige Getränke ausgeschenkt werden.

"Huckebein"-Chef Eric Achtermann stellt seit etwa vier, fünf Jahren eine Verrohung der Sitten fest "Es ist schade, dass durch so etwas eine solche Veranstaltung in Frage gestellt wird", sagt er. "Schließlich machen wir das aus Spaß an der Fastnacht."

Der verstärkte Alkoholkonsum führe auch dazu, dass sich manche Jugendliche fortwährend in Richtung der mit Luftballons geschmückten Wagen bewegen und diese zerstören. Dabei bestehe die Gefahr, dass es zu einem Unfall kommt.

"Ich habe Angst, dass irgendwann einer unter einem Wagen liegt", sagt Eric Achtermann. Er hat deshalb bei der Verwaltung angefragt, ob es möglich ist, dass zusätzlich ein paar Feuerwehrleute zur Absicherung der Wegstrecke abgestellt werden.

Meinung

Hinschauen statt wegsehen

Bernkastel-Kues ist beileibe kein Einzelfall. Landauf, landab ist der verstärkte Alkoholkonsum bei vielen Jugendlichen zu einem Problem geworden. Nicht nur an Fastnacht. Etwas Gutes haben die Vorkommnisse der vergangenen Jahre allerdings mit sich gebracht. Es hat eine Sensibilisierung stattgefunden. Es wird hingeschaut statt weggesehen. Auch in Bernkastel-Kues ist nicht nur geredet und geschimpft worden. Es wird gehandelt, und es soll auch härter durchgegriffen werden. Es wird sicher nicht gelingen, den Alkohol von der Bildfläche zu verbannen. Das ist aber auch gar nicht das vordringliche Ziel. Es geht in erster Linie darum, einfach die Gesetzmäßigkeiten des Jugendschutzes zum Tragen kommen zu lassen. Aber vielleicht gelingt es ja auch, dass die Erwachsenen wieder etwas mehr zu Vorbildern werden. Denn die greifen auch oft, ohne viel nachzudenken, bei den Umzügen zu harten Sachen. Wein und Bier sind ja in Ordnung, aber mit Schnaps ist doch der Tag schon zu Ende, bevor er richtig angefangen hat. c.beckmann@volksfreund.de