Voller Erfolg für das Sondereinsatzkommando

Voller Erfolg für das Sondereinsatzkommando

Mehr als 2000 Trierer Narren haben auf dem Hauptmarkt einen Bilderbuch-Start in die heiße Phase der Session hingelegt. Statt eines Prinzenpaars hat ein "Sondereinsatzkommando" aus Möhnen und Marktfrauen die Macht übernommen. Auf den Stadtschlüssel muss nun ADD-Präsident Mertes aufpassen.

Trier. Weiberfastnacht auf dem Hauptmarkt ohne Prinzenpaar - geht das überhaupt? Es geht. Und wie! Eine 20-köpfige Schar aus (echten) Marktfrauen und Möhnen der KG Moselland sprang gestern in die Bresche und machte die Anfang Februar aus persönlichen Gründen zurückgetretenen Majestäten fast völlig vergessen. Selbst die Spitze der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) war völlig abgemeldet, als das Sondereinsatzkommando aus wilden Weibern die Macht übernahm. "Ich spiele nur eine Nebenrolle", gab ATK-Präsident Peter Pries kleinlaut zu.

Prima Idee: Forellenzucht in Triers Schlaglöchern



OB Klaus Jensen fiel erst mal dadurch auf, dass er sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht auf der Bühne blicken ließ, sondern im Narrenvolk untergetaucht war. Kurz vor 11.11 Uhr betrat das Stadtoberhaupt dann doch die Bühne, um - na klar - sich den symbolischen Stadtschlüssel abnehmen zu lassen. Die Gegenleistung: reichlich Lippenstift-Abdrücke im Gesicht, was dem Stadtoberhaupt den neuen Spitznamen "Knutsch-Klaus" einbrachte.

Sämtliche Weiberfastnachts-Protokollpflichten übernahmen Möhnen und Marktfrauen - vom Schmücken des Stadtpatrons Petrus mit Orden und Blumen (diesmal Tulpen in den Stadtfarben rot und gelb) bis hin zum Verkünden der närrischen Gesetze.

Die kamen aber beim männlichen Publikum überwiegend gar nicht gut an. Paragraf 5 ("In der Arena hat einmal im Monat eine Schuh- und Taschenmesse für Frauen stattzufinden") beispielsweise erntete reichlich Hohngelächter. Konsensfähig hingegen Paragraf 9: "Die Trierer Marktfrauen übernehmen alle Schlaglöcher in der Stadt und eröffnen darin eine Forellenzucht."

Während sich das entzückte Narrenvolk bei ungewohntem Wetter (Sonnenschein, angenehme Temperaturen) noch mehr in Stimmung schunkelte, zog die Karawane aus Weibern, Funktionären des organisierten Frohsinns sowie der Stadtgarde Augusta Treverorum weiter Richtung Kurfürstliches Palais. Im dortigen Rokokosaal empfing Hausherr Josef Peter Mertes, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD - nicht zu verwechseln mit ATK!), die geballte Macht des Trierer Karnevals. Dem seriös wirkenden fast 65-Jährigen (Geburtstag am 18. März) drückte das Möhnen/Marktfrauen-Kommando den frisch erbeuteten Stadtschlüssel in die Hand: "Zum Aufpassen, weil der so teuer ist." Mertes nahm dankend an. Endlich mal eine freiwillige Leistung, die nicht von der ADD moniert wurde.

Eine weitere Station der illustren Narrenkarawane war die Galeria Kaufhof in der Fleischstraße, wo Geschäftsführer Jürgen Jacobs, gebürtiger Mönchengladbacher, die Sektkorken knallen ließ. Aus guten Grund: Er wurde gestern 50.

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