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Rathauserstürmungen: Alle Schlüssel in Narrenhand!

Kostenpflichtiger Inhalt: Rathauserstürmungen : Alle Schlüssel in Narrenhand!

Sie haben wieder alles gegeben, die Möhnen, Weiber, Prinzenpaare und und das närrische Fußvolk: In der Region wurden gestern wieder erfolgreich die Rathäuser erstürmt und den Würdenträgern die Macht samt der Schlüssel für die Dauer der tollen Tage entrissen. TV-Reporter waren hautnah dabei.

Wittlich Kreiau! Einem traditionsreichen und altbewährten Protokoll folgt die Weiberfastnacht am Donnerstag in Wittlich. Alle Möhnen – bei der Höhe macht man sich schon ernsthaft Sorgen – schaffen es wohlbehalten die Leiter hinauf ins Wittlicher Rathaus. Dort oben angekommen nimmt sie Bürgermeister Joachim Rodenkirch der Reihe nach mit einem kräftigen „Wittlich kreiau!“ und einem Gläschen Sekt in Empfang, den sich Bürgermeister und Möhnen gemeinsam schmecken lassen. Doch den Möhnen ist nicht nur zum Scherzen zumute. Als sie den Bürgermeister aus dem Rathaus hinaus auf die Bühne zum Marktplatz abführen, schwenkt Obermöhne Jutta Weisenfeld bereits eine bedrohlich lange Schere über ihrem Kopf. Mit gekonnten Schnitten und der helfenden Hand einer jungen Möhne, die Rodenkirchs Schlips festhält, macht sie ernst. Wenige Sekunden später hält sie das wohl teuerste Stück Stoff des Bürgermeisters, der noch immer das Gesicht verzieht, triumphierend in den Händen. Die Jecken auf dem Marktplatz jubeln. Der Wittlicher Karneval ist nun endgültig eröffnet. Es wird gesungen und kräftig geschunkelt. „Rut sin die Ruse“, darf da nicht fehlen, ebensowenig wie die Reden zum Narrenvolk: „Ich hab verloren heut die Schlacht. Nun sind die Frauen an der Macht“, dichtete Rodenkirch. Und: „Worauf ich mich freue dieses Jahr, das ist das Kino, ist doch klar.“ Mehr Straßenkarneval gibt es in Wittlich am Sonntag. Der Fastnachtsumzug der Wittlicher Narrenzunft Rot-Weiß startet pünktlich um 14.11 Uhr im Klausenerweg und folgt der gewohnten Strecke durch die Altstadt zum Marktplatz. Es werden bis zu 800 aktive Teilnehmer erwartet.

Die Wittlicher Narrenzunft erhofft sich wieder „Millijuhnen Laidt obp da Gaaß“ begrüßen zu dürfen. Nach der Narrenparty auf dem Marktplatz wird mit allen Narren in Wittlichs Kneipen weiter gefeiert.

Bernkastel-Kues­

In Bernkastel-Kues wurden Ortsbürgermeister Wolfgang Port und Verbandsgemeindebürgermeister Leo Wächter gleich zwei Mal gestürmt – erst von den Bernkasteler und dann von den Wehlener Möhnen. Im Rathaus sind die Mitarbeiter der Stadt als Poller verkleidet und jeder der keine Durchfahrtgenehmigung hat, wird verhaftet. Das gilt auch für Wolfgang Port, dem es danach mit den Plüschhandschellen eher schwerfiel weiter seinen Sekt zu trinken. Die Poller waren dann auch Thema in dem Lied der Stadtmitarbeiter: „Wir sehn‘ die Poller oben, der Marktplatz der ist frei. Das müssen wir mal loben, alles autofrei“. Auch die Möhnen und das Prinzenpaar haben mit Liedern und Vorträgen ein stimmungsvolles Programm mitgebracht und stürmten dann auch noch die Verbandsgemeindeverwaltung und Neu-Bürgermeister Leo Wächter.

In seiner Straßenkehrermontur begrüßt Wächter die Möhnen zum ersten Mal und hält seine Rede ganz nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“. Als Zeichen dafür bekommen auch die Möhnen und das Prinzenpaar einen Besenorden von ihm geschenkt. Als die Wehlener Möhnen ihr Lied für ihn singen und die Zeile „Kein Mann kann schöner sein als unser Leolein“ ertönt, wird eines klar: Mit dem neuen VG-Bürgermeister sind die Möhnen sehr froh.

Morbach Gut abgesprochen oder wirklich nur Zufall? Sowohl die Morbacher Möhnen, als auch die Bediensteten des Rathauses haben sich vom Coronavirus inspirieren lassen. So sind die Möhnen mit Mundschutz zum Rathaus gezogen, wo sie von „Chefarzt“ Andreas Hackethal in OP-Saal-Outfit und seinen zahlreichen Gemeindeschwestern empfangen und in das Geheischnis des Sitzungssaales geführt wurden. Klar, dass die Krawatte von Hackethal bei einer „Schluckimpfung“ gegen den Coronavirus, nicht gegen den Karnevalsvirus, bereits im Foyer weichen musste, wo dieser sich nach einigen Ausreden schließlich doch den Rathausschlüssel entlocken ließ. „Corona, das Virus wollen wir nicht. Wir wollen Fastnacht ganz ohne Virusstress“, schallte es dann auch aus zahlreichen Kehlen durch das Rathaus. Im Gefolge der zahlreichen Möhnen – unter ihnen sind Gitta Decker, Emelda Müller und Gretel Kölzer seit ihrer Gründung im Jahr 1972 pausenlos dabei – befinden sich mit Oliver Staatz und Winnie Faller auch zwei Mitglieder der Morbacher Dilldappen. Während sich die Rathausangestellten in ihren Beiträgen immer wieder an ihrem Outfit Gemeindeschwester orientierten und Arzneien gegen Herzinfarkt und schwierigen Stuhlgang verteilten, widmeten sich die Möhnen auch anderen Themen. Dazu gehörte der Hochmoselübergang, zu dem sie auf der Melodie von „Über sieben Brücken musst du gehen“ die schnelle Fahrt nach Wittlich, aber auch die Ampeln auf der B 50 und das Rotlichtgewerbe im Blockhaus thematisierten.

Thalfang Die Hädeborja Flappessen, die Berja Wackessen, die Helschder Scheierpoarzler, die Schemricher Kappeskepp und die Märker Senoritas stürmen pünktlich um 11.11 Uhr das Thalfanger Rathaus. Obwohl das eigentlich nicht nötig wäre. Denn die Frauen haben dort eh schon das Sagen. „Die Männerquote liegt sehr im Argen“, sagt die erste Beigeordnete Vera Höfner, die in Thalfang derzeit die Regierungsgeschäfte führt. Und: „Wir Damen nun verwalten unsere VG. Die Männer kochen uns den Kaffee.“ Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein in der Saarstraße. „Schulden, soweit das Auge reicht, das ist gar nicht leicht“, bedauert Höfner.

Unterstützt wird die Narrenschar in diesem Jahr von den Vorschulkindern der beiden Thalfanger Kindergärten, die das erste Mal am Weiberdonnerstag mit von der Partie sind. Trotz Gegenwehr der derzeitigen Rathaus-Chefin wechselt der riesige Schlüssel rasch den Besitzer und landet bei den Heidenburgern, die diesmal mit König Wolfgang a.D., dem aktuellen Prinzenpaar Simone II. und Ralf II. sowie dem Kinderprinzenpaar Lian I., Emma I. und Gefolge angerückt sind. Kinder an die Macht? Von wegen. Rasch bemächtigt sich der Prinz alias Ralf Mattes des Schlüssels, im richtigen Leben der erste Feuerwehrmann der Verbandsgemeinde, und verkündet der jubelnden Narrenschar: „Ich bestelle schon mal drei Feuerwehrautos.“ Die ­Wackessen, so ist es Brauch, stimmen ein Liedchen an und kommentieren die anstehende Wahl des Verbandsgemeindebürgermeisters: „Die Bewerberzahl ist ziemlich klein, für die Thalfanger Verbandsgemein‘.“

Und noch eine Premiere: Ein echter Zauberer aus Hilscheid gibt sich die Ehre und zeigt kleinen und großen Jecken allerlei Tricks. Nur die Hoffnung der Beigeordneten, dass er die Schulden der Verbandsgemeinde einfach wegzaubern kann, erfüllt sich nicht. Trotzdem singen und schunkeln die Narren, was das Zeug hält.

Kleine und große Narren erobern das Thalfanger Rathaus. Foto: TV/Ilse Rosenschild
Chefarzt und Bürgermeister Andreas Hackethal mit Mundschutz inmitten der Morbacher Möhnen. Foto: Christoph Strouvelle. Foto: Christoph Strouvelle
Die Wehlener Möhnen haben das Rathaus in Bernkastel-Kues gestürmt und Bürgermeister Wolfgang Port entmachtet. Foto: TV/Angelina Burch
Fotograf: Rosenschild Ilse Ort: Morbach Person: Geiter Ralf Buz: Die S(chlüssel)-Frage: Wird Bürgermeister Gregor Eibes am Dicken Donnerstag erneut den alten Schlüssel rausrücken, oder gibt es passend zum neuen Rathaus auch einen neuen Schlüssel? MORBACH. In der gesamten Region erobern die Möhnen am Dicken Donnerstag die Rathäuser. Das wird sicher auch in Morbach der Fall sein. Doch ob dieser Schlüssel wie in den vergangenen Jahrzehnten dabei – zumindest kurzfristig – den Besitzer wechselt, ist unklar. Schließlich hat die Morbacher Verwaltung ja vor wenigen Tagen die Räumlichkeiten gewechselt und das neue Rathaus bezogen. Ob der alte Schlüssel in die neue Eingangstür passt? Morbachs Büroleiter Theo Gätz jedenfalls hüllt sich in Schweigen. Er hält es mit dem „Kaiser“ Franz Beckenbauer und sagt: „Schau'n wir mal.“ ca/jöl (iro)/Foto: Ilse Rosenschild. Foto: Rosenschild Ilse
Prinz Marc II. und Prinzessin Iske I. sowie die Kinderprinzen Lasse I. und Helen I. entmachten in Traben-Trarbach Beigeordnete Anja Bindges. Foto: Silvia Stephani
VG-Bürgermeister Leo Wächter hält in Straßenkehrermontur seine Rede vor den Möhnen. Foto: TV/Angelina Burch

Traben-Trarbach Nach einem ausgedehnten Zug durch die Stadt setzen die Traben-Trarbacher Karnevalisten pünktlich um 11.11 Uhr zum Sturm auf die Verwaltung an. Prinz Marc II. und Prinzessin Iske I. sowie Kinderprinz Lasse I. und Kinderprinzessin Helen I. bekommen dabei Unterstützung von rund 30 Jecken. Mit geballter Narren-Kraft überwältigen sie Stadtbürgermeister Patrice-Christian-Roger Langer, der nun einen Schlips ärmer ist, und Anja Bindges, 2. Beigeordnete der Verbandsgemeinde. Die Moselmetropole Traben-Trarbach ist damit nun auch fest in Narrenhand.