Das aktuelle Männerballett der Wittlicher Narrenzunft tritt zum letzten Mal auf

Karneval : Die Rocker gehen in Rente

Das aktuelle Männerballett der Wittlicher Narrenzunft tritt in dieser Session nach zehn gemeinsamen Jahren zum letzten Mal auf. Zum Feiern gingen sie gerne in den Keller, haben Nachwuchs in ihren Reihen und sogar ein Haus.

Nathalie Vinzens sind die Karnevalsgene quasi in die Wiege gelegt worden. Die 43-Jährige, die gebürtig aus der kleinen Karnevalshochburg Dreis stammt, hat schon früh an Fastnacht auf der Bühne gestanden, war in der Prinzengarde und mit zwölf Jahren Solomariechen.

Dass sie rund 30 Jahre später noch immer aktiv ist, verwundert da nicht: Die ausgebildete Tanzpädagogin trainiert seit 22 Jahren das Männerballett der Narrenzunft Wittlich, das seit zehn Jahren in der aktuellen Konstellation zusammen ist. Doch ein elftes Jahr wird es für die acht Tänzer nicht geben, denn nach dieser Session ist Schluss. „Einige von uns wollten aus verschiedenen Gründen aufhören. Und die Gruppe mit anderen Männern auffüllen wollten wir nicht. Deshalb hören wir jetzt komplett auf“, sagt Vinzens.

Am Zusammenhalt der Gruppe, die zum TV-Termin komplett und einheitlich in Jeans, weißen Shirts und Rockerkutte mit Karnevalsorden dekoriert erscheint, kann es nicht liegen.

„Wir treffen uns auch im Sommer zum gemeinsamen Grillen“, sagt Vinzens. „Am ersten Freitag des Jahres haben wir auch immer unsere Weihnachtsfeier“, sagt Tänzer Jan Mußweiler. „Wir sind eine tolle Clique“, pflichtet ihm Vinzens bei.

Was die Zuschauer der drei Sitzungen in diesem Jahr (siehe Extra) von den acht Tänzern und ihrer Trainerin zu sehen bekommen, verraten sie nicht. „Da müssen sich die Leute überraschen lassen“, sagt Nathalie Vinzens und lacht. Aber ein wenig Einblick geben sie dann doch. Es wird eine Art Medley sein, etwas mehr als sechs Minuten lang, und steht unter dem Titel Last Dance. Und: „Wir werden alle Kostüme der vergangenen Jahre nochmal zeigen.“ Passen die denn auch noch allen? „Einige schlabbern ein wenig“, kommt prompt die Antwort von Ralph Adams, und seine Kollegen lachen. Unter den gezeigten Kleidern werden Babykostüme sein, Clowns, Stewardessen, Gardemädchen oder Autowäscher – der Lieblingstanz der Gruppe. Damit habe man auch Auftritte auf Geburtstagspartys oder Firmenveranstaltungen gehabt. Und natürlich die Rockerkutte: „Das ist unser Erkennungszeichen“, sagt Axel Lex, dienstältester Tänzer und seit 1987 dabei.

Infiziert mit dem Tanzvirus ist auch schon der fast fünfjährige Neo, der Sohn von Nathalie Vinzens und ihrem – natürlich im Männerballett mittanzenden – Lebensgefährten Ralf Wellems. „Er ist auch beim Training dabei“, sagt Vinzens. Und das Pfarrheim St. Bernhard, wo die Gruppe einmal die Woche trainiert und an Fastnacht auftritt, sei für ihn das „Haus vom Männerballett“. Dort halten sich die Tänzer an den Sitzungen am liebsten im Keller auf, wo an den drei Abenden die Kostüme angezogen und die Akteure geschminkt werden.

Auch in Zukunft will die Gruppe, die zwischen 45 und 65 Jahren alt ist, zusammenbleiben und sich häufiger treffen, auch mit Familienanhang. Zum Beispiel sind dann Fahrten nach Köln geplant, um dort Karneval zu feiern. „Dann klöppeln wir unsere Kostüme selbst“, wie einer der Tänzer scherzend einfügt, zum Spaß seiner Mittänzer.

Doch erst einmal stehen die letzten drei Auftritte an. Lampenfieber haben die acht Männer und eine Frau bisher noch nicht. Das komme immer erst kurz vor dem Auftritt, sagen sie. „Und am meisten von uns bin ich nervös, wenn es dann auf die Bühne geht, denn dann kann ich nicht mehr eingreifen“, sagt Nathalie Vinzens.