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Unsere Vereine: Seit 44 Jahren: Die Dreiser Fastnacht lebe hoch!

Unsere Vereine : Seit 44 Jahren: Die Dreiser Fastnacht lebe hoch!

Dreis gehört unbestritten zu den Karnevalshochburgen der Region. Die Sitzungen sind mit 500 bis 600 Besuchern ausverkauft, zum Rosenmontag strömen bei gutem Wetter 10 000 Besucher und die Prinzen, von denen es seit 1953 fast jedes Jahr einen gab, spielen eine wichtige Rolle. Zudem haben sie eigene Traditionen.

Wer schon einmal in Dreis auf der Kappensitzung war und den feierlichen Einmarsch von Prinz, Garden, Elferrat und Fahnenträgern miterlebt und gesehen hat, wie knapp einhundert Tanzbegeisterte die Bühne mit kreativen, kurzweiligen Beiträgen zum Staunen gebracht haben, und sich bei den Büttenreden lachend fast am Getränk verschluckt hat, der hat eine Ahnung davon, warum in Dreis der Karneval eine so große Bedeutung hat.

Die Karnevalssession

Neben der Kappensitzung ist der Rosenmontagsumzug das Aushängeschild des Vereins. Christoph Thieltges, 1. Vorsitzender des Vereins, erklärt: „Um die 40 Gruppen mit etwa 800 Teilnehmern sind es immer, die beim Umzug dabei sind.“ Seit 44 Jahren ist der Karnevalsverein im Vereinsregister eingetragen, Karneval gefeiert wird aber schon viel länger. Sehr stolz sind die Dreiser auf ihre Prinzentradition. Seit 1953 hat es fast in jedem Jahr einen Prinzen aus dem Ort gegeben, bis auf fünf Jahre, in denen sich keiner gefunden hat. Das Orant stellt der Verein, die Kappe und die Federn muss der Prinz selbst besorgen.

Übergabe des Zepters an den Karnevalsprinzen. Foto: Ewald Schmitz, Fotoclub Blende 13

Der Dreiser Karnevalsprinz wird an Fastnachtssonntag in sein Amt eingeführt. Eine Gruppe aus Musikverein, Garden und Elferrat holt ihn von zu Hause ab, er bekommt das Zepter, dass seit mindestens 1967 von Prinz zu Prinz weitergegeben wird. In der Ortsmitte warten die „Puppenträger“, eine Gruppe von sechs bis neun Männern schon auf den royalen Zug. Sie haben aus Stroh eine Puppe gebastelt. Der Prinz bekommt sie und sie wird am Dorfplatz aufgehangen. Jeder, der zwischen Sonntag und Dienstag an ihr vorbeikommt, muss sie grüßen. Wer das nicht tut und dabei gesehen wird, muss eine Runde Getränke ausgeben. In der Nacht von Fastnachtsdienstag auf Aschermittwoch muss der Prinz die Puppe beim Fastnachtsausklang selbst anzünden. Christoph Thieltges: „Das ist ein ganz besonderes Erlebnis, dass kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. Auf jeden Fall gibt es bei diesem Ereignis viele, denen die Tränen in den Augen stehen.“

Der Verein geht an Weiberdonnerstag gemeinsam mit den Möhnen des Ortes ins Altersheim, die Schule und den Kindergarten. Insgesamt hat der Verein fünf eigene Veranstaltungen in der Fastnachtssession: den Kinderkarneval, die große Kappensitzung, die Prinzenproklamation, den Rosenmontagsumzug und das Verbrennen der Fastnacht. Dazu fahren sie zu befreundeten Vereinen, um dort zu Feiern. Christoph Thieltges erklärt: „Der Zusammenhalt im Verein ist sehr gut, und jeder packt mit an. Wenn man das sieht, ist man einfach stolz.“ Sehr schön findet er, dass im Karneval Jung uns Alt friedlich zusammen feiern. „Das wird meiner Meinung nach zu wenig gesehen. Wenn in der Halle 1200 gemeinsam Spaß haben, wird oft nur von den zwei, drei Randalierern vor der Tür berichtet. Das wirft ein falsches Licht auf den Karneval“.

Die Garden bei der Abholung des Prinzen. Foto: Ewald Schmitz, Fotoclub Blende 13

Bei aller Freude über den erfolgreichen Karneval gibt es aber auch Schwierigkeiten, mit denen der Dreiser Karneval, wie viele andere auch, zu kämpfen hat. Beispielsweise gibt es immer weniger Wagen, die für Fastnacht gebaut werden, weil es zu wenige Möglichkeiten gibt, wo man Bauen und den Wagen unterstellen kann und weil die Sicherheitsauflagen immer größer werden. „Für unseren Rosenmontagsumzug wollen wir deshalb verstärkt auch Fußgruppen aus anderen Orten ansprechen, bei uns mitzumachen.“ Zudem wird es auch nicht einfacher, Redner für die Kappensitzung zu finden. „Obwohl es da immer ein auf und ab gibt. In dem einen Jahr sind es viele, in anderen ist es etwas dünner.“ Gut aufgestellt ist der Verein immer noch bei den Garden und den Trainern. Insgesamt sind es sechs Tanzgruppen, inklusive eines Männerballetts, die in Dreis auf der Bühne stehen.

Das Jubiläum

Das Dreiser Schloss haben die Karnevalisten nachgebaut und auf einen Wagen gepackt. Foto: Ewald Schmitz, Fotoclub Blende 13

Die Feierlichkeiten für das 44-Jährige werden sich durch das ganze Jahr ziehen, wobei es keine extra Jubiläumssitzung gibt. Thieltges begründet das so: „Das hatten wir beim 33-Jährigen, und in elf Jahren ist dafür einfach zu wenig passiert.“ Aber es sind alle Prinzen eingeladen und der Vorsitzende rechnet damit, dass 36 von den 62 auch kommen werden. Den Vatertag, den der Verein im Ort ausrichtet, wird dieses Jahr mit Livemusik gestaltet.

Höhepunkt wird aber das Open Air am 27. Juni mit den Bands Die Räuber, Miljö und Druckluft sein. „So was hatten wir noch nicht. Ich denke, das wird sehr gut ankommen, denn es ist draußen eine schöne, lockere Atmosphäre unsere befreundeten Vereine haben keine Veranstaltungen und die Bands werden auch Besucher aus anderen Orten anziehen.“

Gute Stimmung haben die Dreiser und viele Akteure. Foto: Ewald Schmitz, Fotoclub Blende 13

Personelle Veränderungen

Für Thieltges wird es eine seiner letzten Veranstaltungen sein, für die er als Vorsitzender verantwortlich ist, denn nach acht Jahren wollen er und seine zweite Vorsitzende Elisabeth Gansen Thieltges ihr Amt abgeben. „Der Verein ist gut aufgestellt und es wird sich bestimmt ein Nachfolger finden, der wieder neue Dinge anstoßen wird“, meint er zuversichtlich.

Bis dahin haben der scheidende erste und seine zweite Vorsitzende noch genügend Gelegenheit, die letzte Session in diesem Amt zu genießen.