Wo eine Jungfrau einen Antrag macht

Wo eine Jungfrau einen Antrag macht

Einer längeren Vorglühzeit auf Publikumsseite bedurfte es ganz und gar nicht bei "Bütt und Tanz" am Samstagabend im Bürgerhaus in Kordel. Innerhalb weniger Augenblicke schnellte die Stimmung von null auf 180 und blieb so hoch bis zum Sitzungsende.

Kordel. Eines steht in Kordel als ungeschriebenes Gesetz fest - und genau das wurde lauthals besungen (Melodie zu "Mer losse d\'r Dom en Kölle"): Die Kordeler lassen die Fastnacht in Kordel, "denn da gehört sie hin". Mehr als deutlich wurde dies bei "Bütt und Tanz". So heißt die sechste Fastnachts-Fete des Karneval-Vereins 1980 (KVK) in der laufenden Session. Mehr als 300 kostümierte Gäste wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen und schunkelten, tanzten und sangen zu den Aktionen auf der Bühne.
Selbst in einer Fastnachts-Hochburg wie Kordel hatte es so etwas noch nie gegeben: "Willst du mich heiraten?", fragte während der laufenden Sitzung mitten von der Bühne die Jungfrau des ehemailgen Dreigestirns, Christoph Siemer, seine Angebetete Tracy Rothgerber. Und sie hat dann auch "Ja" gesagt, mit einem kleinen Tränchen in den Augen. Doch bei dem einen Tränchen blieb es nicht: Wohl mehr als einhundert Besucherinnen waren derart gerührt, dass sie ebenfalls ihren Tränen freien Lauf ließen.Tänzer mit fliegendem Teppich


Schöne und grazile Männer gab es sogar im ganzen Dutzend beim Tanz des Männerballetts, das eine orientalische Geschichte tanzte mit fliegendem Teppich, Suleika, Emir und auch beleibtem Bauchtanz. Übrigens: Das Kordeler Männerballett (Trainerin Anne Lena Engelke) kam einen Tag zuvor hochdekoriert mit dem ersten Preis vom Männerballett-Festival in Arenrath heim. Da der Pokal bereits zum dritten Mal ertanzt wurde, konnten die Akteure den Pott für immer mitnehmen. Daher auch der Einmarsch mit den Pokalträgern.
Aber auch beim Gesangsauftritt der Kordeler Ausgabe von Freddy Quinn (Klaus Erasmy) waren die Gäste aus dem Häuschen. Spätestens da muss der Wunsch, einmal Prinz sein zu wollen, umgeschrieben werden in "einmal Kordeler Freddy Quinn" sein zu wollen. Warum? Die Kordeler Damenwelt schmachtete nach ihrem Idol bei "La guittarra brasilana" oder "Vergangen, Vergessen, Vorüber". Der Kordeler Freddy sah dem Hamburger Original sehr ähnlich. Den Rest taten Gestik und Mimik. Mittlerweile hatte sich eine lange Schlange Richtung Bühne mit Verehrerinnen gebildet, um ihrem Idol zu huldigen. Was sonst ein "Kussminister" besorgt, erledigte Freddy in disem Fall selber.
Bestens informiert, was so los war im vergangenen Jahr im Dorf, war ein Kordeler Bütten-Original namens Buttje (Guido Gangolf): Seine stets zum Mitsprechen wiederholte Losung: "Buttje, Buttje vunn da Kyll, wen viel fuarwatzt - weeß uch viel!"
Für reichlich Mitsingen sorgte die Band Kordeler Troulichter (Name kommt von ausgehöhlten Runkelrüben, Bandleader Paul-Michael Maigler, Großvater des Prinzen): "Die Stimmung in Kordel ist gut", was eigentlich nicht ganz stimmte: Die Stimmung in Kordel war bestens, um nicht zu sagen, sie war super, aber das hätte in den Liedtext nicht gepasst.
Die weiteren Mitwirkenden:
Sitzungspräsident Adrian Maigler, Prinzenpaar Adrian I (Maigler) und Prinzessin Vanessa I (Damek) mit Gefolge "Buarschkoben Kuardel" und "Chaotenclub", Elke Junk, Guido Gangolf (Bütt Kordeler Pasteuse), Tanzmäuse (Trainerin Isabel Riveris), Prinzengarde (Sarah Becker). Als Gäste nahmen an dem Kordeler Programm teil: Solotänzerin Chiara Wollscheid (Naurath/Eifel), Pratzbähnt (Trier-Irsch), Stadtgarde Augusta Treverorum sowie die Stadthusaren Schweich, zu denen man eine langjährige Freundschaft pflegt.
Weitere Veranstaltungen: Der Höhepunkt der Session in Kordel steht an beim Umzug am Fastnachtssonntag mit anschließender Party im Bürgerhaus. Ortsbürgermeister Medard Roth: "Ich will hoffen, dass mindestens 11 111 Zuschauer kommen."
Weitere Fotos im Internet unter der Adresse
volksfreund.de/fastnacht