Zwei kreative Köpfe des Karnevals

Zwei kreative Köpfe des Karnevals

Die Verdienstorden in Gold des Bundes Deutscher Karneval für Roland Hoffmann und in Silber für Rainer Kind würdigen die Leistung der Pflege des närrischen Brauchtums in Saarburg, was keinesfalls nur auf die fünfte Jahreszeit beschränkt bleibt. Frohsinn ist ein Ganzjahresjob, sagen beide.

Saarburg. "Das sind vier bis sechs Wochen im Jahr. Danach hast du wieder deine Ruhe", mit diesem Satz lockte Heinz Rassier 1987 den jungen Radio- und Fernsehtechniker Roland Hoffmann in die Technikabteilung der Karnevalsgesellschaft Hau-Ruck Saarburg. Die Zeitangabe sollte sich für den heute 56-Jährigen als Trugschluss herausstellen.
Bei Rainer Kind war der Weg hingegen vorgezeichnet. Er erinnert sich: "Bereits als Kind haben mich meine beiden Opas, Hans Schmitt und Josef Kind, und meine Mutter Angelika zu den Proben für die Kappensitzungen mitgenommen." Das war vor 45 Jahren. "Vor 25 Jahren habe ich Lambada getanzt. Seitdem bin ich Aktiver", fügt er hinzu. Der 50-Jährige ist Spross einer der Gründerfamilien des Hau-Ruck.
Roland Hoffmann und Rainer Kind haben den Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval (BDK) bekommen, der eine in Gold, der andere in Silber. Beide wissen: Noch ist in der aktuellen Session viel Schwung drin, der fürs nächste Jahr genutzt werden muss. Nach Aschermittwoch sackt es ab. Deshalb muss der Programmausschuss vorher zusammentreten, in dem beide aktiv sind, auch wenn Hoffmann aus beruflichen Gründen nicht mehr Hau-Ruck-Präsident sein kann. "Themen hatten wir schon so viele, da wird die Luft langsam dünn", verrät Kind. Doch Hoffmann weiß: "Wir sind immer noch verrückt genug, um Neues zu entwickeln." Gerade jetzt sei die Kreativphase angebrochen.
Der Präsident und der studierte Musiker, der das Sorglos-Theater auf die Hau-Ruck-Bühne brachte, können sich zwar auf die 150 Aktiven unter den 500 Mitgliedern verlassen, wissen aber auch, dass Geselligkeit und vor allem die Nachwuchsförderung im Verein genauso wichtig sind wie die Arbeit am Thema. Doch die Ansprüche des Publikums im Vergleich zu früher haben sich unübersehbar verändert. "Die Leute vergleichen uns immer mehr mit Sitzungen im Fernsehen", sagt Hoffmann. Die Show müsse perfekt sein, um 2000 Gäste in einer Session zufriedenzustellen.
Das ist in dieser Session mit dem Motto "Küstenstadt am Narrenkapp" gerade an der echt wirkenden Hafenbar zu erkennen, mit Leihgaben richtiger Schiffsausstattung. Jeder Musikeinsatz und jeder Lichtspot muss sitzen. Kostüme und Liedgut - alles muss zum Thema passen. Und das sei eben Arbeit rund ums Jahr.
Die Fastnacht darf als Paradedisziplin der freien Meinungsäußerung nie missbraucht werden, hat sich der Verein geschworen. "Wir gehen nie unter die Gürtellinie. Ereignisse wie das Attentat von Paris kommen zwar vor, werden aber nicht persifliert", erklärt Hoffmann.
"Der Lohn der Anstrengung ist der eigene Spaß und der Applaus", verrät der ehemalige Präsident, für den im Sommer ein Nachfolger gewählt wird. "Für mich ist es der Reiz, immer wieder das Beste hinzubekommen, das möglich ist", sagt Kind.
Extra

Roland Hoffmann war bei der Karnevalsgesellschaft Hau-Ruck von 1987 bis 1995 für die Technik zuständig. Ab 1994 war und ist er als Mitglied im Programmausschuss der Gesellschaft für Inhalt und Ablauf der Kappensitzung mitverantwortlich. Ab der Session 1996 führte er als Sitzungspräsident durch die Kappensitzungen. Dieses Amt bekleidete er mit vollem Elan und routinierter Hand 11 Jahre lang. Unter seiner Führung hatte Hau-Ruck einen Qualitätssprung zu verzeichnen, so dass die Kartennachfrage immer weiter anstieg. So war es logische Folge, dass nach dem altersbedingten Ausscheiden des Präsidenten Max Kind im Mai 2000 Roland Hoffmann den Vorsitz der Karnevalsgesellschaft übernahm. Aus beruflichen Gründen gab er schweren Herzens im September 2014 nach 14 Jahren an der Spitze des Vereins seinen Verzicht auf das Amt des Präsidenten bekannt. Rainer Kind hat bereits als Mitglied der Original Wunderländer mehrere Jahre am Schlagzeug den Takt angegeben, 1989 kam er zum Hau-Ruck. Er übernahm die Verantwortung für die musikalische Untermalung. Nachdem er eine närrische Schar gleichgesinnter Aktiven gesucht und gefunden hatte, gründete man ein Männerballett, das ab der Session 1990 bis zum heutigen Tage in jeder Session zum absoluten Höhepunkt des Hau-Ruck-Programms gehörte. Als Ideengeber, Chef der Truppe und überaus kreativer Narr zeichnet Rainer Kind in den nunmehr über 25 Jahren seiner Hau-Ruck-Mitarbeit für viele humorige Show- und Musik-Acts verantwortlich. Trotz häufiger wohnortbedingter Abwesenheit ist der Profimusiker und Perfektionist Rainer Kind nunmehr seit einem Vierteljahrhundert Mitglied des Programmausschusses und Leiter des Sorglos-Theaters und bestimmt so die Geschicke des Hau-Rucks mit. red