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FDP schickt Henrick Meine ins Rennen

FDP schickt Henrick Meine ins Rennen

Nahezu einstimmig hat die FDP den Bankkaufmann Henrick Meine als Kandidat für die Bundestagswahl 2013 (Wahlkreis 204) nominiert. Mini-Eklat am Rande der gemeinsamen Versammlung der Liberalen aus Trier und Trier-Saarburg: Ein Mitglied aus Wasserliesch erklärte erbost seinen Parteiaustritt und verließ den Saal.

Trier-Nord. Henrick wer? Allenfalls aufmerksame Beobachter der lokalen Parteienlandschaft kennen den Mann, den die FDP Trier/Trier-Saaburg bei der Bundestagswahl 2013 als Direktkandidat aufbietet. Den 35-Jährigen selbst ficht das - frei nach dem Motto "Meine große Zeiten kommen erst noch" - nicht an. Seine erste Kandidatur für ein Parlament sieht Henrick Meine "ganz sportlich und nicht verbissen. Wenn\'s beim ersten Mal nicht klappt, dann vielleicht später."Beim Thema Jagdrecht kracht\'s


Soll wohl heißen: später bestimmt, denn politisch ambitionslos ist der 35-Jährige ganz und gar nicht. Geboren in Hannover und "aufgewachsen in einem 3000-Seelen-Dorf am Fuße des Deister", lebt der bekennende Anhänger des Fußballclubs Hannover 96 seit acht Jahren in Trier und arbeitet als Kundenbetreuer einer US-Transaktionsbank in Luxemburg.
Passenderweise bringt er sich in der Partei als Schatzmeister ein. Diese Funktion nimmt er sowohl im Landesvorstand der Jungen Liberalen als auch in der FDP Trier ein. Den größten Beifall in seiner Vorstellungsrede vor rund 30 Liberalen im Restaurant Postillion erhält er aber, als er von seinem Banker-Vorleben berichtet: Meine hat eine zweieinhalbjährige Ausbildung als Bierbrauer und Mälzer absolviert.
Seine politischen Ziele: Bürokratieauswüchse zurechtstutzen, bürokratische Hemmnisse zwischen Deutschland und Luxemburg abbauen, die Verkehrs-Infrastruktur in der Region Trier, "die nach Anschluss lechzt", verbessern. Und natürlich seinen Finanz-Sachverstand einbringen. Neben Kurt Beck, "der am Nürburgring eine halbe Milliarde in den Sand setzt" und es nicht schaffe, wenige Kilometer entfernt den A-1-Lückenschluss zu realisieren, bekommt auch das Euro-Krisen-gebeutelte Griechenland sein Fett weg: "Deutschland will helfen, aber wir lassen uns nicht für dumm verkaufen." Die Griechen müssten "sich am Riemen reißen und ihren Laden in Ordnung bringen". So wie es Irland getan hat.
Parteimitglied Frank Wiß, Allgemeinmediziner aus Wasserliesch, missfällt Meines Ausflug in die Europa-Politik ("Das kommt hier nicht gut an") und setzt an, den von den Vorständen aus Stadt und Kreis vorgeschlagenen Kandidaten in die Mangel zu nehmen: "Das müssen Sie sich gefallen lassen. Das droht Ihnen draußen ja auch." Als Wiß nach dem Thema Gesundheitspolitik auch noch das Jagdrecht anspricht und Meines Meinung dazu wissen will, fühlt er sich von Versammlungsleiter Claus Piedmont (Konz-Filzen) gebremst. Es entwickelt sich ein kurzes Wortgefecht. Wiß springt erbost auf und verlässt mit den Worten: "Ich lasse mir den Mund nicht verbieten. Ich erkläre hiermit meinen Austritt" den Saal. Meines hinterhergerufenes Angebot "Ich sag\' was zum Jagdrecht" bleibt unerhört. Die meisten der Versammlungsteilnehmer quittieren den Abgang mit Kopfschütteln. Tenor: "Das hat er genau so geplant."
Es soll der einzige Ausdruck von Disharmonie am Abend der Kandidatenkür bleiben. Die 23 Stimmberechtigten wählen Meine nahezu einstimmig zum Bundestagskandidaten. Es gibt lediglich eine Enthaltung.
Die Liberalen haben im Landkreis Trier-Saarburg nun 53 Mitglieder, in Trier sind es 84.Extra

Die nächste Bundestagswahl findet voraussichtlich im Herbst 2013 statt. Henrick Meine (FDP) ist der erste für den Wahlkreis 204 (Trier/Trier-Saarburg) nominierte Kandidat. Bei den anderen Parteien steht die Kandidatenkür noch aus. Es gilt aber als sicher, dass für die CDU erneut Bernhard Kaster (54; Trier) ins Rennen geht, der seit Oktober 2002 dem Bundestag angehört und bei den letzten beiden Wahlen das Direktmandat erhalten hat. Ihre Bereitschaft zur erneuten Kandidatur hat Katrin Werner (39; Trier), 2009 über die Landesliste der Linken ins Parlament eingezogen, bereits erklärt. Die SPD muss noch klären, wer die Nachfolge von Manfred Nink (62; Kenn) antreten soll, der nicht erneut kandidieren will. Viele Beobachter tippen auf Katarina Barley (43; Schweich). rm.


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