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Flotte Sprüche in skurriler Atmosphäre

Flotte Sprüche in skurriler Atmosphäre

Der Wahlkampf geht in seine entscheidende Phase. Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, ist am Sonntag in Trier auf Stimmenfang gegangen. Sie ließ sich auch von einigen NPD-Anhängern nicht in ihrer Rede stören.

Trier. Die Szenerie auf dem Trie rer Kornmarkt stellt sich an diesem sonnigen Sonntagmorgen skurril dar. Vor den Cafés und Lokalen sitzen kurz vor 11 Uhr Gäste beim Frühstück oder beim Frühschoppen. Auf einer Bühne spielen drei Männer Sinti-Musik und Latin Swing. Aus einem Kleinbus steigt Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth, die sich auf Wahlkampftour befindet. Gleichzeitig marschieren sieben NPD-Anhänger mit Transparenten auf den Platz. In ihrer Nähe positionieren sich etwa 20 Polizisten. Vor die NPD-Leute stellen sich, quasi als Puffer, junge Leute aus der alternativen Szene. Mittendrin laufen Urlauber, darunter viele asiatische Gäste, und fotografieren, was das Zeug hält. So sieht der Bundestagswahlkampf 2013 in Trier aus.Bundestagswahl 2013



Die Leute aus der rechtsextremen Szene werden von fast allen Zuhörern ignoriert, obwohl sie mit Trillerpfeifen und Zwischenrufen die Rede von Claudia Roth stören. Es hat den Anschein, als ob die 58-Jährige gerade dadurch angestachelt wird und zu besonderer Form aufläuft. Rufe wie "Grün und Rot, Deutschland tot", kontert sie mit: "Fünf Worte können sie aussprechen." Als ein kleines Mädchen sich die Ohren zuhält, sagt sie: "Gell, die sind laut und machen auch keine gescheite Musik."
Doch Claudia Roth ist natürlich in erster Linie auf Stimmenfang für die Bundestagswahl am 22. September. Für ihre Sprüche ist sie bekannt. "Angela Merkel hat einen Teflonanzug an. An ihr perlt alles ab." Und: "Der liebe Gott hat Bayern nicht der CSU vermacht."
Sie packt viele Themen an. Wichtigste Zukunftsaufgaben sind für sie die Energiewende und die Gerechtigkeit (Mindestlohn, gleiches Geld für Frauen und Männer). Sie mahnt, die Schwachen nicht allein zu lassen und den Arabischen Frühling nicht zu einem eiskalten Winter verkommen zu lassen. Natürlich fehlen auch Themen wie der Datenschutz nicht. Der sei ein Grundrecht. Roth: "Meine Privatheit geht niemanden etwas an." Sie erzählt viel über das Programm der Grünen. Das umfasse 340 Seiten und sei als Hörbuch 14 Stunden lang, räumt sie ein. Roth ist aber auch staatstragend. Sie ruft die Leute auf, zur Wahl zu gehen. Längst nicht überall auf der Welt sei dies möglich.
Die Veranstaltung endet friedlich. Selbst die sieben NPD-Anhänger bekommen Beifall. Allerdings nur in dem Moment, als sie den Platz verlassen.


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