Freizeit vor Ehrenamt

Gleich vier Gemeinden im Raum Morbach und Thalfang müssen derzeit ohne Dorfchef aus kommen. In den kommenden Wochen sind dort die Gemeinderäte gefragt, nach Kandidaten Ausschau zu halten, die die vielfältigen Aufgaben dieses Ehrenamtes nicht zurückschrecken lassen.

Morbach/Thalfang. Noch lenkt Petra Arend die Geschicke von Morscheid-Riedenburg. Denn bisher hat sich kein Kandidat für das Amt des Ortsvorstehers gefunden. Bei der in Kürze anstehenden konstituierenden Sitzung ist daher der Ortsbeirat gefragt, sich nach jemandem umzuschauen.

Für Arend ist die Zurückhaltung enttäuschend. Aber man brauche sich ja nur die Wahlbeteiligung anzuschauen. Schon 2004 seien die 45,95 Prozent für sie deprimierend gewesen. Und nun seien es sogar nur 45,8 Prozent. "Die Arbeit, die man macht, wird gar nicht gewürdigt." Außerdem seien immer weniger Leute bereits, mitzumachen. Die einen hätten immer mehr Posten, und die anderen würden sich "abseilen".

Andererseits weiß sie um die Nachteile des Amtes. Als Ortsvorsteher mache man sich ja nicht nur Freunde. Und mittlerweile seien sie offensichtlich "für alles zuständig - und das zu jeder Tages- und Nachtzeit". In einem Ort wie Morscheid-Riedenburg sei das zudem kaum neben dem Beruf zu schaffen: "Hier ist Schule, hier ist Kindergarten - das ist Arbeit."

Wer das nicht halbherzig machen wolle, nehme zudem eine Vielzahl von Terminen wahr. Denn ein Gemeindechef müsse sich auch außerhalb des Ortes sehen lassen. Viele Leute seien einfach nicht mehr bereit, so viel Freizeit zu investieren.

In der Verbandsgemeinde Thalfang ist das noch augenfälliger. Dort werden sich in drei Gemeinden die Gemeinderäte auf die Suche nach einem neuen Dorfchef machen. Die Gründe können für Rudolf Adams, Noch-Ortsbürgermeister von Büdlich, sowohl in der Scheu vor der Direktwahl liegen als auch in der vor dem Ehrenamt. Was mehr ins Gewicht falle, sei schwer zu beurteilen.

Während sich Gustav Pfeiffer (Gielert) dazu nicht äußern möchte, sieht Bernd Weinig (Immert) eine gewisse Ehrenamtsmüdigkeit. Im Raum Trier gebe es ja etliche betroffene Orte. Allerdings kann er das verstehen. Die Aufgaben und Verpflichtungen würden ja nicht weniger, und privat hätten die Leute auch immer mehr Termine. Selbst in kleinen Orten sei das Amt arbeitsaufwendig. Denn gerade dort bleibe vieles am Bürgermeister, dem zentralen Ansprechpartner, hängen.

Michael Suska von der Verbandsgemeindeverwaltung Thalfang führt die Zurückhaltung allgemein auf "individuelle Gegebenheiten in den Orten" zurück. Was im Einzelnen die Gründe seien, könne er nicht sagen. In der Einheitsgemeinde Morbach ist wie bei den Wahlen 2004 nur ein Ort betroffen. Büroleiter Theo Gätz sieht das daher gelassen. Die Gründe seien aber schon in der Zurückhaltung vor dem Ehrenamt zu sehen.