Friedvoll zu Rate ziehen

Die ablaufende Legislaturperiode zeigt: Die 24 Mitglieder des Verbandsgemeinderats Speicher hatten es in mancher Hinsicht besser als andere Lokalpolitiker. Sie freuten sich regelmäßig über einen ausgeglichenen Haushalt, sie konnten daher unbekümmerter investieren, und auch Streit gab es in Speicher nicht so oft wie andernorts.

Speicher. Die Verbandsgemeinde (VG) Speicher fällt in mehr als einer Hinsicht aus dem Rahmen. Erstens: Auf dem politischen Parkett geht es dort sehr viel friedlicher zu als andernorts. Über die meisten Themen ist man sich im Verbandsgemeinderat einig. Kein Streit, keine Attacken und schon gar keine juristischen Auseinandersetzungen.

Während die Kyllburger es auch nach Gerichtsverhandlungen nicht schaffen, ihren Tourismusstreit beizulegen, haben die Speicherer das gleiche Problem einfach, friedlich und leise beseitigt: Inzwischen haben alle Ortsgemeinden die Aufgabe "Tourismusförderung" offiziell auf die VG übertragen, die diese bereitwillig übernimmt.

Zweitens: Die VG Speicher ist sehr viel kleiner als ihre Nachbarn. Sie ist dichter besiedelt. Sie hat relativ viel Gewerbe und relativ viele Amerikaner, für die das Land Schlüsselzuweisungen zahlt.

Kurzum: Sie ist eine der wenigen Kommunen, die sich Jahr für Jahr über einen ausgeglichenen Haushalt freuen. Das hat den Vorteil, dass die Verbandsgemeinde trotz ihrer Schulden in Höhe von 1,4 Millionen Euro investieren kann.

Wichtige Entscheidungen im Bereich Wasser



Was sie auch tut - allerdings überraschend bedächtig. "Kommunale Luxusgüter" lassen sich unter den Investitionen der vergangenen Jahre jedenfalls keine ausmachen: ein neues Tanklöschfahrzeug für 140 000 Euro, ein 240 000-Euro-Zuschuss zur Erweiterung des Seniorenwohnheims Marienhof, 12 000 Euro für den Nordic-Walking-Park oder die Renaturierung eines Bachs bei Philippsheim Die jeweils rund 400 000 Euro teuren Photovoltaikanlagen auf der Grundschule und der großen Sporthalle in Speicher sollen sich im Laufe der Zeit selbst finanzieren.

Relativ viel Geld hat die Verbandsgemeinde in den vergangenen fünf Jahren im Bereich Wasser und Abwasser investiert: eine Klärschlammvererdungsanlage für 900 000 Euro, neue Technik zur Überwachung der technischen Anlagen für 400 000 Euro und insgesamt 1,1 Millionen für Regenwasserbecken in Hosten, Preist und Orenhofen.

Auch eine der wichtigsten Entscheidungen wurde im Bereich Wasser getroffen: 2004 hat der Rat beschlossen, mit den Werken der Verbandsgemeinde Trier-Land zu kooperieren. Eine weitere weitreichende Entscheidung wurde 2005 getroffen: die Speicherer Amtssparkasse - die kleinste Sparkasse Deutschlands - wurde zur Fusion mit der Kreissparkasse Bitburg-Prüm "freigegeben".

Auch an die Zukunft hat der Rat gedacht und ihr ein Schnippchen geschlagen: Es ist absehbar, dass rings um die Air Base Spangdahlem neue Lärmschutzzonen ausgewiesen werden, die ein Bauverbot nach sich ziehen würden - wenn die Bebauungspläne nicht vorher schon rechtskräftig wären.

Also hat man dafür gesorgt, dass sie es sind, und in fast jedem Ort neue Baugebiete geplant. Friedlich, versteht sich. Extra Der VG-Rat hat 24 Sitze. Sechs gehören der SPD, 13 der CDU, vier der UBL und einer der FDP. Unter den 24 Ratsmitgliedern sind lediglich zwei Frauen. (kah)