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Grüße aus Pfalzel

Grüße aus Pfalzel

Ein ganzer Ordner voll mit Zeitgeschichte: Über 120 Postkarten mit verschiedenen Pfalzel-Motiven hat Hans-Josef Kirsch in seiner Sammlung. Die älteste Karte ist über 115 Jahre alt. Doch nicht nur mit Ansichtskarten, sondern auch mit der Bahn kennt sich Kirsch bestens aus.

Trier-Pfalzel. Vor 20 Jahren zog es den gebürtigen Pfalzeler Hans-Josef Kirsch aus der Trierer Innenstadt zurück nach Pfalzel. "Seit ich wieder hier wohne, sammele ich Ansichtskarten von Pfalzel. Angefangen hat alles mit einer Sammlung von Zeitungsartikeln über Pfalzel", erzählt der 63-jährige Pensionär. "Als Jugendlicher wollte ich immer weg aus Pfalzel, aber nun schätze ich die Ruhe in dem Ort. Ich habe ein großes Interesse für Pfalzel entwickelt." Karten mit den verschiedensten Motiven finden sich in seinem Sammelordner, alle genau sortiert und beschriftet: Luftaufnahmen und Gesamtansichten von Pfalzel oder auch das alte Stadttor, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ein beliebtes Ausflugsziel, schon vor über 100 Jahren, war die Klosterschenke in Pfalzel, die auf einigen Postkarten seiner Sammlung zu finden ist. Die erste Karte stammt dabei aus dem Jahr 1908.
Eine der ältesten Karten ist über 115 Jahre alt und zeigt das Gasthaus Oberhoffer, das es mittlerweile nicht mehr gibt. Auch andere zeitgeschichtliche Dokumente hat Kirsch in seiner Sammlung: ein Foto vom Hochwasser in Pfalzel von 1939 oder eine Sonderkarte "Zur Befreiung der Rheinlande". Als Rheinlandbefreiung bezeichneten die Nationalsozialisten in ihrer Propaganda die Rheinlandbesetzung im Frühjahr 1936. Dabei wurden Truppenteile der Wehrmacht im entmilitarisierten Rheinland stationiert.
Hans-Josef Kirschs neueste Errungenschaft ist eine Postkarte mit dem alten Zollhaus von Pfalzel aus den dreißiger Jahren, die er erst seit drei Wochen sein Eigen nennt. "Im Internet bei Ebay oder speziellen Händlern finde ich die meisten Karten. Das ist eine sehr intensive Suche", erklärt Kirsch. So eine Karte koste meistens ungefähr fünf Euro. Manchmal aber auch über 20 Euro. "Neulich hat mir ein Händler eine Karte für über 40 Euro angeboten. Da habe ich dankend abgelehnt - meine Frau hätte mich bestimmt für verrückt erklärt", lacht Kirsch. Gerne fahre er auch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zur Ansichtskartenbörse nach Köln. Die fehlenden Karten in seiner Sammlung hat er durch entsprechende Kopien der Originale aus dem Stadtarchiv vermerkt. Außerdem sammelt Kirsch alte topographische Karten von Pfalzel, Glasbilder und Feldpost.TV-Serie Stadtteiltour


Eine weitere Leidenschaft gilt allerdings der Bahn, die er bereits seit Kindertagen pflegt. "Mein erstes Buch über die Leitschienenbahn habe ich Ende der fünfziger Jahre zu Weihnachten bekommen", so Kirsch. Zunächst sammelte er Briefmarken aus aller Welt, dann spezialisierte er sich auf Eisenbahnmotive. "Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie. Ich selbst war auch 42 Jahre bei der Bahn", erklärt er seine Vorliebe für die Bahn. Für die Zeitschrift des Vereins Eisenbahn-Motiv-Sammler gestaltet er die Seiten über Poststempelneuheiten mit Bahnmotiven aus aller Welt. In dem Verein engagieren sich Eisenbahnliebhaber aus der ganzen Welt.
Außerdem besitzt er mehr als 150 Bücher über die Eisenbahn und fotografiert gerne Eisenbahnbrücken. "Solange ich noch auf den Speicher zu meiner kleinen Modelleisenbahn klettern kann, werde ich hier in Pfalzel in meinem Elternhaus wohnen bleiben!" Hans-Josef Kirschs Ansichtskartensammlung kann man im Internet unter www.ansichtskarten-pfalzel.de anschauen.