Historiker testen Geschosse mit enormer Durchschlagskraft

Historiker testen Geschosse mit enormer Durchschlagskraft

Schießen wie im alten Rom - und das mitten in Trier vor den Toren des Landesmuseums. Die Altertumswissenschaften rund um das Team von Prof. Dr. Christoph Schäfer feuern beim Trierer City Campus im Palastgarten ganz ohne Feuer, was das Zeug - sprich das Pfeilgeschütz - hält.

Trier. Außergewöhnlicher Feldversuch auf dem Gelände der Bundeswehrerprobungsstelle in Delmenhorst: Historiker der Universität Trier feuern mit einem römischen Feldgeschütz aus 100 Metern Entfernung auf drei unterschiedliche Rüstungen: Plattenpanzer, Schuppenpanzer und Kettenhemd.
City Campus Triers lange Nacht der Wissenschaft


In den Rüstungen stecken Schweinehälften und Sandsäcke. Nach der Erprobung steht fest: Wenn überhaupt, dann konnte nur ein gut geschnürter Plattenpanzer (lorica segmentata) den armen Legionär in der Rüstung einigermaßen schützen.
"Die Zielgenauigkeit und Reichweite dieser frühen Maschinen sind wirklich erstaunlich", sagt Prof. Christoph Schäfer von der Universität Trier, der samt seinem Team aus Studierenden, Mitarbeitern und Doktoranden im Forschungsverbund mit den Universitäten Osnabrück und der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr mehrere Feldgeschütze nach unterschiedlichen archäologischen Befunden rekonstruiert hat.
"Uns geht es in dem Projekt nicht nur darum, Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Katapulte zu erforschen, sondern auch mehr über den technologischen Fortschritt in der Antike zu erfahren, zumal die Römer ja eigentlich dafür bekannt waren, allem Neuen zunächst einmal sehr skeptisch gegenüberzustehen!"
Die beiden jetzt im Landesmuseum und im Palastgarten ausgestellten Feldgeschütze sind von den Studierenden des Fachs Alte Geschichte gemeinsam mit Ingenieuren, Handwerken und Ballistikern der Bundeswehr originalgetreu nachgebaut worden. Und für den Alt-Historiker Schäfer steht fest: "Die torsionsbetriebenen Pfeilballisten, von denen eine Legion bis zu 60 mitführte und die in wenigen Minuten nach Art eines Stecksystems aufgebaut werden konnten, zeigen sehr wohl, dass sich die Römer technisch enorm entwickelt haben, was interessante Rückschlüsse auch auf die Gesellschaft zulässt."
Beim City Campus am 28. September schießen die Historiker nicht auf Schweinehälften unter der Rüstung (die übrigens von den Studierenden nach dem Feldversuch gegrillt und gemeinsam verspeist wurden), sondern auf Zielscheiben. Interessierte Bürger können dann bewundern, welch enorme Durchschlagkraft ein detailgetreu nachgebautes römisches Feldgeschütz hat.Extra

Stilgerecht in historischer Montur überprüfen Studenten der Uni Trier auf der Bundeswehrerprobungsstelle in Delmenhorst den Originalnachbau eines römischen Feldgeschützes auf seine Durchschlagkraft hin. Foto: Uni Trier.

City Campus ist eine Großveranstaltung von Universität und Fachhochschule Trier am 28. September in der kompletten Trierer Innenstadt. Es gibt neun unterschiedliche Themenbereiche mit mehr als 150 Projekten, die eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Arbeit und der Lebenswelt der Bürger herstellen. Die Geschütz-Vorführung gehört zum Themenbereich "Geschichte", der mit insgesamt elf Veranstaltungen vertreten ist. Schauplätze sind das Landesmuseum, das Stadtarchiv, das Cusanus-Institut, der Club Toni am Domfreihof, aber auch die Mosel. Denn von der Anlegestelle der Rudergesellschaft Trier aus sticht mit der "Lusoria" ein nachgebautes römisches Ruderschiff in See. Weitere Themen im Bereich Geschichte: Auf den Spuren der Trierer Gestapo; Faszination Papyrus; Trier und die Kelten, Ägypten in der Antike und viele andere mehr. Das ganze Programm im Internet unter: citycampus-trier.de