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"Ich bin Politrentner ohne Politrente"

"Ich bin Politrentner ohne Politrente"

Rund einen Monat nach der Landtagswahl schließt Alfons Maximini (SPD) sein Bürgerbüro in Konz. Der 59-Jährige hat es nicht mehr in den Landtag geschafft, will aber bis zur Kommunalwahl 2014 seine Ämter als SPD-Frakionsvorsitzender im Kreistag und im Stadtrat behalten.

Konz. Ein Regal voll mit leeren Aktenordnern, ein Reißwolf und säckeweise Papiermüll empfangen die Besucher im Bürgerbüro von Alfons Maximini. Der bei der Landtagswahl am 27. März abgewählte SPD-Landtagsabgeordnete bricht in der Konzer Bahnhofsstraße die Zelte ab. "Im Hinblick auf die Wahl hat es nichts genutzt, dass ich im Gegensatz zu meinem CDU-Konkurrenten hier vor Ort ein Bürgerbüro eingerichtet habe", sagt Maximini. Er konnte sich als SPD-Direktkandidat am 27. März nicht gegen Bernd Henter durchsetzen, der knapp 500 Erststimmen mehr bekam. Maximini hat damit sein Landtagsmandat verloren.
Neues Leben beginnt


Nach der Wahl beginnt für den Konzer ein neues Leben - mit mehr Zeit für Hobbys und Familie. "Ich bin jetzt in den betrieblichen Vorruhestand zurückgekehrt ", sagt Maximini, der vor seiner Politikerkarriere 25 Jahre lang bei einem Stromversorger gearbeitet hat. Die Altersversorgung für Abgeordnete steht ihm nicht zu, weil er statt der gesetzlich geforderten zehn nur fünf Jahre lang im Landtag vertreten war. "Ich bin sozusagen Politrentner ohne Politrente", sagt Maximini.
Er sei von der Wahlniederlage "enttäuscht, aber nicht verbittert". Mit einem Lächeln erzählt er, dass er jede Menge E-Mails und Briefe bekommen habe, in denen Menschen aus seinem Wahlkreis sein Ausscheiden aus dem Landtag bedauerten. Manche verstünden gar nicht, dass er es trotz des SPD-Wahlsiegs nicht geschafft habe.
Der Hauptgrund dafür ist der schlechte Listenplatz von Maximini. Er hatte nur über den Gewinn des Direktmandats in einem eher konservativ geprägten Wahlkreis eine Chance auf einen Sitz im Landtag.
Mit Blick auf die 15,4 Prozent Erststimmen für die Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis 26, Stephanie Nabinger, die über die Liste in den Landtag eingezogen ist, sagt der Konzer: "Da haben viele Grünen-Wähler ihre Erststimme verschenkt." Bei der Listenaufstellung sieht er drei Dinge, die sich innerparteilich gegen ihn auswirkten. Erstens stehen langgediente Spitzenleute und Funktionäre ganz oben auf der Liste. Landespolitiker, die wie Maximini nur eine Legislaturperiode dabei sind, finden sich weiter unten wieder.
Ein weiterer Punkt sei die strenge Frauenquote - dadurch seien mehrere Männer nach unten gerutscht. Maximini denkt zudem, dass der SPD-Regionalverband Rheinland, zu dem auch die Konzer SPD gehört, auf den oberen Listenplätzen unterrepräsentiert war, obwohl es sich um den größten der drei rheinland-pfälzischen Regionalverbände handelte.
Weiter Fraktionsvorsitzender


Trotz des Mandatsverlusts engagiert sich der 59-Jährige weiterhin politisch. Er will seine ehrenamtlichen Funktionen als SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und im Stadtrat noch bis zur nächsten Kommunalwahl 2014 ausfüllen. Dann sei die Partei am Zug, neue Leute für die Ämter zu finden, sagt er. "Ich bin fast 42 Jahre dabei - das reicht." Das "Recycling alter Köpfe wie in den Quatschrunden im Fernsehen" brauche keiner.
Im Gegensatz zu Maximini stehen die Papiermüllsäcke in seinem Bürgerbüro abholbereit für die Recyclinganlage in seinem Bürgerbüro in der Konzer Bahnhofstraße. Die Räume will Maximini bis Freitag, 29. April, besetzt halten. Ab nächste Woche übernimmt sie ein Sicherheitsunternehmen.