"Ich habe noch nicht die absolute Peilung"

"Ich habe noch nicht die absolute Peilung"

Zwei Tage nach der Bundestagswahl hat für die Trierer Parlamentsneulinge Katarina Barley (SPD) und Corinna Rüffer (Grüne) der Abgeordnetenalltag begonnen. Und, wie war's?, hat der TV die beiden Politikerinnen gefragt.

Am ersten Tag gab es für Katarina Barley schon mal die Grundausstattung des Abgeordneten: Ausweis, Fahrkarte und Handbuch. Foto: privat.

Berlin. Insgesamt 630 Abgeordnete sitzen in der neuen Legislaturperiode im Bundestag. 401 Parlamentarier sind alte Hasen, 229 ziehen erstmals in den Berliner Reichstag ein. Mit Katarina Barley und Corinna Rüffer kommen zwei Neulinge aus der Region Trier. Zur gestrigen ersten Fraktionssitzung reisten beide Politikerinnen mit dem Nachtzug an: von Trier nach Saarbrücken und von dort ohne Umsteigen, aber mit Verspätung in die Hauptstadt. Viel Regen und noch mehr Verkehr waren die ersten Berlin-Eindrücke von Corinna Rüffer. "Dagegen ist ein Stau in Trier harmlos." Die 37-jährige Grüne fuhr dann standesgemäß mit dem ÖPNV erst einmal zum Reichstag. "Dort habe ich die Angestellten gefragt, wo ich hin muss", sagt Rüffer und fügt hinzu: "Ich habe noch nicht die absolute Peilung." Dabei hat die Grünen-Fraktionsgeschäftsführung im Sommer alle potenziellen neuen Abgeordneten schon mal nach Berlin eingeladen, um sie mit den politischen Lokalitäten ein wenig vertraut zu machen. Aber das Gelände rund um den Reichstag ist groß, und es gibt zahlreiche Gebäude und Räume für Politiker, Mitarbeiter und Angestellte.
"Da läuft man manchmal meilenweit", hat Katarina Barley am ersten Tag festgestellt. Gemeinsam mit einem weiteren SPD-Bundestagsneuling aus der Pfalz hat die 44-jährige Sozialdemokratin am Dienstagmorgen Kollegen aus der Landesgruppe besucht. Mittags war dann die erste Fraktionssitzung, die schon allein deshalb "ewig gedauert hat", weil sich alle 86 neuen Genossen kurz vorgestellt hätten. Für den Abend war dann noch ein Empfang in der Parlamentarischen Gesellschaft angesetzt, der mit der Manderscheiderin Elke Leonhard ja einst eine prominente Politikerin aus der Eifel vorstand.
Auch bei Corinna Rüffer endete der erste Tag mit einem Empfang für die neuen und die ausscheidenden Abgeordneten.
Ein eigenes Büro und Mitarbeiter haben die beiden Trierer Politikerinnen noch nicht. "Das kann dauern", hat Corinna Rüffer schon von ihren erfahrenen Kolleginnen gehört. Sie will bis Ende der Woche in Berlin bleiben, um sich zu organisieren und möglichst einen Platz in einer Wohngemeinschaft zu finden, "dem grünen Klischee entsprechend", wie die 37-Jährige selbst sagt.
Katarina Barley hat da mehr Glück. Gute Freunde aus Studienzeiten haben in Berlin-Lichterfelde gerade ein Haus gekauft, in dem die Schweicher SPD-Frau ein Zimmer bezieht. Heute Nachmittag geht es für die 44-Jährige erst einmal nach Mainz, wo sie im Justizministerium eine Halbtagsstelle hat. Bis zur Verkündung des amtlichen Wahlend ergebnisses - voraussichtlich am 9. Oktober - muss die promovierte Juristin dort noch antreten. Erst danach kann sich auch Katarina Barley voll und ganz ihrem neuen Job als hauptamtliche Volksvertreterin widmen.