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In Kelberg hat man selten die Wahl

In Kelberg hat man selten die Wahl

Während in der Verbandsgemeinde Obere Kyll fast alle Ortsbürgermeister direkt von den Bürgern gewählt werden, ist das im Kelberger Land die Ausnahme. Dort wird diese Möglichkeit in nur sieben von 33 Dörfern wahrgenommen.

Kelberg/Daun. Keine Landratswahl, keine Wahl von hauptamtlichen Bürgermeistern: Im Kreis Vulkaneifel richtet sich das Interesse bei den Personenwahlen am Sonntag auf die Neubesetzung der Ortsbürgermeister-Stühle. Dabei steht die Urwahl, die Wahl durch die Bürger, vor allem in der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll hoch im Kurs. Dort werden die Ortsbürgermeister in 13 von 14 Gemeinden direkt gewählt. In der VG Gerolstein ist das in zehn von 13 Orten der Fall, in der VG Hillesheim in sechs von elf Orten.Kommunalwahl 2014



Ganz anders sieht es in der VG Kelberg aus: In sieben der 33 Dörfer gibt es Direktwahlen, weniger als 2009, als noch mehr als zehn Bürgermeister auf diesem Weg ins Amt kamen. Mangelndes Interesse an dem Ehrenamt? "Nein", stellt Johannes Saxler, Büroleiter der VG-Verwaltung, klar. Im Kelberger Land sei es traditionell so, dass in der Mehrzahl der Orte der Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt werde.
Als eine Art "Urwahl durch die Hintertür" bezeichnet Saxler diese Vorgehensweise. "Es ist häufig so, dass sich bei der Suche nach einem Bürgermeister der Blick automatisch auf den richtet, der bei der Gemeinderatswahl die meisten Stimmen bekommen hat. Was ja auch eine Art Vertrauensbeweis ist."
Sorge, dass viele Ortsbürgermeisterposten nicht besetzt werden könnten, hat der Büroleiter nicht. "Ich sehe im Moment kein Dorf, wo es keinen Aspiranten für das höchste Amt geben könnte", ist er zuversichtlich.
In der VG Daun ist die Zahl der Direktwahlen in diesem Jahr niedriger als vor fünf Jahren: Damals waren es 27 in den 38 Gemeinden, diesmal sind es 22.
Hintergrund: Was passiert eigentlich, wenn kein Ortsbürgermeister zur Verfügung steht? Tritt kein Kandidat zur Urwahl an, dann muss der neu gewählte Gemeinderat spätestens acht Wochen nach dem Wahltag zusammentreten, um einen Ortsbürgermeister zu wählen. Dafür kommt jeder wählbare Bürger aus dem Ort infrage.
Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt der alte Ortsbürgermeister geschäftsführend im Amt. Sollte dieser sein Amt zwischenzeitlich niederlegen, übernimmt der erste Beigeordnete.
Wenn alle Stricke reißen und kein Bürgermeister gefunden wird, setzt die Kommunalaufsicht des Kreises Vulkaneifel einen Beauftragten ein, im Regelfall den hauptamtlichen VG-Bürgermeister. Ein Fall, der im Kreis Vulkaneifel noch nicht eingetreten ist.
Selbst wenn ein Beauftragter die Geschicke der Gemeinde leiten sollte und sich innerhalb der Wahlperiode ein Bürger bereit erklärt, zum Ortsbürgermeisteramt anzutreten, ist eine nachträgliche Wahl im Rat jederzeit möglich.Extra

Die ehrenamtlichen Orts- und Stadtbürgermeister bekommen eine monatliche Aufwandsentschädigung. Der sogenannte Ehrensold ist gestaffelt nach der Einwohnerzahl, er kann vom Rat um bis zu zehn Prozent aufgestockt werden. Bis zu 150 Einwohner: 272 Euro. Bis zu 300 Einwohner: 400 Euro. Bis zu 500 Einwohner: 527 Euro. Bis zu 750 Einwohner: 651 Euro. Bis zu 1000 Einwohner: 779 Euro. Bis zu 1250 Einwohner: 904 Euro. Bis zu 1500 Einwohner: 1030 Euro. Bis zu 2000 Einwohner: 1159 Euro. Bis zu 2500 Einwohner: 1282 Euro. Bis zu 3000 Einwohner: 1410 Euro. sts