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TV-Wohnserie
So lange wie möglich im eigenen Haus

Viele ältere Menschen wünschen sich, solange wie möglich eigenständig in ihrem Haus und Heimatort zu leben. Die Gemeinden im Kreis Trier-Saarburg haben sich auf den Weg gemacht, dafür die geeigneten Wohnformen zu schaffen oder zu unterstützen.
Viele ältere Menschen wünschen sich, solange wie möglich eigenständig in ihrem Haus und Heimatort zu leben. Die Gemeinden im Kreis Trier-Saarburg haben sich auf den Weg gemacht, dafür die geeigneten Wohnformen zu schaffen oder zu unterstützen. FOTO: picture alliance / dpa-tmn / Sebastian Widmann
Mandern/Mannebach. Im Alter noch selbstbestimmt leben: Das ist der Wunsch vieler älterer Menschen im Kreis. Die Gemeinden versuchen, ihn auf unterschiedliche Art zu erfüllen. Die Ansätze reichen vom großen Wohnprojekt bis zum fürsorglichen Netzwerk. Von Christa Weber
Christa Weber

Marianne Alten ist 75 Jahre alt. 54 davon hat sie in ihrem Haus im Hochwaldort Mandern verbracht – 100 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Garagen, ein großer Garten, in dem sie gern Zeit verbringt. „Das ist mein Hobby, aber es ist auch viel Arbeit“, räumt sie ein. Ihr Mann ist vor zwei Jahren gestorben. Die Kinder wohnen zwar in der Nähe, sind aber berufstätig und haben eigene Familien. „Irgendwann kommt wohl der Zeitpunkt, an dem ich hier allein nicht mehr zurechtkomme“, vermutet die Seniorin, die sich körperlich noch einigermaßen fit fühlt.

Bedürfnisse der Senioren Solange das noch so ist, will Marianne Alten vorsorgen. Sie hat ihr Interesse bekundet an einem Wohnprojekt der Gemeinde Mandern. Die plant mit privaten Investoren einen Neubau im Ortskern mit 35 altersgerecht ausgestatteten Miet- oder Eigentumswohnungen. Die Bewohner sollen dort eigenständig leben, aber auch Dienste wie Pflege, Einkaufshilfen oder Essenslieferungen buchen, die im selben Wohnkomplex angesiedelt werden. „Das wäre etwas für mich. Dort könnte ich so lange eigenständig leben, wie es eben geht“, sagt Marianne Alten. „Und klappt es irgendwann nicht mehr, sind alle Hilfsangebote da. Ich müsste nicht noch mal umziehen.“ Ein besonderer Reiz sei für sie: „Ich bleibe hier im Ort, wo ich so viele Kontakte habe.“

Ähnlich geht es vielen noch rüstigen Senioren im Landkreis. Laut Kreisverwaltung belegen dies auch Umfrageergebnisse aus dem „Modellprojekt der Raumordnung“ (Moro), bei dem sich die Bürger 2014 zu Themen der Daseinsvorsorge äußerten. „Die Leute wollen eben nicht ins Altersheim, sondern so lange wie möglich in ihrem gewohnten sozialen Umfeld im Heimatort bleiben“, sagt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller. Inzwischen arbeiteten viele Dörfer daran, dies zu ermöglichen. „Das Thema ist in den Gemeinden angekommen.“

Projekt Mandern Eine Gemeinde, die attraktiv bleiben wolle, müsse auch für ihre älteren Mitbürger etwas bieten, findet der Manderner Ortsbürgermeister Tim Kohley. Das Besondere am geplanten Wohnprojekt sei das „hohe Maß an Eigenständigkeit“ der Bewohner – ein Unterschied zu betreutem Wohnen oder Wohngemeinschaften. Auch beim förderfähigen barrierefreien Umbau alter Wohnhäuser sieht Kohley Grenzen des Machbaren: „Wer 80 ist und das nicht frühzeitig geplant hat, der wird das nicht mehr umsetzen.“

In Mandern wird der Bau altersgerechter Wohnungen zudem mit der Sanierung des Ortskerns verknüpft. Die Gemeinde hat dafür leerstehende Häuser gekauft, die abgerissen werden – brachliegender Wohnraum wird so wieder nutzbar. „Und wenn ältere Manderner in das Objekt umziehen, werden deren große Häuser frei für junge Familien. Da greift eins ins andere.“ Bei den künftigen Mieten und Kaufpreisen werde die Gemeinde darauf einwirken, „dass sich die Leute das auch leisten können“. Sobald das Architekturbüro eine Vorplanung vorlege, werde öffentlich über Investoren, Betreiber und weitere Details informiert.

Ähnliche Ansätze Altersgerechte Wohnungen, Pflegeleistungen bei Bedarf: So lautet auch das Konzept eines Wohnprojekts in Zerf. Dort plant ein Privatunternehmer jedoch ohne direkte Beteiligung der Ortsgemeinde. Die Appartements sollen laut Vermarktungsfirma ab 128 000 Euro kosten, die Mieten lägen bei etwa 10,50 bis zu 11,50 Euro pro Quadratmeter. Ähnliche Projekte gibt es in Schweich und Kordel. Eine private Initiative „auf genossenschaftlicher Basis“ sei in Gusterath in Planung, sagt Stephanie Nickels, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer. Unter dem Titel „Ein Zuhause im Alter“ würden zwölf barrierefreien Wohneinheiten und Räume für Gemeinschaftsveranstaltungen, Therapie und ambulante Versorgung entstehen. Über das Thema allgemein werde zurzeit in allen größeren Orten der VG diskutiert.

Wohngemeinschaften Es gibt noch viele andere Modelle. Um das passende fürs eigene Dorf zu finden, erhalten Gemeinden zum Beispiel Unterstützung über das Landesprogramm WohnPunkt RLP, angesiedelt bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) in Mainz und finanziert vom Sozialministerium (siehe Info). Für den ländlichen Raum besonders geeignet seien Wohnpflegegemeinschaften, sagt Stephanie Mansmann von der LZG. Dort lebten pflegebedürftige Menschen unter einem Dach in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft (WG). Eine solche gebe es seit zehn Jahren in Greimerath (VG Kell am See). „Die Einrichtung ist sehr gut angebunden an Gemeinde und Vereine, also an das Leben vor Ort. Das braucht man auch“, lobt Mansmann. Ähnliche WGs biete der Club Aktiv in Trier-Ehrang, Hermeskeil und Leiwen. In Damflos (VG Hermeskeil) wurde 2012 das Haus Sonnenschein eröffnet, wo die Bewohner ihren Alltag gemeinsam gestalten, aber rund um die Uhr betreut werden. „Wir sind froh, dass wir die Einrichtung haben“, sagt Ortsbürgermeister Joachim Wellenberg. Als Gemeinde darüber hinaus tätig zu werden, dafür sehe er noch keinen Bedarf: „Hier ist alles sehr familiär. Bei vielen Älteren wohnen die Kinder im Haus oder in der Nähe und kümmern sich.“ Bei größeren kommunalen Projekten stelle sich zudem stets die Finanzierungsfrage.

Modell Mannebach Die schwierige Suche nach Investoren und Betreibern, aber auch der aktuelle Mangel an Pflegekräften haben den Mannebacher Ortschef Bernd Gard veranlasst, das Problem ganz anders anzupacken. In seinem Ort praktiziert er das Modell einer sorgenden Dorfgemeinschaft. „Wir müssen uns im Dorf selbst helfen“, lautet sein Credo. Das bedeute, ein System aufzubauen, in dem sich alle Generationen umeinander kümmern und die Gesundheit der Bewohner im Fokus steht. „Wer länger gesund bleibt, kann auch länger im eigenen Haus leben“, sagt Gard. Angebote wie eine Gesundheitshütte mit altersgerechten Sportgeräten und Seniorenbegleiter gebe es schon länger im Dorf. Derzeit arbeite man daran, ein Notrufsystem bei mehreren interessierten Bürgern zu installieren.