Joachim Streit weiß, wie man Wahlen gewinnt

Joachim Streit weiß, wie man Wahlen gewinnt

Mit regional verankerten Zugpferden an der Spitze ihrer vier Bezirkslisten wollen die Freien Wähler dieses Mal den Sprung in den Mainzer Landtag schaffen. Listenführer in der Region Trier ist der parteilose Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit. „Wir bekommen sieben Prozent“, prophezeit der 45-Jährige.

Joachim Streit weiß, wie man Wahlen gewinnt. Als der gebürtige Trierer vor 15 Jahren für das Bitburger Bürgermeisteramt kandidierte, da räumte dem damals 31-jährigen Juristen niemand eine Chance ein. Zumal Streit gegen einen CDU-Bewerber antrat, der in der Bierstadt überaus beliebt war. Joachim Streit gewann nicht nur die Bürgermeisterwahl, er deklassierte auch seinen Kontrahenten.

Ähnlich war es auch im Juni 2009. Streit wollte erster parteiloser Landrat im einst rabenschwarzen Eifelkreis Bitburg-Prüm werden und heimste 75 Prozent der Stimmen ein. Ein Erdrutschsieg. Der Joachim Streit offenbar derart beflügelt hat, dass sich der promovierte Jurist nach nur einem guten Jahr auf dem Landratssessel schon zu Höherem berufen wähnt: Der 45-Jährige will Ende März in den rheinland-pfälzischen Landtag einziehen. Joachim Streit kandidiert auf Platz eins der regionalen Bezirksliste.

Wäre Streit Mitglied der rheinland-pfälzischen SPD oder CDU, wäre das eine sichere Bank. Doch als Mitglied der Freien Wähler dürfte der dreifache Familienvater allenfalls Außenseiterchancen haben, auch wenn er unlängst in einem TV-Interview selbstbewusst sagte: "Wir bekommen sieben Prozent."

Das wäre für die erstmals als Landesvereinigung nach dem Parteienrecht antretenden Freien Wähler schon eine gewaltige Steigerung. Bei der Landtagswahl 2006 kamen die Freien Wählergemeinschaften nur auf 1,6 Prozent der Zweitstimmen; das waren sogar 0,9 Prozentpunkte weniger als fünf Jahre zuvor. In den letzten Wahlumfragen, die die Freien Wähler auflisteten, rangierten sie gerade einmal bei um die zwei Prozent und damit deutlich unter der für den Einzug ins Mainzer Parlament zu überspringenden Fünf-Prozent-Hürde.<EA>Auf kommunaler Ebene dagegen sind die freien Wählergemeinschaften längst eine feste Größe. Bei den Kommunalwahlen 2009 kamen die Freien landesweit auf 11,5 Prozent. Am fehlenden Rückhalt in der Wählerschaft kann es also nicht liegen, dass sie auf Landesebene bislang keinen Fuß auf den politischen Boden bekommen haben.

Bei der Werbung um Wählerstimmen präsentieren sich die Freien Wähler denn auch als die eigentlichen Sachwalter kommunaler Interessen. "Wir sind das Sprachrohr der Kommunen", sagt Landesvorsitzender Manfred Petry, "die Gemeinden brauchen endlich wieder ihren Handlungsspielraum zurück", sagt sein Vize Joachim Streit.

Der parteilose Bitburg-Prümer Landrat scheint schon nach gut einjähriger Amtszeit von seinem neuen Job etwas desillusioniert zu sein. "Der Handlungsspielraum, den ich als Landrat habe, um das zu verändern, was verändert werden müsste, (…) geht gegen Null", sagte Streit unlängst auf die Frage nach dem Grund für seine Kandidatur. Die ist übrigens auf die Bezirksliste beschränkt; das Werben um das für die Freien wohl unerreichbare Bitburg-Prümer Direktmandat überlässt der 45-Jährige seinem Freund und FWG-Fraktionschef Rudolf Rinnen.

Wenn Joachim Streit es denn am 27. März tatsächlich nach Mainz schaffen sollte, würde er sich kaum mit einem Job als Hinterbänkler zufriedengeben. "Wer mich kennt, weiß: Ich bin auf der Welt, um Dinge zu verändern", sagt er und hat seine Mainzer Traumjobs dabei schon fest im Blick: "Fraktionsvorsitzender oder, wenn die Freien Koalitionspartner wären, auch ein Regierungsamt."

Rolf Seydewitz