1. Dossier

Jugend will ernst genommen werden

Jugend will ernst genommen werden

Nicht allzu groß schien zunächst das Interesse bei den jungen Leuten aus der Verbandsgemeinde Ruwer an der Informationsveranstaltung "Kommunalwahl am 7. Juni" zu sein. Weniger als zehn junge Menschen folgten der Einladung von Jugendpflegerin Julia Eiter am Dienstag ins Waldracher Rathaus. Doch die, die erschienen waren, wollten ernst genommen werden und stiegen in eine rege Diskussion mit den anwesenden Kommunalpolitikern ein.

Waldrach. (anf) Nachdem Büroleiter Hans Klein von der Verwaltung den jungen Leuten zunächst den "trockenen Paragrafenstoff" vorgetragen hatte, klärte er zusammen mit Bürgermeister Bernhard Busch über Begriffe wie "Direktwahl", "personalisierte Verhältniswahl" und "aktives beziehungsweise passives Wahlrecht" auf.

Angeregte Diskussionen



Interessiert stiegen die jungen Leute daraufhin in eine rege Diskussionsrunde ein: "Wer ist überhaupt für was zuständig, und warum gibt es eigentlich eine Verbandsgemeinde?" "Wie komme ich in den Gemeinderat rein?" und "Muss ich mich mit einem Haushaltsplan auskennen, wenn ich gewählt werden will?" Um diese und weitere Fragen jugendgerecht zu beantworten, nahmen sich mehrere Ortsbürgermeister sowie zum Großteil dem Verbandsgemeinderat angehörende Kommunalpolitiker gut anderthalb Stunden Zeit für die jungen Leute. "Jeder von uns ist froh, wenn die Jugend Engagement in der Gemeindepolitik zeigt. Lest euch die amtlichen Mitteilungen durch und lasst euch bei den Gemeinderatssitzungen in euren Dörfern sehen", forderten die Politiker. "Wir werden sowieso nicht ernst genommen", konterte die Jugend. "Wir sprechen eben eine andere Sprache. Der Informationsfluss über die Schulen erfolgt viel zu spät, mit 18 Jahren fühlt man sich dann wie ins kalte Wasser geworfen." In der richtigen Sprache motivierte Jugendpflegerin Eiter die jungen Leute, unbedingt weiter am Ball zu bleiben, und sich selbst durch eigenes Entgegenkommen in die jeweilige Dorfpolitik mit einzubringen. "Hier waren heute sehr engagierte junge Leute. Ich glaube, dass die Köpfe jetzt arbeiten", sagte Eiter. Motivieren will auch Bürgermeister Bernhard Busch. Er erklärte: "Ich denke, die hier anwesenden alten Hasen hatten das Gefühl, durch ihren ganz persönlichen Einsatz in der Kommunalpolitik etwas zu bewegen. Sonst wären sie sicher nicht so lange dabei geblieben."

Schließlich signalisierten beide Seiten Zufriedenheit über den angebotenen Abend.

Das Resümee der "alten Hasen" lautete: "Wenn wir nur einen dieser jungen Leute demnächst auf einer Wählerliste wiederfinden, haben wir doch schon viel erreicht."