| 00:03 Uhr

Kantersieg für Amtsinhaber Günther Schartz

Der unterlegene SPD-Kandidat Thomas Neises (links) gratuliert dem Wahlsieger Günther Schartz (CDU). TV-Foto: Friedemann Vetter
Der unterlegene SPD-Kandidat Thomas Neises (links) gratuliert dem Wahlsieger Günther Schartz (CDU). TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Gleich drei Wahlen konnten Interessierte gestern im zum "Wahlstudio" umfunktionierten Sitzungssaal der Kreisverwaltung verfolgen. Zwei waren spannend: die Bürgermeisterwahl in der VG Saarburg und die Bundestagswahl Und bei einer war früh die Luft raus: bei der Landratswahl.

Trier. Beharrlich wehrt Günther Schartz (CDU) jeden Glückwunsch ab. Auch als gegen 20.30 Uhr feststeht, dass er rein rechnerisch nicht mehr unter die 50 Prozent fallen kann und damit auf jeden Fall für weitere acht Jahre Landrat des Kreises Trier-Saarburg bleiben würde, will er noch keine Hände schütteln. "Bitte wartet, bis das Ergebnis da ist", sagt er dem CDU-Kreisvorsitzenden Arnold Schmitt, dem Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden und anderen, die ihm zur deutlichen Wiederwahl gratulieren wollen."Lehrstück der Demokratie"


Als dann um 21.05 Uhr Kreiswahlleiter Dieter Schmitt mit Blumen für Schartz, dessen Frau Karin und die unterlegenen Mitbewerber Thomas Neises (SPD), Sabina Quijano (Grüne) und Darja Henseler (Piraten) ankommt, fällt dann doch die Spannung von dem 51-Jährigen ab. Zu diesem Zeitpunkt fehlen noch drei der 182 Wahlbezirke: Konz-Könen, Saarburg-Beurig und Serrig. "Ich bin beeindruckt. Mit dieser Deutlichkeit habe ich nicht gerechnet", sagt Schartz. Als erstes dankt er der Konkurrenz: "Das war ein fairer Wahlkampf, ein Lehrstück der Demokratie." Für Dieter Schmitt ist der hohe Wahlsieg seines Parteifreundes keine Überraschung. Er hat mit "60 plus" gerechnet, weil "er wenig Angriffsflächen geboten hat".
Am Ende kommt der Amtsinhaber auf 60,6 Prozent. Unternehmer Thomas Neises, der seit dem Frühjahr 9000 Kilometer mit seinem Wahlkampf-Wohnmobil unterwegs war, hat auf eine Stichwahl gehofft. Vergebens. "Vielleicht hätte es geklappt, wenn nicht gleichzeitig Bundestagswahl gewesen wäre", meint Anette Hermes-Clüsserath, die Mutter von Neises\' Lebensgefährtin Julia Wintrich. Fast noch überraschender ist für sie, dass das grüne Kreistagsmitglied Sabina Quijano nur knapp sieben Prozent bekommen hat - nicht wesentlich mehr als Polit-Anfängerin Darja Henseler von den Piraten (fünf Prozent): "Sie hat doch auf dem TV-Forum in Konz so einen guten Eindruck gemacht."
Unterdessen wedeln in einer Ecke des "Wahlstudios" einige junge Piraten mit Parteifähnchen. Sie lassen sich weder vom bescheidenen Ergebnis im Bund, noch vom Abschneiden ihrer Kreiskandidation die Stimmung vermiesen. Schade findet Matthias Koster nur, dass etwa 16 Prozent der Stimmen von kleinen Parteien durchs Rost fallen, weil sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern: "Drei Prozent würden auch reichen."
Zu den Gewinnern des Abends gehörte auch das Technik-Team um den Leiter der Kommunalaufsicht, Alois Zehren. Erstmals wurde das Meldesystem "PC Wahl" eingesetzt und es funktionierte reibungslos. Von den 182 Wahlbezirken wurden die Ergebnisse an die Verbandsgemeinden gemeldet und die schickten es per Mail an den Kreis. Alle 30 Sekunden aktualisierte sich das Ergebnis an den Leinwänden. Spannend war es bei der Bürgermeisterwahl in der VG Saarburg, wo sich CDU-Bewerber Jürgen Dixius immer um die 50 Prozent bewegte. Auch "kratzte" die Union im Bund lange an der absoluten Mehrheit. Nur bei der Landratswahl war früh die Luft raus. Nach vier Stimmbezirken (Südlingen, Esingen, Kelsen und Taben-Hamm lag Schartz bereits bei 57,1 Prozent - es änderte sich wenig. alfUmfrage

Günther Schartz (CDU): "Mit dem Ergebnis der Wahl bin ich mehr als zufrieden. Ich bin froh, dass es doch nicht zu einer Stichwahl kommt. Bei der großen Anzahl von Bewerbern hätte das durchaus sein können. Es war ein ganz anderer Wahlkampf als beim letzten Mal, als es nur zwei Bewerber gab. Und noch etwas war anders: Der Wahlkampf war kurz und heftig. Ich hatte dabei den Vorteil, dass ich abwarten und meine Mitbewerber kommen lassen konnte. Bei meinen Gesprächen mit den Bürgern ist mir positiv aufgefallen, dass viele Fragen offen angesprochen wurden. Eine große Sause wird es heute nicht geben. Morgen ist ein ganz normaler Arbeitstag. Gefeiert wird mit den Freunden und Helfern später."

Thomas Neises (SPD): "Natürlich bin ich nicht zufrieden. Ich hätte es mir gewünscht, dass ich eine zweite Chance bei einer Stichwahl bekommen würde. Auch hätte ich mir ein paar Prozente mehr gewünscht. Doch es ist immer schwierig, gegen einen Amtsinhaber anzutreten, der offensichtlich keine großen Fehler gemacht hat. Ich werde mich zwar jetzt wieder mehr auf die Kommunalpolitik in Trier konzentrieren. Ich werde jedoch Themen aus dem Landkreis stärker im Auge behalten."

Sabina Quijano (Grüne): "Mein Ziel war es, mindestens so viele Prozente zu erreichen wie meine Partei auf Bundesebene. Das hat nicht funktioniert. In den vergangenen zwei Wochen hat es eine Kampagne gegen meine Partei gegeben. Das hat auch Auswirkungen auf mein Ergebnis gehabt. Ziel meiner Kandidatur war es auch, die Grünen im Kreis bekannter zu machen. Ich hoffe, dass dieses Ziel erreicht worden ist."

Darja Henseler (Piraten): "Ich habe keinen Grund, unzufrieden zu sein. Die Stimmen für mich zeigen, dass es auch im Landkreis Trier-Saarburg Menschen gibt, die bereit für etwas Neues sind. Die Erfahrungen aus dem Wahlkampf haben mich darin bestärkt, mich auch künftig in der Kommunalpolitik zu engagieren. Das wird dann wohl eher in der Stadt Trier sein." harMeinung


Bewährungsprobe kommt noch

War er zu stark oder die anderen einfach nur zu schwach? Diese Frage nach dem klaren Ausgang der Landratswahl zu erörtern ist müßig. Denn die Zahlen sprechen für sich: Günther Schartz bleibt Landrat des Kreises Trier-Saarburg. Viel spannender ist die Frage, unter welchen Vorzeichen er künftig die Geschicke des Kreises lenken wird. Bisher kann sich der Christdemokrat auf eine breite Mehrheit im Kreistag verlassen. Doch auch im Landkreis ist politisch etwas in Bewegung.

Sollten beispielsweise die Freien Wähler stärkeren Wert auf eigene Positionen jenseits der CDU legen, wird die Mehrheitsfindung für Schartz zu einer größeren Herausforderung als bisher. Setzt sich dann noch der Stimmenverlust der Christdemokraten bei der Wahl im Sommer 2014 nur in Ansätzen fort, könnte es Bitburg-Prümer Verhältnisse geben. Dort befindet sich die CDU im Kreistag inzwischen in der Opposition. Dabei nutzt ihr auch nichts, dass sie die zahlenmäßig größte Fraktion stellt. Ähnlich sieht es im Dauner Kreistag aus. Und auch im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind die Zeiten der christdemokratischen Übermacht ebenfalls vorbei.

Die richtige Bewährungsprobe steht Günther Schartz also noch bevor. Doch wer den Landrat kennt, der weiß, dass er einerseits ein CDU-Mann ist. Und zwar durch und durch. Gleichwohl ist Schartz auch ein Pragmatiker. Diese Eigenschaft wird er brauchen. Denn ihm wird in seiner zweiten Amtszeit sicher ein rauerer Wind um die Nase wehen.
h.jansen@volksfreund.de