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Kantersieg für Amtsinhaber Otmar Rößler

Kantersieg für Amtsinhaber Otmar Rößler

Otmar Rößler (FWG) bleibt Stadtbürgermeister von Schweich. Mit der klaren Mehrheit von 57,5 Prozent distanziert der 60-Jährige seine Mitbewerber Hans-Georg Becker (CDU) und Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) im ersten Anlauf.

Schweich. Die sieben Wahllokale in Schweich und Issel waren noch keine Stunde zu, da war es bereits amtlich: Der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Otmar Rößler, bleibt Bürgermeister der Stadt Schweich. Mit 1940 Stimmen, das entspricht 57,5 Prozent, haben die Bürger den Amtsinhaber erneut aufs Schild gehoben.Hinter den Erwartungen


Im Vorfeld hatten viele mit einer Stichwahl gerechnet, denn die Mitkonkurrenten sind gestandene Persönlichkeiten und von Parteien ins Rennen geschickt worden, die immerhin bei der Kommunalwahl 2009 zusammen mehr als 70 Prozent der Stimmen in Schweich geholt haben: Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) und Hans-Georg Becker (CDU). Doch weder die Landtagsabgeordnete, noch der ehemalige Geschäftsführer des Elisabeth-Krankenhauses in Trier, können Rößler ernsthaft gefährden. Mit 27,6 Prozent (Becker) und 14,9 Prozent (Sahler-Fesel) bleiben beide weit hinter den eigenen Erwartungen zurück.
"Ich wusste, dass es schwer wird, gegen den Amtsinhaber anzutreten", sagt Hans-Georg Becker. Der 63-Jährige gibt sich nicht enttäuscht, obwohl er und die Schweicher Christdemokraten damit gerechnet hatten, in die Stichwahl zu kommen. "Der Wahlkampf war für mich eine positive Erfahrung", sagt Becker, "es ging fair und demokratisch zu."
Nur 14,9 Prozent - Ingeborg Sahler-Fesel macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl: "Mein Ziel war die Stichwahl. Ich wusste, dass es eine ganz schwierige Kiste werden würde, aber offenbar waren auch viele aus dem Lager von SPD und CDU mit dem Bürgermeister zufrieden." Als alteingesessener Schweicher habe Rößler einen hohen Bekanntheitsgrad, bemerkt die 58-jährige Landtagsabgeordnete. "Das hat gezogen." Sie sehe das Schweicher Ergebnis nicht als Bewertung ihrer persönlichen Arbeit. Unterschiedliche Auffassungen zwischen Sahler-Fesel und der Schweicher SPD hat es offenbar über die Wahlkampfstrategie gegeben: "Ich hätte mir einen längeren Wahlkampf gewünscht, aber der Ortsverein wollte es kurz und knackig."Keine Wechselstimmung


Naturgemäß bester Laune war der Sieger des Abends, Otmar Rößler. "Ich hatte mir gute Chancen für eine Stichwahl ausgerechnet, aber dass es gleich klappt, war überraschend. Ich freue mich auf die nächsten fünf Jahre." Laut Rößler gab es in Schweich "keine Wechselstimmung". Es habe ja auch keine Skandale gegeben, stattdessen ein "harmonisches Miteinander im Stadtrat". "Wir haben Schweich gemeinsam vorangebracht", sagt der Stadtbürgermeister an die Adresse von CDU und SPD, die neben der FWG im Stadtrat vertreten sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es Rößler dort in der kommenden Legislaturperiode mit seinen beiden Kontrahenten der Bürgermeisterwahl zu tun bekommen: Sahler-Fesel und Becker kandidieren in den Listen von SPD und CDU jeweils auf Platz eins. (Das Ergebnis der Stadtratswahl stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest).
Die hohe Zustimmung für Rößler zog sich quer durch alle sieben Wahllokale. Überall erreichte er die absolute Mehrheit. Selbst in den beiden Wahllokalen, in denen viele Neubürger aus dem Ermesgraben ihre Stimme abgaben, hielt er annähernd seinen Schnitt. Das gilt auch für die beiden Wahlbezirke im Stadtteil Issel. Dort kommt Rößler auf 62 Prozent beziehungsweise 54 Prozent, was zusammengenommen sogar noch leicht über seinem Gesamtergebnis von 57,5 liegt. Die Wahlbeteiligung betrug 57,7 Prozent.
Während in Schweich alles beim Alten bleibt, gibt es einen neuen Ortsvorsteher in Issel. Johannes Lehnert (FWG) holt ohne Gegenkandidaten sehr gute 85,4 Prozent. Der langjährige Ortsvorsteher Kurt Heinz (CDU) war nicht mehr angetreten.Meinung

So wackelt kein Thron
Dass Otmar Rößler gute Chancen hatte, wiedergewählt zu werden, war klar. Er hat den Amtsbonus und ist dazu noch ein Einheimischer, ein Ur-Schweicher, wie er gerne betont. Dennoch: Seine 57,5 Prozent sind damit alleine nicht zu erklären. Die Herausforderer waren ja nicht irgendwer. Weder Ingeborg Sahler-Fesel noch Hans-Georg Becker waren in der Lage, das Stammwählerpotenzial ihrer Parteien in Schweich zu aktivieren. Obwohl die SPD-Abgeordnete als fleißig gilt, wurde ihr wohl nicht zugetraut, dass sie neben ihrem Job in Mainz auch noch den der Stadtbürgermeisterin stemmen könnte. In Schweich ist sie eine Zugezogene, was auch für Becker gilt. Ihn hat die CDU aus dem Hut gezaubert - kurzfristig und völlig überraschend. Beide Herausforderer haben im Wahlkampf zu wenig getan, um sich vom Amtsinhaber abzuheben. Harmonie ist ja ganz schön, aber damit stößt man keinen vom Thron. Viele Wähler werden sich auch gedacht haben, dass es in der Boomstadt Schweich doch ganz gut läuft. Warum dann wechseln? a.follmann@volksfreund.de