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Karl Marx
Der Tag der Enthüllung

Wut, Trauer, Vorfreude: Die Karl-Marx-Statue hat schon viele Emotionen hervorgerufen – obwohl nur wenige Menschen sie bislang komplett unverhüllt gesehen haben.
Wut, Trauer, Vorfreude: Die Karl-Marx-Statue hat schon viele Emotionen hervorgerufen – obwohl nur wenige Menschen sie bislang komplett unverhüllt gesehen haben.
Trier. Letzter Teil unseres Karl-Marx-Countdowns: Ab heute ist die Statue aus China ohne Verpackung zu sehen. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Eigentlich wollte die Stadt so eine riesige Statue gar nicht. Angedacht war eine kleine, etwa lebensgroße Figur in der Brückenstraße, vis-à-vis des Karl-Marx-Hauses. Dann erklärte China aber, dass die Figur, die es Trier zum 200. Geburtstag des größten Sohns der Stadt schenken wolle, viel, viel größer werde. Der kleine Eckplatz war aus dem Rennen.

Und nun steht es nicht nur da, das 5,50 Meter hohe Denkmal. Seine Enthüllung ist auch zentraler und zumindest öffentlichkeitswirksamster Punkt im Festprogramm zum Auftakt des Karl-Marx-Jubiläumsjahres.

Extra: Bisherige Beiträge zum Countdown finden Sie hier.

Dossier: Alle Infos zum Karl-Marx-Jubiläum auf volksfreund.de/marx

An diesem Samstag, 5. Mai, ist es so weit: Los geht’s auf dem Simeonstiftplatz mit einem offiziellen Festakt um 11.30 Uhr. Als Redner treten an: Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Triers Baudezernent Andreas Ludwig, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Shi Mingde, Botschafter Chinas in Berlin, und Guo Weimin, Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik China und Wu Weishan, der chinesische Bildhauer, der die Statue geschaffen hat.

„Wir möchten den offiziellen Teil möglichst kurz halten, die Trierer wollen bestimmt lieber feiern als langen Reden zuhören“, betont Rathaussprecher Michael Schmitz. Ob sich die sechs Redner an diesen Plan halten, bleibt abzuwarten. Insbesondere, weil die Grußworte der drei Chinesen fürs Publikum übersetzt werden müssen. Zur Rededauer kommt also noch mal die Zeit, die der Dolmetscher benötigt, die Ansprachen Stück für Stück auf Deutsch zu wiederholen.

Die Statue bleibt währenddessen mit einem roten Tuch verhüllt. Das stammt übrigens auch aus China, war in der Kiste beigelegt, in der die Bronzefigur per Flieger aus Peking nach Trier transportiert wurde, und ist aus Kunstfaser gefertigt, wie der TV aus informierten Kreisen erfahren hat.

Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass die Statue in Trier unverhüllt zu sehen ist. TV-Informationen zufolge hat die Stadt die Enthüllung schon vor einigen Tagen in der Morgendämmerung geprobt. „Stimmt“, bestätigt Presseamtsleiter Schmitz, „am 26. April haben wir die Statue um 5.30 Uhr morgens ausgepackt und den Vorhang gezogen.“ Die gute Nachricht: „Das hat auch funktioniert.“ Vor Überraschungen sei man natürlich trotzdem nie gefeit.

Heute soll das Tuch, das nicht das gleiche wie bei der Probeenthüllung ist, nach hinten weggezogen werden.

Den Moment, an dem Karl Marx enthüllt wird, werden übrigens 200 geladene Ehrengäste aus nächster Nähe mitverfolgen: Direkt vor der Statue werden für sie Stühle aufgestellt. Hinter und – von der Statue aus gesehen – links neben diesem Sitzblock sind abgesperrte Pressebereiche und Podeste für Fernsehkameras aufgebaut.

Überall drumherum ist Platz für die Bürger. Auf dem Simeonstiftplatz, also von der Statue aus gesehen rechts, werden für alle, die nicht so lange stehen können, aber den offiziellen Festakt sehen wollen, Bänke aufgestellt. „Wir wollen keine abgeschottete Veranstaltung und würden uns freuen, wenn möglichst viele Trierer vorbeikommen“, sagt Oberbürgermeister Leibe.

Nach dem offiziellen Teil lädt die Stadt auf dem Simeonstiftplatz zum Bürgerfest ein.

Auch wenn der Wetterbericht keinen Regen vorhersagt – was passiert, wenn es der bei Stadtfesten ja so oft zur Verantwortung gezogene Trierer Schutzpatron Petrus nicht gut meinen sollte mit dem Karl Marx auf dem Simeonstiftplatz? „Sollte es wirklich einen Sturzregen geben, haben wir einen Plan B“, sagt Leibe.

Der ganze Festakt – ohne Marx, versteht sich – zieht dann nach drinnen um. Und zwar in das Gebäude der Sparkasse in der Theodor-Heuss-Allee.

Deren Unternehmensfarbe ist zwar ein leuchtendes Rot – so richtig dürfte Karl Marx die Geburtstagsfeier in einer der Schaltstellen des Kapitalismus’ allerdings wohl eher nicht gefallen...