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Kaufkraft und Zentralität: Wie attraktiv ist eine Stadt für Investoren und Kunden?

Die Kaufkraft einer Stadt hängt von verschiedenen Faktoren ab. Foto: Uwe Zucchi
Die Kaufkraft einer Stadt hängt von verschiedenen Faktoren ab. Foto: Uwe Zucchi
Trier. Wie attraktiv ist eine Stadt für Investoren und Kunden? Für die Beantwortung dieser Fragen gibt es mehrere Ansätze. Rainer Neubert

Die Mischung aus attraktiven großflächigen Geschäften, kleinen Läden, die vom Inhaber geführt werden, in Kombination mit einer hochwertigen Gastronomie und einem guten touristischen Angebot ist das, was Städteplaner, Projektentwickler und Einzelhandelsexperten als Erlebniseinkauf bezeichnen. "Die Luxemburger kommen nach Trier, weil sie dieses Gesamtpaket haben wollen", ist Alfred Thielen, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Trier, sicher. Auch die kleineren Städte haben erkannt, dass sie ihren Gästen nicht nur Geschäfte, sondern Aufenthaltsqualität bieten müssen.

Und die Investoren? Für die gibt es mehrere Kennzahlen, die sie nutzen, um die Attraktivität einer Stadt für eine Ansiedlung zu ermitteln. Die zwei wichtigsten stellen wir in unseren Grafiken im regionalen Vergleich dar:

Kaufkraft:
Die Kaufkraft ist die Summe aller Nettoeinkünfte, die in einer Region der Bevölkerung zur Verfügung steht. Die Kaufkraft im Einzelhandel (siehe Grafik unten) ist der Teil der Kaufkraft, der für Ausgaben im Einzelhandel zur Verfügung steht. Ausgaben für Kraftfahrzeuge und Brennstoffe sowie Dienstleistungen und Reparaturen bleiben dabei unberücksichtigt.

Zentralität:
Mit der Zentralitätskennziffer wird das Maß für die Kaufkraft einer Stadt als Einkaufsort berechnet. Kennziffer 100 bedeutet, dass Einwohner einer Stadt den ihnen zur Verfügung stehenden Betrag vollständig in dieser Stadt ausgeben. Werte über 100 Prozent weisen auf eine Anziehungskraft der Stadt hin, die sie zum Beispiel als Mittel- oder Oberzentrum auf ihr Umland ausübt und dessen Bewohner stärker zum Einkauf in ihrem Einzelhandel bewegt, als umgekehrt die eigene Bevölkerung ihre Kaufkraft nach außen trägt.
Je höher also der Wert liegt, desto mehr Kunden kommen aus dem Umland, um in der Stadt Geld auszugeben.

Bei der Beurteilung der Attraktivität eines Standortes kommen allerdings noch weitere Aspekte hinzu. So sind für die Stadt Trier und die gesamte Region zum Beispiel die Kunden aus Luxemburg von großer Bedeutung. Nach Angaben der CIMA Beratung und Management GmbH kommen derzeit 28 Prozent des Kaufkraftzuflusses der Stadt Trier aus Luxemburg. So liegt der Wert für die Einzelhandelszentralität in der Stadt Luxemburg deutlich unter dem der meisten Städte in der Region Trier. Das lässt auch auf einen hohen Einkaufstourismus schließen. Angesichts der Kaufkraft von 9800 Euro, die jedem Luxemburger pro Jahr für den Einzelhandel zur Verfügung steht, das ist teilweise doppelt so viel wie bei den Menschen in der Region Trier, wird deren Bedeutung für den hiesigen Einzelhandel deutlich.