Kein Blick zurück im Zorn

Kein Blick zurück im Zorn

In der kommenden Legislaturperiode wird in Kell am See die CDU als Partei allein das Dorfgeschehen bestimmen. Die SPD musste mangels Bewerbern die Segel streichen. Der TV sprach mit dem derzeit stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Horst Zimmert.

Kell am See. (hm) Zimmert blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die verstrichene Legislaturperiode. "Um es vorweg zu sagen: Trotz allem war die Zusammenarbeit im Rat zielorientiert und weitestgehend problemlos. Das zeigt auch die prozentual hohe Zahl der einstimmigen Beschlüsse.

Also kein Blick zurück im Zorn?

"Nein, das wäre eine falsche Ansicht von Politik. Als neue Oppositionsfraktion mussten auch wir uns erst mit der noch ungewohnten Rolle anfreunden und mussten eine in dem Umfang nicht erwartete Niederlage bei der letzten Kommunalwahl verkraften. Schwerpunkt und Ziel der Arbeit während der gesamten Legislaturperiode war aber, unseren Ort Kell am See voranzubringen. Das heißt, das Lebensumfeld für unsere Bürger so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Dies musste jedoch leider immer unter dem Gesichtspunkt, der sehr schwierigen Haushaltslage betrachtet werden, die sich auch in den letzten fünf Jahren nicht verbessert hat. Daher war es auch anfangs unsere Aufgabe zu versuchen, bei der CDU-Fraktion auf die Euphorie-Bremse zu treten."

Damit sind bestimmte Themen gemeint?

"Leider wurde unser Vorschlag, durch eine Erweiterung des Neubaugebietes Messflur Richtung See, kurzfristig eine gewisse Anzahl an neuen, und vor allem kostengünstigen Bauplätzen zu schaffen, abgelehnt. Stattdessen wurde gleich auf die große Lösung gesetzt, deren Umsetzung nach fünf Jahren immer noch andauert, mit einem Grundstückspreis, der auch für Keller Verhältnisse erst einmal verkraftet werden muss.

Ein Streitthema war auch die Radwegbrücke.

"Die Radwegbrücke war ein großes Streitthema, das leider aus der sachlichen Betrachtung heraus in eine rein politisch- emotionale Betrachtungsweise geriet. Dabei kann ich nur den Standpunkt der SPD-Fraktion wiederholen: Wenn die Notwendigkeit einer Radwegebrücke besteht oder bestand, dann wäre es die Aufgabe der Ausbaugemeinschaft und nicht die der Ortsgemeinde gewesen, diese zu bauen. Auch 27 000 Euro sind für eine Gemeinde, die alles über Kredite finanzieren muss, eine Menge Geld.

In der kommenden Legislaturperiode wird man ohne die SPD-Fraktion auskommen müssen.

"Über die Situation, dass in Kell nur eine Liste bei der Gemeinderatswahl antritt, bin ich nicht glücklich. Es ist für einen Ort wie Kell am See mit 2000 Einwohnern vom Demokratieverständnis her nicht gut, keine Alternative anbieten zu können. Bei der Suche nach den Schuldigen will ich mich dabei nicht herausnehmen.

Nur jammern nutzt nichts mehr, es gilt jetzt nach vorne zu schauen. Ich selbst werde die Arbeit des neuen Gemeinderates auch von außen noch weiterhin kritisch begleiten.

Ich hoffe und baue hier auf unsere jüngeren Mitbürger, dass sie bereit sein werden, Verantwortung auch auf kommunalpolitischer Ebene zu übernehmen. Denn unser schöner Ort Kell am See ist es wert."