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Kein Sieger: Heintel und Baltes gehen in Stichwahl

Kein Sieger: Heintel und Baltes gehen in Stichwahl

Unentschieden. Marcus Heintel (SPD) und Heidrun Baltes (CDU) haben bei der Wahl zum Bürgermeister der neuen VG Traben-Trarbach annähernd die gleiche Stimmenzahl bekommen. Heintel kommt auf 46,8 Prozent, Baltes auf 46,6 Prozent. Beide müssen nun am Pfingstsonntag in die Stichwahl, denn der Sieger braucht mehr als 50 Prozent. Der dritte Kandidat, Reinhard Niedersberg (ÖDP) holt 6,6 Prozent der Stimmen.

Kröv/Traben-Trarbach. So richtig froh ist keiner von beiden, aber es ist auch keine große Enttäuschung in den Gesichtern von Marcus Heintel (SPD) und Heidrun Baltes (CDU) zu erkennen. Soeben haben sie das Endergebnis der Bürgermeisterwahl erfahren. Und das bedeutet: Keiner von beiden hat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen, beide müssen also in die Stichwahl in zwei Wochen. Baltes und Heintel sagen fast wortgleich: "Dann müssen wir uns halt noch mal anstrengen und alles geben."
Für die Kandidaten ist der Wahlabend ein Wechselbad der Gefühle. Nur Reinhard Niedersberg, der Kandidat der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) kann ganz gelassen bleiben, denn er weiß, dass er chancenlos ist. Sein Ziel ist es, die ÖDP bekannter zu machen, damit sie im neuen Verbandsgemeinderat Traben-Trarbach ein paar Sitze bekommt.
Im Sitzungssaal des Kröver Rathauses laufen ab 18.30 Uhr - Bonsbeuren zählte am schnellsten - im Minutentakt die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken ein. Etwa 25 Bürger sind gekommen, um hautnah dabei zu sein.
Unter ihnen der ehemalige VG-Chef von Traben-Trarbach, Alois Weber mit Ehefrau Marita, der CDU-Stadtverbandsvorsitzende von Traben-Trarbach, Jürgen Römer, und der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende von Kröv-Bausendorf, Peter Tries. Weinflaschen und Gebäck steht auf den Tischen, aber keiner greift richtig zu. Die Spannung ist zu groß. Es ist still im Saal, während die Ergebnisse an eine Leinwand geworfen werden. Es zeichnet sich nach eineinhalb Stunden zwischen CDU-Kandidatin und SPD-Kandidat ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.
Zeitweise liegt Baltes vorne, dann wieder Heintel. Als 13 von 34 Stimmbezirken ausgezählt waren, führt Baltes deutlich mit 55 zu 39 Prozent gegen ihren SPD-Konkurrenten Heintel. Doch jeder im Saal weiß, dass Heintel noch aufholen wird. Denn bis dahin sind ausschließlich Stimmbezirke aus der VG Kröv-Bausendorf ausgezählt. Die Stadt und die Orte der VG Traben-Trarbach fehlen noch.Kröv wählt Baltes


Und das ist auch das Bemerkenswerte an dem Ergebnis: Baltes bekommt deutliche Mehrheiten in der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf und Heintel in der (alten) Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. So geben beispielsweise 62,8 Prozent der Enkircher Wähler Heintel ihre Stimmen, während Baltes in Kröv auf 65 Prozent kommt. Und Traben-Trarbach? Dort liegt Heintel vorne, und zwar mit 53,9 Prozent. Baltes erzielt in der mit Abstand größten Kommune der neuen Verbandsgemeinde 39 Prozent, der ÖDP-Kandidat Niedersberg kommt dort auf 7,1 Prozent.
Es gibt noch ein paar interessante Wahlergebnisse: Reinhard Niedersberg erhält in seinem Heimtort Enkirch 76 Stimmen, das sind 9,5 Prozent.
Die Hochburgen von Marcus Heintel sind Enkirch, Starkenburg, Traben-Trarbach, Willwerscheid, Lötzbeuren und Irmenach. Baltes erzielt ihr bestes Ergebnis prozentual gesehen in Kinheim mit 70,2 Prozent. Die meisten Stimmen holt sie in Kröv. 730 Wähler votieren dort für Baltes, das sind fast 20 Prozent aller ihrer Wähler.
Die Wahlbeteiligung insgesamt liegt bei 58,0 Prozent.Meinung

 Auch sie gibt ihre Stimme ab: die 91-jährige Irmgard Kuhn in Reil. TV-Foto: Winfried Simon
Auch sie gibt ihre Stimme ab: die 91-jährige Irmgard Kuhn in Reil. TV-Foto: Winfried Simon

Kröv-Bausendorf contra Traben-Trarbach
In zwei Wochen, am Pfingstsonntag, das Prozedere also noch einmal. Wer gewinnt ? Heintel oder Baltes ? CDU oder SPD. Man könnte auch fragen: Kröv-Bausendorf oder Traben-Trarbach, also Fusionsgegner oder Fusionsbefürworter ? In den kommenden zwei Wochen werden beide Lager noch einmal alles geben. Denn es geht um sehr viel. Gewinnt jemand, der die Fusion will und sie zum Erfolg führen will (Heintel) ? Oder gewinnt jemand, der sie nicht will und insgeheim hofft, dass die Klage Erfolg hat, um sich in der dann wieder alten Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf als Bürgermeisterin zu bewerben (Baltes)? Und es geht darum, ob die Taktik des CDU-Kreisvorsitzenden Alexander Licht aufgeht. Er hat nicht viel für die neue Verbandsgemeinde Traben-Trarbach übrig. Also taktiert er gegen sie. Ein Erfolg wäre ja auch gleichzeitig ein Erfolg der Landesregierung. Er hat deshalb eine Kandidatin präsentiert, die mehr gegen als für die Fusion ist. Heintel hat sich klar positioniert. Er hat den Rückhalt der gesamten SPD. Baltes hat es in Traben-Trarbach mit einer zutiefst zerstrittenen CDU zu tun. Ein Teil ist für sie ein Teil gegen sie. Es wird sehr, sehr spannend. w.simon@volksfreund.de