1. Dossier

Keiner kennt sich besser mit Ruwer aus

Keiner kennt sich besser mit Ruwer aus

Matthias Kordel ist gebürtiger Ruwerer und hat bereits zwei Teile des Bildbands "Ruwer im Wandel der Zeit" herausgegeben. Außerdem interessiert er sich für Architektur, den römischen Staat und Münzen. Um forschen zu können, hat er gleich mehrfach auch selbst die Schulbank gedrückt.

Trier-Ruwer. In Sachen Ruwer kann ihm niemand etwas vormachen: Matthias Kordel (74) hat die Geschichte des Stadtteils ausführlich mit Fotos und Postkarten dokumentiert. Seine Leidenschaft dafür hat er im Ruhestand entdeckt. "Ich musste einfach etwas tun", sagt er. Als gelernter Kaufmann habe er sich schon immer für römische Münzen und das Wirtschaftsleben während der Kaiserzeit interessiert. An der Uni bildete er sich dann in Architektur und Geschichte mit Schwerpunkt Christentum und Römischer Staat weiter. Außerdem absolvierte er einen fast einjährigen Kurs als Stadtführer. Während dieser Zeit ist auch sein Interesse für Ruwer entstanden. Mittlerweile hat er ungefähr 300 Postkarten mit Ruwer-Motiven gesammelt. Die ältesten Karten stammen aus dem Jahr 1899. Viele Jahre ist er auf Postkarten- und auch Münzbörsen gefahren, um seine Sammlungen zu erweitern.
Im Jahr 1993 brachte er den ersten Bildband "Ruwer im Wandel der Zeit heraus", der innerhalb eines Jahres vergriffen war. Der zweite Teil folgte 2011. Außerdem brachte er die Bücher "Zeitreise durch die Eifel" (1996) und "Die schönsten Schlösser und Burgen der Eifel" (1998), sowie eine Chronik über Ruwer und Eitelsbach (2003) heraus.Extra Sütterlin gelernt


Das Forschen in vergangenen Zeiten ist seine Leidenschaft: "Es gibt kein Archiv, in dem ich nicht drin war", schmunzelt Kordel. Für seine Recherchen sei er eine Zeit lang jeden Freitagmorgen nach Koblenz ins Landeshauptarchiv gefahren. "Dafür musste ich sogar die mittelalterliche Schrift und Sütterlin lernen", erklärt er.
Ruwer bedeutet für ihn Heimat. "Ich hatte eine schöne Kindheit in Ruwer, auch wenn wir kaum etwas zu essen hatten. Meine Mutter wusste nie, wo wir sind. Wir sind in der Mosel geschwommen und haben an der Ruwermündung gespielt", berichtet der Heimatforscher über seine Kindheit. Sein Elternhaus ist ein kleines Haus an der Kirche gewesen. Später hat er ein Haus weiter oben im Ort gebaut. "Von hier aus kann man bis in die Stadt gucken und es ist schön ruhig. In Ruwer haben wir alles, was wir brauchen, nur ein Tante-Emma-Laden fehlt."
Wenn er sich nicht mit Geschichtsforschung beschäftigt, dann spielt Matthias Kordel gerne Tennis. Seit der Gründung 1979 ist er im Tennisclub Ruwer aktiv. Außerdem war er lange Zeit im Vorstand des Vereins für Herzsport und Bewegungstherapie. Mit der Herzsportgruppe unternahm er unter anderem eine Fahrt nach Rom, wo ihm sein Wissen über Trier zugute kam: "In Rom kann mir keiner etwas vormachen. Trier ist ja ein zweites Rom, deswegen traute ich mir zu, auch dort eine Führung zu machen", berichtet er.
Das Reisen ist ein weiteres Hobby von Matthias Kordel. Er ist viel in der Welt herumgekommen. Als junger Mann ist er sogar bei der Rallye von Paris nach Dakar mitgefahren. "Das war echt abenteuerlich. Besonders in der Wüste mit relativ wenig Getränken an Bord."
Außerdem singt er im Männergesangsverein Moselland 1882 Ruwer, dem er seit seiner Jugend angehört. "Ich habe immer etwas zu tun", sagt er - und das glaubt man ihm gerne. Sein vielseitiges Engagement und sein unglaubliches Wissen machen Matthias Kordel zu einem besonderen Bürger in Ruwer.