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Keller SPD landet auf dem Tiefpunkt

Keller SPD landet auf dem Tiefpunkt

Politischer Paukenschlag in Kell am See: Nach ihrer schweren Niederlage 2004 ist der SPD-Ortsverein kurz vor der nächsten Kommunalwahl endgültig am Tiefpunkt angelangt. Die Genossen bekommen aller Vorraussicht nach für den Urnengang am 7. Juni keine Bewerberliste mehr zusammen und überlassen damit im Amtssitz mit seinen 2000 Einwohnern der regierenden CDU allein das Feld.

(ax) Einst war die SPD stärkste Partei im größten Dorf der Verbandsgemeinde, sie stellte von 1989 bis 2004 mit Walter Rausch den Ortsbürgermeister. Vor fünf Jahren erlitt sie aber mit ihrem Kandidaten Edgar Thielen eine schwere Schlappe mit starken Stimmenverlusten, die sie auf nur noch fünf Mandate im 16-köpfigen Rat zurückfallen ließ und die CDU mit dem neuen Ortsbürgermeister Markus Lehnen an die Macht brachte.

Doch nun hat der Niedergang der Keller Sozialdemokraten eine neue Dimension erreicht. Bis Montag, 27. April, 18 Uhr, müssen die Parteien ihre Bewerberlisten für die Kommunalwahl am 7. Juni einreichen. So wie es aussieht, wird die SPD aber bis zum Ablauf dieser Frist keinen Vorschlag einreichen und demzufolge nicht an der Wahl des Ortsgemeinderats teilnehmen. Das hat der kommissarische Ortsvereins-Vorsitzende und Noch-Fraktionssprecher Thielen dem TV bestätigt. Auf einer Mitgliederversammlung habe er zu Beginn der Woche zwar noch versucht, zumindest acht SPD-Bewerber für eine Liste mit Doppelbenennungen zu finden. Das sei aber gescheitert. Obwohl der Ortsverein 21 Mitglieder hat, waren zu wenige zum Mitmachen zu bewegen. „Die Leute haben einfach keine Lust, unter der Fahne der SPD in den Wahlkampf zu ziehen“, sagt Thielen. Aus seiner Sicht hat eine „Vielzahl von Beweggründen“ dazu geführt, dass zumindest für die kommende Legislaturperiode keine SPD-Liste zustande kommen wird. Er räumt ein, dass es im Ortsverein „Abnutzungserscheinungen“ gegeben habe und er diesen nicht wirksam entgegen treten konnte, weil er beruflich zu stark eingespannt sei. Bei Horst Zimmert spielte auch die Enttäuschung über die große SPD-Politik in Berlin eine Rolle. „Ich bin inzwischen aus der Partei ausgetreten“, sagt das langjährige Ratsmitglied dem TV. Die Bemerkung von Thielen, dass ihm einige potenzielle Mitstreiter trotz vorheriger Zusage kurzfristig abgesagt haben, deutet aber auch darauf hin, dass es im Innenleben der Keller SPD gekriselt haben muss.


Meinung
Offenbarungseid schadet allen
Von Axel Munsteiner
Dass in Kell die SPD mangels Personal nicht bei der Wahl antritt, ist mehr als nur ein Offenbarungseid für einen Ortsverein auf seit langem anhaltenderTalfahrt. Egal, ob nun interne Querelen, Politikmüdigkeit oder der Frust auf die da oben in Berlin dazu geführt haben, dass die Genossen keine Gemeinderatsliste zustande bringen: Es ist ein Unding und verheerend für die Demokratie, dass in einem 2000 Einwohner-Ort die Bürger keine Alternative mehr haben und eine Partei, gleichgültig wie sie heißt und wie gut sie ihre Arbeit macht, allein herrschen kann. Die Keller SPDler haben das in ihrer Agonie ausgeblendet und schaden damit letztlich dem ganzen Dorf.

a.munsteiner@volksfreund.de