Selbstversorger-Kolumne „Ach du meine Gurke!“ Aus dem Urlaub zurück und dann das!

Trier · In ihrer Kolumne „Ach du meine Gurke!“ berichtet Katharina de Mos über ihre Erfahrungen im Selbstversorgergarten. Heute: Die Gurken wollen die Weltherrschaft übernehmen.

 Ach Du meine Gurke! Da komme ich aus dem Urlaub zurück und der Himmel hängt voller Gurken.

Ach Du meine Gurke! Da komme ich aus dem Urlaub zurück und der Himmel hängt voller Gurken.

Foto: TV/Bram de Mos

Ich fahre jetzt öfter in Urlaub! Dicke zwei Wochen waren wir weg, um uns in England Gärten von Leuten anzugucken, die wirklich wissen, was sie da tun, über weiße Steilkliffs zu spazieren und in knuffigen Pubs bei Ale die Seele baumeln zu lassen. Unsere niederländische Familie hat derweil bei uns zu Hause Ferien gefeiert (so nennen sie das), Katzen gefüttert und den Garten betüdelt. „Heel leuk, fantastisch, dank jullie wel! Heerlijk! Wat een pracht“, sage ich dann mal auf niederländisch (weniger als drei enthuisiastisch-positive Begriffe sollte man im Niederländischen pro Aussage nicht verwenden), was so viel heißt wie „Sieht toll aus, danke!“

Denn das tut es. Jedenfalls der Gemüsegarten. Ich kann nur hoffen, dass mir außer meinem Mann niemand beim Ernten zugehört hat. „Boah! Uoahhh! O, Wahnsinn! Guck Dir das Ding an! Was ein Oschi! Und noch eine! Guck! Ach, Du meine Gurke!“ Ob es daran liegt, dass wir vor der Abreise nochmal gut gedüngt haben? Oder ob Holländer eine förderliche Wirkung auf Grünzeugs haben? Obwohl die Familie glaubhaft versichert hat, so viele Tomaten, Gurken und Zucchini geerntet zu haben, bis die Lust darauf erlosch, tauchten im Blätter-Dschungel immer noch mehr Zucchini, Bohnen, Auberginen, Melonen und vor allem Gurken auf! So viele Gurken!

Ich hatte gedacht, ich setze mal so fünf süße Cornichon-Pflänzchen ins neue Hochbeet. Das sind ja zarte, kleine Gürkchen. Von wegen! Die Dinger wollen nicht weniger als die Weltherrschaft. Vom Kohl und Sellerie ist gar nichts mehr zu sehen unter den wild wuchernden Winden. Längst reichen meterlange Tentakel aus dem Hochbeet heraus und überwuchern die rote Gartenmelde, den galizischen Palmkohl und selbst die Tomaten, die man ja eigentlich gar nicht neben Gurken pflanzen soll. Wer kann denn ahnen, dass Cornichons solch raumgreifende Monster sind?

Von zarten Gürkchen kann auch keine Rede sein! Was für Torpedos! In welches Glas sollen wir die denn stopfen? Und wir haben ja noch viel mehr Gurkensorten – eigentlich wollte ich an dieser Stelle aus stilistischen Gründen mal ein Synonym verwenden, doch leider schlägt der Duden mir in der Rubrik „Andere Wörter für Gurke“ lediglich „Glied, Nase, Penis, Riecher und Schwanz“ vor. Daher bleibe ich doch schlicht bei Gurke.

Zum Glück habe ich einen Pürierstab, der mein Gurken-Problem löst. Als Gazpacho (das ist eine köstliche kalte spanische Tomatensuppe mit Gurke) lassen sich die grünen Nasen nämlich hervorragend einfrieren. Da noch nicht genug Tomaten reif sind, habe ich mit viel Knobi, Chili, Paprika, Balsamico-Essig und Olivenöl schon mal jede Menge Gazpacho-Gurkengrundmasse tiefgekühlt. Später dann einfach Tomaten und Toast dazu. Pürieren. Fertig. Und aus den vielen Zucchini, Auberginen, Paprika und Tomaten habe ich, gewürzt mit Knoblauch, Rosmarin, Salbei und Thymian, kiloweise köstliches Ratatouille gezaubert.

Die Cornichons haben wir eiskalt geschält, zerteilt, in Gläser gestopft, gewürzt und mit heißem Essigwasser übergossen. Sieht gut aus.  Oder wie mein Mann sagen würde: Heel mooi, prachtig en lekker! Hoffen wir.

In der Kolumne „Ach du meine Gurke!“ berichtet unsere Autorin Katharina de Mos wöchentlich über ihre Erfahrungen mit Krumpern, Kompost oder Kürbissen.
Wer nachlesen will, findet sämtliche Kolumnen unter www.volksfreund.de/sauwerleben. Anmerkungen, Tipps oder Themen einfach mailen an k.demos@volksfreund.de