1. Dossier

Knöllchen, Blitzer und kostenloser Busverkehr

Knöllchen, Blitzer und kostenloser Busverkehr

Der Verkehr ist eines der vielfältigsten und größten Probleme der Stadt Trier – in diesem Punkt stimmen die drei OB-Kandidaten überein. In vielen anderen aber nicht. Offensiv und mit sichtbarer Freude an der Auseinandersetzung verteidigen sie im TV-Forum auf dem Kornmarkt ihre Standpunkte.

Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer, Falschparker, Staus, Lärm, Engpässe, Frust und Stress: Der Verkehr in Trier könnte komplette Bücher oder eine regelmäßige Doku-Soap im Fernsehen mit Inhalten beliefern. Das TV-Forum am Montagabend bot Hiltrud Zock (parteilos, nominiert von der CDU), Wolfram Leibe (SPD) und Fred Konrad (Die Grünen) jedoch nur zwei Stunden. Sie nutzten die Zeit zu einer Tour de Force durch die vier stärksten Verkehrsthemen und boten 150 Zuschauern eine lebhafte Debatte.

Thema eins: Parken in Trier: Die Verwaltung soll härter durchgreifen gegen Falschparker - das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen (der TV berichtete). "Wir haben Regeln, die eingehalten werden müssen", betonte Wolfram Leibe. "Ich kann jedoch nur die Dinge regeln, die ich auch kontrollieren kann, und dafür brauche ich ausreichend Personal."
Hiltrud Zock ging auf Gegenkurs und kritisierte Einsätze wie die Kontrolle der Besucher einer Tufa-Abendveranstaltung, die zu früh auf dem erst ab 20 Uhr offenen Parkplatz neben der Stadtbibliothek standen und gezielt kontrolliert wurden. "Was sollte das denn?", fragte sie in die Runde. "Wir müssen unsere vorhandenen Kräfte für sinnvolle Kontrollen einsetzen." Fred Konrad stellte sich hinter den Ratsbeschluss, der auf einer ungewöhnlichen Allianz der CDU und der Grünen beruht. "Das war eine politische Entscheidung, keine inhaltliche."

Thema zwei: Kommunale Geschwindigkeitsüberwachung: Die Stadtverwaltung wird keine Geschwindigkeitskontrollen von der Polizei übernehmen: CDU, FDP und FWG im damaligen Stadtrat haben im November 2013 das Konzept des Ordnungsdezernenten Thomas Egger abgelehnt. Hiltrud Zock verteidigte diese Haltung: "Diese Kontrollen müssen dort erfolgen, wo sie der Verkehrssicherheit dienen. Externe Unternehmen, die diesen Job für Trier übernehmen, arbeiten aber eher profitorientiert."
Fred Konrad griff an: Das sei kein Argument. "Die Stadt Trier kann als Auftraggeber die Kriterien der Kontrollen doch selbst festlegen." Wolfram Leibe orientierte sich an seinem roten Faden, der viele seiner Argumente verband. "Der Mensch braucht Regeln und muss wissen, dass diese auch überwacht werden." Er plädierte für kommunale Kontrollen, aber gegen deren Vergabe an Externe. "Das müssen wir selbst machen."

Thema drei: West- und Nordumfahrung: Die West- und Nordumfahrung polarisieren die Region seit vielen Jahren. Fred Konrad bezog klar Position gegen Moselaufstieg und Meulenwaldautobahn. "Der Bund soll das Geld lieber in seine Bundesstraßen investieren. Die Sanierung muss hier eine klare Priorität haben." Außerdem würde die Innenstadt nicht vom Moselaufstieg profitieren, der sich, wenn überhaupt, nur auf das Moselufer spürbar entlastend auswirke. Auch Wolfram Leibe argumentierte gegen die beiden Großprojekte. "60 Prozent des Trierer Verkehrs sind Fahrten innerhalb Triers. Hier müssen wir ansetzen und nach Entlastungen suchen." Hiltrud Zock stand allein, als sie für den Moselaufstieg plädierte. "Allein die Entlastung vom Transitverkehr, der sich täglich ohne Alternative durch das Nadelöhr Trier quälen muss, macht dieses Projekt doch schon ungeheuer wertvoll."

Thema vier: Öffentlicher Personennahverkehr: Busfahren in Trier sollte völlig umsonst sein - das forderte ein Zuhörer des TV-Forums am Montagabend. Hiltrud Zock nahm die Vorlage an: "Ein Ziel, das auf jeden Fall diskutiert werden sollte." Doch Investitionen in diese Richtung, darauf wies sie hin, fehlen dann an anderer Stelle. "Der Rat muss abwägen und Prioritäten setzen." Auch die Westtrasse der Bahn, in die das Land 19 Millionen Euro investiert, prägte die Diskussion. "Es ist klasse, dass das Land hier soviel investiert", betonte Wolfram Leibe. "Über die Westtrasse dauert eine Fahrt von Schweich nach Trier nur neun Minuten, das ist ein Bruchteil der bisher im ÖPNV erreichbaren Zeit."
Auf den Bahnlärm, der vielen Anwohnern großen Kummer macht, bezog sich Fred Konrad: "In einer Stadt muss ich die Belastungen aushalten, die durch Bewegungen meiner Nachbarn im Schienenverkehr entstehen."