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Kommentar: Jetzt ist die Zock im Leibe gefragt

Kommentar: Jetzt ist die Zock im Leibe gefragt

Wolfram Zock oder Hiltrud Leibe. Viele Trierer haben schon während des Wahlkampfs gesagt, dass sie am liebsten eine solche Mischung als Oberbürgermeister(in) hätten: die Autorität und Verwaltungserfahrung des SPD-Manns Wolfram Leibe gepaart mit der Begeisterungsfähigkeit und dem Ideenreichtum der Quereinsteigerin Hiltrud Zock. Wenn man so will, dann spiegelt sich das in dem knappen Wahlergebnis wider.

Das Ergebnis zeigt aber auch, was kommunalpolitisch innerhalb von zwei Wochen geschehen kann. Hiltrud Zock ging als Favoritin in die Stichwahl. Bei gesunkener Wahlbeteiligung hat sie 129 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang geholt. Ihr ist es also - sofern man das ohne Wählerbefragung sagen kann - offenbar gelungen, ihre Wähler erneut für sich zu gewinnen - aber viel mehr auch nicht. Die 4903 Wähler, die in Runde eins für den Grünen Fred Konrad stimmten, scheinen zum größten Teil zu Wolfram Leibe gewechselt zu sein. Er hat 2828 Wähler mehr überzeugt.

Über die Ursachen kann man natürlich nur spekulieren. Die schwarz-grünen Gedankenspiele zur Zusammenarbeit im Stadtrat und zur Unterstützung der Grünen für die Kandidatin Zock gehören aber sicher dazu. Es ist zwar vollkommen in Ordnung, dass sich die beiden Parteien derlei Gedanken machen. Dies aber nur einen Tag nach der OB-Wahl zu tun, war wohl ein grandioser Fehler. Damit haben die Parteiführungen von CDU und Grünen Hiltrud Zock einen Bärendienst erwiesen, ihr gewissermaßen die Stichwahl vergeigt.

Auf der anderen Seite steht eine SPD, die ihr Glück am Sonntagabend kaum fassen konnte. Der Straßenwahlkampf, das Händeschütteln, das Menschen-Überzeugen war anfangs nicht unbedingt Wolfram Leibes Welt - trotzdem war er erfolgreich. Umso mehr darf er sich über seinen Sieg freuen. Glückwunsch, Wolfram Leibe! Die Schwerstarbeit liegt nun noch vor ihm. Vom 1. April 2015 an ist sozusagen die Zock in ihm gefragt, denn er muss noch viel mehr Menschen überzeugen als bisher: die Fraktionen im Stadtrat, wenn er Entscheidungen durchbringen will, die Wähler von Hiltrud Zock, die sie auch wählten, weil sie Veränderungen wollten, und die 70 Prozent der Trierer, die offenbar politikverdrossen sind und gar nicht erst gewählt haben.

m.schmitz@volksfreund.de