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Landratswahl im Kreis Trier-Saarburg: Die Kandidaten ganz privat

Bilder aus den Jugendjahren der vier Kandidaten. Das Foto von Sabina Quijano zeigt sie 1968 mit ihrer Cousine Mathilde bei einem Besuch auf einer kolumbianischen Finca.
Bilder aus den Jugendjahren der vier Kandidaten. Das Foto von Sabina Quijano zeigt sie 1968 mit ihrer Cousine Mathilde bei einem Besuch auf einer kolumbianischen Finca. FOTO: privat
Trier. Oft sind von Kandidaten nur Wahlversprechen oder die Parteizugehörigkeit bekannt. Die vier Bewerber um das Amt des Landrats im Kreis Trier-Saarburg haben einen Fragebogen ausgefüllt und zeigen in ihren Antworten Unterschiede jenseits der politischen Vorlieben. Harald Jansen

Stets adrett-seriös gekleidet, von morgens bis abends bestens vorbereitet und immer Herr oder Herrin der Lage. So wirken Landräte oder Landrätinnen oft auf ihre Umwelt.Ein in der Jogginghose rasenmähender Verwaltungschef oder eine Kreischefin in sangesfreudiger Kegelrunde passt da nicht so recht ins Bild. Doch Landräte sind auch nur Menschen - mit Vorlieben, Fehlern und Hobbys.

Beim Kandidatenforum des Trierischen Volksfreunds werden die Kandidaten für die Landratswahl Sabina Quijano (Grüne), Thomas Neises (SPD), Günther Schartz (CDU) und Darja Henseler (Piraten) am Mittwoch, 4. September, ab 19.30 Uhr im Kloster Karthaus Auskunft über ihre politischen Ziele geben.

Zuvor stehen jedoch die Privatpersonen im Mittelpunkt. Alle vier Bewerber haben Fragen beantwortet, die mit vielen Dingen zu tun haben - nur nicht mit politischen Zielen und mit Antworten zur Bewältigung der kommunalen Finanznot oder dem demografischen Wandel. Da geht es um Hobbys wie Tee trinken oder VW GT fahren oder um die größten eigenen Fehler. Der Fragenkatalog lehnt sich an eine Vorlage an, die Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich modern war und die immer wieder mit dem Schriftsteller Marcel Proust in Verbindung gebracht wird. Nur gab es damals noch keine Smartphones, und die Gewissensfrage, ob der Ausfüllende Sprudel, Wein, Viez oder Bier bevorzugt, stellte sich damals auch noch nicht.
Sabina Quijano

Diesen Fehler entschuldige ich am ehesten: Den Fehler, der eine positive Änderung des zukünftigen Handelns bewirkt.

Das verabscheue ich am meisten: Menschenverachtung

Mein Traum vom Glück: Sommer, mit Familie und Freunden im Garten sitzen und Erdbeereis essen.

Meine Lieblingsbeschäftigung: Im Sommer bin ich, wann immer möglich, im Garten, im Winter am Lesen oder Stricken (oder bei beidem gleichzeitig).

Meine Lieblingsgestalt in der Geschichte: Bertha von Suttner, Pazifistin und Trägerin des Friedensnobelpreises.

Meine Lieblingstugend: Mut und Ehrlichkeit.

Mein größter Fehler: Ich kann mir Namen nur sehr schlecht merken.

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Einführung der Kranken- und Sozialversicherung in Deutschland in den Jahren 1883/84.

Ohne mein Smartphone …: Ich besitze kein Smartphone.

Das schätze ich in der Region am meisten: Das Klima, die schöne, vielfältige Landschaft, die Menschen und dass wir hier zu Hause sind.

Bier, Wein, Viez oder Sprudel? Im Sommer am liebsten Wasser, Apfelschorle, Viez-Sprudel, manchmal einen feinherben Riesling, im Winter einen guten alten Portwein.

Mein Lebensmotto: Leben und leben lassen.

Günther Schartz


Diesen Fehler entschuldige ich am ehesten: Fehler, die offen zugegeben werden.

Das verabscheue ich am meisten: Unehrlichkeit.

Mein Traum vom Glück: Dass es meiner Familie gutgeht.

Meine Lieblingsbeschäftigung: Im Beruf: Gespräche mit interessierten Menschen. Im Privaten: Reisen mit der Familie.

Meine Lieblingsgestalt in der Geschichte: Robert Schuman, der unmittelbar nach dem Krieg gerade hier bei uns im Grenzgebiet den Mut hatte, für ein einiges Europa zu werben.

Meine Lieblingstugend: Gradlinigkeit

Mein größter Fehler: Ungeduld, wenn etwas nicht vorwärtsgeht. ...

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Unser Grundgesetz, als eine der freiheitlichsten Verfassungen der Welt.

Ohne mein Smartphone … .... kann ich auch noch leben.

Das schätze ich in der Region am meisten: Die Heimatverbundenheit der Menschen und dass man bei uns noch Dialekt sprechen kann, womit man auch bei unseren Nachbarn gut weiterkommt.

Bier, Wein, Viez oder Sprudel? Es kommt auf die Gelegenheit an, man kann auch mal mischen!

Mein Lebensmotto: Offen den Tag angehen und Neues beginnen.

Thomas Neises


Diesen Fehler entschuldige ich am ehesten: Wenn man zu seinem Fehler ernsthaft steht.

Das verabscheue ich am meisten: Nazis

Mein Traum vom Glück: Zeit mit meinem Sohn

Meine Lieblingsbeschäftigung: Zurzeit auch mal Golf GT fahren.

Meine Lieblingsgestalt in der Geschichte: Willy Brandt

Meine Lieblingstugend: Hilfsbereitschaft

Mein größter Fehler: Schokolade

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Energiewende und das Ende der Atomenergie

Ohne mein Smartphone … … kann ich überleben, aber ich würde es vermissen.

Das schätze ich in der Region am meisten: Die Vielfalt.

Bier, Wein, Viez oder Sprudel? Viez-Limo

Mein Lebensmotto: Geht nicht gibt's nicht.

Darja Henseler


Diesen Fehler entschuldige ich am ehesten: Am ehesten entschuldige ich Fehler, die aus einer Naivität heraus entstehen.

Das verabscheue ich am meisten: Ich habe eine generelle Abneigung gegenüber respektlosem Verhalten.

Mein Traum vom Glück: Freiheit, Gesundheit und Sicherheit.

Meine Lieblingsbeschäftigung: Tee trinken. Und das Schöne daran ist, dass man es mit anderen schönen Dingen kombinieren kann.

Meine Lieblingsgestalt in der Geschichte: Der englische Philosoph Jeremy Bentham, wegen seines Ansatzes, möglichst viele Menschen glücklich machen zu wollen..

Meine Lieblingstugend: Offenheit

Mein größter Fehler: Mir eine Waage zu kaufen.

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die von Norbert Lammert geplante Reform der Abgeordnetendiäten nach der Bundestagswahl.

Ohne mein Smartphone … ... wüsste ich nie, wie spät es ist.

Das schätze ich in der Region am meisten: Die wunderschöne Landschaft.

Bier, Wein, Viez oder Sprudel? Normalerweise Sprudel, aber zu bestimmten Anlässen auch gerne Wein.

Mein Lebensmotto: Es braucht Mut in der Gegenwart, um die Zukunft zu ändern.

Der junge Günther Schartz wuchs auf einem Bauernhof auf, wo es natürlich auch Katzen gab.
Der junge Günther Schartz wuchs auf einem Bauernhof auf, wo es natürlich auch Katzen gab. FOTO: privat
Aus seiner Zeit als Zivildienstleistender bei der Katholischen Hochschulgemeinde Trier stammt das Bild von Thomas Neises.
Aus seiner Zeit als Zivildienstleistender bei der Katholischen Hochschulgemeinde Trier stammt das Bild von Thomas Neises. FOTO: privat
Darja Henseler merkt zu ihrem Foto an, dass sie als Kind eine unendliche Ausdauer gehabt habe, “mir Bilder im Museum ganz detailliert anzuschauen„.
Darja Henseler merkt zu ihrem Foto an, dass sie als Kind eine unendliche Ausdauer gehabt habe, “mir Bilder im Museum ganz detailliert anzuschauen„. FOTO: privat