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Trierer lebt vegan und tut etwas für Klimaschutz und Tierwohl

Ernährung : „Kein Weg mehr zurück“: Ein Trierer erzählt, warum er sich entschieden hat, vegan zu leben

Jürgen Krannich aus Trier ernährt sich seit zweieinhalb Jahren vegan: Warum er das tut, was er sich immer wieder anhören muss und wieso er für immer Veganer bleiben wird.

Das war Käse. Gleich in doppelter Hinsicht. Da nimmt sein Sohn dieses Stück Pizza, führt es zum Mund, beißt genüsslich hinein und der Käsefaden zieht sich gefühlte Kilometer quer über den Esstisch. Jürgen Krannich beginnt zu lachen, wenn er heute daran denkt – mittlerweile geht das, aber damals: „Ich muss zugeben“, gesteht der 48-Jährige, „mir ist das Wasser im Mund zusammengelaufen, als ich die Pizza sah – das war richtig hart. Denn ich habe Käse geliebt, total. Und dann zuzuschauen, wie er die Pizza verdrückt …“. Käse eben. Damals, vor rund zweieinhalb Jahren, hatte sich Krannich gerade dazu entschlossen, keinen Käse mehr anzurühren. Und nicht nur das: auch von Milch, Fisch, Eiern und jeglichen Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs wollte er die Finger lassen. Das Ziel: vegan zu leben. Der Grund: ein Besuch beim Arzt. „Bei einem Routinecheck kam heraus, dass mein Cholesterinwert deutlich zu hoch war“, erzählt Krannich an einem Dienstagabend im November.

„Mein Hausarzt meinte, dass ich dagegen etwas tun sollte, am besten mit Tabletten.“ Doch Krannich nimmt nichts ein, Krannich lässt lieber etwas weg. Er entscheidet sich, seinen beachtlichen Käse-Konsum – „auf gefühlt jede Scheibe Brot gehörte eine Scheibe Käse“ – einzustellen und auch auf alle anderen tierischen Lebensmittel zu verzichten. Von jetzt auf gleich wird Jürgen Krannich zum Veganer. „Es war nicht so radikal, wie es vielleicht klingt, da ich auch vorher schon länger vegetarisch gelebt hatte“, erzählt der IT-Experte, der auf dem Trierer Petrisberg arbeitet. „Dennoch war es gerade zu Beginn in vielen Momenten schwierig.“  Doch Krannich zieht es durch – und ist damit bei weitem nicht alleine in Deutschland. Laut des Ernährungsreports des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2021 bezeichnen sich zehn Prozent der Bundesbürger als vegetarisch und zwei Prozent als vegan. Die Anteile hätten sich im Vorjahresvergleich verdoppelt, so der Report.

„Die vegane Ernährung ist eine sehr strenge Form der vegetarischen Ernährung, bei der ausschließlich pflanzliche Lebensmittel verzehrt werden“, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). „Alle tierischen Lebensmittel und Zusatzstoffe werden abgelehnt, teilweise auch Honig sowie Lebensmittel, bei deren Herstellungsprozessen tierische Bestandteile verwendet werden.“ Zudem verwendeten viele Veganerinnen und Veganer auch keine von Tieren stammenden Gebrauchsgegenstände oder Materialien, wie Wolle, Fell und Leder, so die DGE.

Daran hält sich auch Jürgen Krannich: „Wo immer es geht, achte ich bei meiner Kleidung darauf“, sagt er.  Auch bei Medikamenten – viele enthalten tierische Produkte – versuche er, möglichst vegan zu bleiben. „Wenn es da aber mal nicht funktioniert, ist das auch kein Beinbruch.“

Einen Beinbruch hat ihm die vegane Ernährung übrigens noch nicht beschert. Auch wenn er – ein passionierter Hobbyläufer – im Alltag die immer gleichen Fragen in diesem Zusammenhang gestellt bekomme: „Verletzt du dich nicht häufig?“, „fehlt es dir nicht an Proteinen?“ – so etwas höre er öfter, sagt der 48-Jährige. „Aber ich kann versichern, dass das Gegenteil der Fall ist.“ Seit er sich vegan ernähre, fühle er sich sogar fitter, habe weniger Muskelkater und noch keine Verletzung beim Sport erlitten. „Ich bin gerade dabei, mich auf einen Marathon vorzubereiten“, berichtet Krannich und ergänzt: „Es läuft gut.“

Ausgelaufen ist dagegen sein ehemaliges Käseproblem: „Das ist kein Thema mehr. Ich vermisse nichts – übrigens auch kein Fleisch.“ Speziell in Trier gebe es ohnehin alles, was das vegane Herz begehre. „Viele Restaurants – selbst die Burgerläden – bieten mittlerweile mindestens ein oder zwei vegane Gerichte an“, weiß Krannich. „Und mit Porta Verde gibt es nun auch einen veganen Supermarkt in der Stadt – den ich auch unbedingt bald mal ausprobieren werde.“

Aber auch in allen anderen Supermärkten finde er alles, was er für seine veganen Gerichte brauche  – selbst veganen Orangensaft: „Denn längst nicht alle Säfte sind vegan“, so Krannich. „Viele werden mit Gelatine geklärt – die fallen für mich dann weg.“ Durch seine Ernährungsumstellung sei er zum Experten in Sachen Inhalts- und Zusatzstoffen geworden. „Damit beschäftigt man sich als Veganer zwangsläufig.“

Eintönig sei Veganismus im Übrigen keinesfalls, versichert der Vater zweier Söhne: „Das Gemüseregal gibt unglaublich viel her. Hinzu kommt beispielsweise Tofu in allen Geschmacksrichtungen, Obst, Linsen und sonstige Hülsenfrüchte neben Soja und natürlich Pasta in allen Formen – und für die, die es mögen: Fleischersatzprodukte.“

Neben dem Gesundheits-Aspekt seien für ihn zwei weitere Gründe für den Umstieg auf Veganismus ausschlaggebend gewesen: Tierwohl und Klimaschutz. „Beides hängt untrennbar miteinander zusammen“, ist der Trierer überzeugt. „Wenn wir den Klimawandel ernsthaft bekämpfen, zudem Ressourcenschonung betreiben wollen, dann können wir nicht in dem Maße weiter Fleisch konsumieren, wie es aktuell geschieht“. Den Satz: „Ich will was tun fürs Klima“, den höre er öfter. „Aber wenn es dann darum geht, wirklich was zu verändern, auch auf Dinge zu verzichten, dann  hört es bei vielen Menschen auf.“  Mittlerweile, so sagt es Krannich, seien Tierwohl und Klima für ihn sogar wichtiger geworden als der gesundheitliche Aspekt, der ihn einst zum Veganismus brachte.

 Jürgen Krannich aus Trier. Der 48-Jährige ernährt sich seit zweieinhalb Jahren vegan.
Jürgen Krannich aus Trier. Der 48-Jährige ernährt sich seit zweieinhalb Jahren vegan. Foto: Privat

Dennoch: Sein Cholesterinwert, der sei zwar immer noch erhöht, habe sich mittlerweile aber deutlich abgesenkt. „Das hat selbst meinen Arzt überrascht“, berichtet Jürgen Krannich. Auch seine übrigen Blutwerte seien völlig in Ordnung, es fehle seinem Körper an nichts. Für ihn stehe daher fest: „Ich bleibe Veganer, da gibt es keinen Weg zurück. Nur so kann man mit wenig Aufwand sich selbst und der Umwelt etwas Gutes tun.“