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Matthias Stein will Früchte der Arbeit ernten

Matthias Stein will Früchte der Arbeit ernten

Von wegen Ruhestand: Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein, seit 16 Jahren im Amt, kandidiert trotz seiner 71 Jahre erneut für das höchste Amt der Beispielstadt. Weil er sich noch fit fühlt und den Verkauf des Hotels sowie den Bau der Ortsumgehung in die Wege leiten will.

Hillesheim. Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU), der seit nunmehr 16 Jahren im Amt ist und den Posten bereits in drei Urwahlen verteidigt hat, macht einen äußerst entspannten Eindruck: Er lächelt viel, hat eine gesunde Gesichtsfarbe, gönnt sich ausnahmsweise ein Stück Torte (ansonsten verzichtet er nach eigenem Bekunden in der Fastenzeit auf Alkohol und Süßes) und ist gelassen. "Ich bin mit meinem Leben, so wie es momentan ist, sehr zufrieden", sagt er.
Und da dazu seit März 1998 das Amt des Stadtbürgermeisters zählt, will er eben auch das nicht missen und tritt erneut bei der Wahl am 25. Mai an. Trotz seiner 71 Jahre. "Ich habe das mit meiner Familie besprochen, und ich bin fit, was mir mein Hausarzt auch bestätigt hat. Daher will ich die gute Entwicklung, die die Stadt in den letzten Jahren gemacht hat, noch etwas weiter begleiten", begründet Stein seine Kandidatur.Kommunalwahl 2014


Das bedeutet auch, nun die Früchte der Arbeit zu ernten. So wie beim Hotel Augustinerkloster.
Das hat die Stadt auf Steins Drängen nach mehrjährigem Leerstand für 500 000 Euro gekauft, für mehr als zwei Millionen Euro sanieren lassen und langfristig verpachtet. Anfang September 2007 ist es wiedereröffnet worden. "Als man dort wieder am Tresen ein Bier trinken konnte, das war einer der schönsten Tage meiner Bürgermeister-Karriere. Nach all dem Ärger im Vorfeld." Nach wöchentlich zwei, drei Besuchen im Hotel, nach unendlichen Verhandlungen mit "potenziellen" Investoren, die zumeist viele Ideen, aber nur wenig Geld hatten, und nach dem vielen Gegenwind und Spott (Stein: "Kein Karneval ohne Wagen mit mir als Hoteldirektor").
Nun, wo das Hotel brummt, viel Kaufkraft in die Stadt bringt, will der Stadtbürgermeister das als Bestätigung seiner Arbeit auch ein wenig genießen. "Vor allem aber will ich das Thema erfolgreich abschließen: Das Hotel soll bis zum Ende der Wahlperiode verkauft sein."
Der aktuelle Vertrag läuft bis 2017, danach hat der Pächter noch eine Option auf weitere drei Jahre.
Ebenfalls im Auge hat Stein einerseits weitere Investitionen wie die Umgestaltung des Viehmarktplatzes und die Erweiterung des erfolgreich vermarkteten Neubaugebiets An den vier Bäumen, andererseits die weitere Reduzierung des Schuldenbergs. Der lag 2009 noch bei 3,5 Millionen Euro und wird laut Stein zum Jahresende bei 1,8 Millionen Euro liegen.
Und da gibt es noch Dinge, die eben nicht so laufen wie gewünscht. Stichwort Kommunalreform.
Da will der Stadtbürgermeister auf jeden Fall "dafür kämpfen, dass Hillesheim Verwaltungssitz bleibt".
Oder Stichwort Ortsumgehung. Nach dem 9:9-Votum in der jüngsten Stadtratssitzung liegt das Thema derzeit auf Eis. Das soll sich aber schon bald ändern. "So schnell kapituliere ich nicht. Ich will die Ortsumgehung auf jeden Fall noch in der nächsten Amtszeit erleben, denn ansonsten erstickt Hillesheim am Verkehr", sagt Stein.
Dass er nicht wiedergewählt wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn erstens ist bislang kein Gegenkandidat in Sicht (und heute ist Bewerbungsschluss), und zweitens dürften die notwendigen 50 Prozent bei einer Alleinkandidatur auch kein Problem sein. "Aber 60 Prozent plus x wünsche ich mir schon. Aber keine Angst: Ich werde schon nicht übermütig."
Und falls doch noch einer kandidiert? "Auch okay, soll kommen!", sagt der 71-Jährige, isst noch eine Gabel Torte, zupft die Jackett-Seiten über seinen Bauch, lächelt und lehnt sich entspannt zurück.Extra

Die neben der CDU im 18-köpfigen Stadtrat Hillesheim vertretenen Fraktionen von FWG (6 Sitze), Wählergruppe Harald Handwerk (6 Sitze) und SPD (2 Sitze) werden nach eigenen Angaben keinen eigenen Stadtbürgermeisterkandidaten stellen. Die Wählergruppe Harald Handwerk tritt bei der anstehenden Kommunalwahl überhaupt nicht mehr an. Viele von deren Ratsmitgliedern wechseln zur FWG und sind dort auf der Kandidatenliste für die Stadtratswahl vertreten. FWG-Fraktionssprecher Dieter Bernardy sagt: "Wir haben jetzt eine sehr starke Liste. Ob wir allerdings mit nur einer Liste ebenfalls zwölf Sitze erzielen, ist fraglich. Zehn wären auch schon ein toller Erfolg." mh