Mehrheit der Wähler für Regierungswechsel

Mehrheit der Wähler für Regierungswechsel

Die Liberalen werden auch in der nächsten Legislaturperiode im Bundestag vertreten sein. In diesem Punkt sind sich die jüngsten Umfragen zur Bundestagswahl und Parteienforscher Uwe Jun einig. Allerdings wollen die meisten Wähler einen Regierungswechsel: Schwarz-Rot statt Schwarz-Gelb.

Trier. Die jüngste Botschaft der Wahlforscher und Wissenschaftler dürfte der FDP-Spitzenkandidat und ehemalige rheinland-pfälzische Multiminister Rainer Brüderle mit einem lachenden und einem weinenden Auge quittieren: Ja, Herr Brüderle, Ihre Partei wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nach dem 22. September noch im Deutschen Bundestag sitzen.Bundestagswahl 2013


Der "Niedersachsen-Effekt" sei dafür verantwortlich, prophezeit der Trierer Politikwissenschaftler Uwe Jun. Bei der dortigen Landtagswahl kamen die Liberalen im Januar auf 9,9 Prozent, obwohl die FDP in den vorausgegangenen Umfragen auf unter fünf Prozent taxiert wurde. Des Rätsels Lösung: Um den Koalitionspartner zu retten, wählten viele CDU-Wähler die FDP.
Mit einer ähnlichen "Wählerwanderung" können laut Parteienforscher Jun jetzt auch Brüderle & Co. rechnen. Ob\'s für die amtierende Koalition reichen wird, steht allerdings auf einem anderen Stück Papier. Nach dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine hauchdünne Mehrheit von 46 Prozent gegenüber den übrigen, im Parlament vertretenen Parteien (45 Prozent).
Sollte es für eine schwarz-gelbe Koalition nicht reichen, läuft nach Ansicht des Trierer Professors Jun alles auf eine Neuauflage der großen Koalition hinaus. Das Interessante daran: Laut Deutschlandtrend würden 54 Prozent der Wähler einen Regierungswechsel befürworten. Nur 41 Prozent sind der Meinung: Schwarz-Gelb soll weiterregieren. Heißt aber auch: Selbst im eigenen Lager gibt es viele Stimmen, die sich eine andere Zusammensetzung der Koalition wünschen. 26 Prozent aller Befragten befürworten übrigens Schwarz-Rot, 22 Prozent Schwarz-Gelb und nur zehn Prozent Schwarz-Grün. "Für diese Konstellation gibt es auch zu viele inhaltliche Differenzen", sagt Parteienforscher Uwe Jun.
Interessant ist noch ein Blick auf die kleinen Parteien: Chancenlos sind offenbar die vor einiger Zeit noch im Umfragehoch schwebenden Piraten.
In der Volksfreund-Umfrage liegen die politischen Freibeuter bei gerade einmal zwei Prozent, in aktuellen Erhebungen der großen Meinungsforschungsinstitute bekommt die Partei maximal einen Prozentpunkt mehr. "Die haben sich selbst zerlegt", meint Politikwissenschaftler Jun. Die Freien Wähler werden in den Umfragen erst gar nicht aufgelistet, sondern unter "Sonstige" subsummiert. Und die Alternative für Deutschland (AfD) rangiert zwischen drei und vier Prozent. Nur in der (nicht repräsentativen) Volksfreund-Umfrage liegen die Euro-Kritiker bei acht Prozent, kämen mit einem solchen Ergebnis natürlich in den Bundestag.
Parteienforscher Uwe Jun hält dies allerdings für äußerst unwahrscheinlich. Der Grund: "Die Euro-Debatte steht bei dieser Wahl nicht im Vordergrund."Extra

Trotz schwacher Umfragewerte haben die Spitzen von SPD und Grünen gemeinsam Zuversicht für einen Bundestagswahlsieg demonstriert. Durch den Erfolg beider Parteien in den Ländern gebe es hier bereits einen Politikwechsel, sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. "Diesen Kurs wollen wir gerne fortsetzen." Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt betonte: "Wir wollen dafür sorgen, dass es endlich gerechter zugeht in Deutschland". dpa


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