1. Dossier

Minutenprotokoll des Wahlabends in Berlin: Feiern, zittern, jammern

Minutenprotokoll des Wahlabends in Berlin: Feiern, zittern, jammern

Die einen feiern, die anderen bangen: Der Ausgang der Bundestagswahl ist denkbar knapp. Eindrücke von den Partys der Parteien an einem unberechenbaren Wahlabend:

18:00 Die Prognosen flimmern über die Bildschirme. Klarer Gewinner ist die Union. Jubel in der CDU-Zentrale, die Anhänger singen „Oh, wie ist das schön“. Stille dagegen bei der FDP; die Liberalen müssen um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Feierlaune herrscht auch im Willy-Brandt-Haus nicht; die SPD hat ihr Wahlziel Rot-Grün klar verfehlt. Betrübte Gesichter auch bei den Grünen. Beste Laune dagegen bei der AfD-Wahlparty: Die Eurogegner können auf den Einzug ins Parlament hoffen.

18:10 Die erste Hochrechnung: Es verändert sich wenig. Die FDP hängt weiter unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD auch.

18:16 Buhrufe bei der Grünen-Wahlparty in der Berliner Columbiahalle, als die erste Hochrechnung Schwarz-Grün möglich erscheinen lässt.

18:19 Der FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner steht geknickt bei einem Fernsehinterview und spricht von der „bittersten Stunde für die FDP seit vielen Jahrzehnten“.

18:20 AfD-Chef Bernd Lucke stellt sich vor seine Anhänger und strahlt - auch wenn das Zittern für seine Partei noch kein Ende hat. „Egal, wie das heute ausgeht“, sagt er. „Wir wissen schon jetzt, dass wir Deutschland vorangebracht haben.“

18:20 Noch immer gedrückte Stimmung bei der SPD. Nach Party ist offensichtlich keinem der Gäste zumute. Von den Spitzenleuten ist außer Andrea Nahles noch niemand zu sehen.

18:27 Linke-Spitzenmann Gregor Gysi stellt sich vor seine Anhänger. Ja, das Wahlziel eines zweistelligen Ergebnisses habe die Linke verpasst. Aber Gysi schaut fröhlich drein: „Wer hätte das 1990 gedacht, dass diese Partei die drittstärkste politische Kraft der Bundesrepublik Deutschland wird. Das haben wir geschafft.“

18:41 SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel steigen auf die Bühne im Willy-Brandt-Haus. Gabriel: „Wir haben uns mehr erwartet, keine Frage.“

18:44: Die Fernsehsender schalten weg von der SPD, hin zum Wahlsieger Union. Die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel betritt die Bühne im Konrad-Adenauer-Haus. Merkel winkt und lächelt. „Das ist ein Super-Ergebnis“, ruft sie ihren Anhängern zu. Die brüllen in Sprechchören zurück: „Angie, Angie.“

18:45 Merkel hält ihre Hand zur üblichen Raute. Joachim Sauer steht etwas abseits in der CDU-Zentrale und beobachtet seine Ehefrau aus der Entfernung.

18:44 Die Grünen-Spitzenleute, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, treten mit ernsten Gesichtern vor ihre Anhänger. „Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, sagt Göring-Eckardt. Aber die Partei werde es aus diesem Loch schon wieder rausschaffen. Die Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir beäugen den Auftritt aus der Ferne. Sie wirken zerknirscht.

18:45 Steinbrück holt sich im Willy-Brandt-Haus Applaus ab: „Wir haben nicht das Ergebnis erzielt, das wir wollten“, räumt er ein. „Der Ball liegt im Spielfeld von Frau Merkel. Sie muss sich eine Mehrheit besorgen.“

18:48 Bei der FDP-Wahlparty tritt Spitzenkandidat Rainer Brüderle vor das Mikrofon. Neben ihm Rösler, beide mit betretenen Gesichtern: „Heute ist ein schwieriger Abend“, sagt Brüderle. „Als Spitzenkandidat übernehme ich dafür die Verantwortung.“

19:04 Eine neue Hochrechnung ist da. Demnach steuert die Union auf die absolute Mehrheit zu.

20:00 Bevor sich die Spitzenleute der Parteien zur traditionellen Berliner Runde zusammensetzen, herrscht noch immer keine Klarheit. Es ist eine lange Zitterpartie für die FDP und die AfD.

20.05 Uhr: Neue Hochrechnungen. Danach keine absolute Mehrheit für die Union. Es verspricht ein langer Abend zu werden.