"Mir kinnen Platt schwätzen"

"Mir kinnen Platt schwätzen"

Mehr als 30 000 Kilometer ist Joachim Streit in den vergangenen Monaten kreuz und quer durch den Eifelkreis gereist. Bei rund 60 Saalveranstaltungen und vielen weiteren Terminen hat er sich als Landrats-Kandidat vorgestellt. In den letzten Wochen vor der Kommunalwahl hat Streit Urlaub und investiert zwischen zwölf und 16 Stunden täglich in seinen Wahlkampf.

Bitburg/Prüm. Treffpunkt, 10 Uhr, Mühlenbäckerei Lünebach: Der schwarze BMW rollt vor. Ein gut gelaunter Joachim Streit steigt aus. "Goden Moin. Schien, dat Ihr Zeit fier ies hott", begrüßt der Landrats-Kandidat Betriebs-Chef Ralf Hahn, dessen Schwester Birgit Arimont und Verkaufsleiter Hermann Peters. "Mir kinnen also platt schwätzen", sagen die Gastgeber und führen über das Firmengelände.

Streit verfolgt den Weg des Familienbetriebs von der Lohnmüllerei zur Brotbäckerei, lässt sich Maschinen wie die alten Walzenstühle erklären und lernt den Weg vom Korn über das Mehl bis Brot kennen. Immer wieder stellt er interessierte Nachfragen, erkundigt sich etwa nach den Absatzmärkten in Nordrhein-Westfalen, der Funktionsweise der Präzisions-Öfen oder den traditionellen Weidekörbchen, die für die Mühlenbäckerei nicht durch günstigere Alternativen aus Plastik zu ersetzen sind. Beim Kaffee erzählt der Wahlkämpfer von seiner Großmutter, die jeden Tag Hefetorte gebacken hat, während er genüsslich ein Stück Mandarinen-Schmand-Kuchen verspeist. Kurz vor 12 Uhr ist dann Aufbruch.

Ein Zwischenstopp im Dorfladen des Lünebacher Orts-Chefs Karl-Heinz Krost nutzt Streit, um eine Wahlkampf-Aktion auf der gegenüberliegenden Verkehrsinsel zu besprechen. Das Mittagessen fällt aus, der nächste Termin drängt. "Sieben Kilo habe ich mir vor dem Wahlkampf angefuttert. Inzwischen ist fast alles wieder runter", sagt Streit.

Vorbei an etlichen seiner Wahlplakate geht es weiter nach Pronsfeld, wo er in der Gärtnerei Schmitz noch schnell ein paar Blumen für Monika Rolef auswählt, mit der er an der Prümer St. Salvator Basilika verabredet ist. Eine Autofahrt später schlendert er dann mit einem Stock roter Begonien über den Prümer Hahnplatz. Ein paar junge Mädchen grüßen ihn lachend.

Keine Frage, sein Internet-Wahlkampf macht ihn auch bei der jungen Wählerschaft bekannt. In der Basilika tritt Streit zunächst zum Weihwasser und bekreuzigt sich.

Fremdenführerin Monika Rolef erklärt das Prümer Wahrzeichen, zeigt die berühmten Sandalen, streift die europäische Geschichte rund um Karl den Großen und erinnert an den Westwall-Bau sowie Dechant Zilliken, der gegen die Nazis gepredigt hat. Auch an die Katastrophe am Kalvarienberg, wo 1949 mehr als 500 Tonnen Munition explodierten, ist Thema. Viel Information in kurzer Zeit. Während für den TV die Tour endet, geht es für den Wahlkämpfer noch weiter zu einer Saalveranstaltung in Roth bei Prüm und anschließend zum 70. Geburtstag des Orts-Chefs von Sellerich. Lange Tage mit vielen interessanten Begegnungen. EXTRA Zahlen und Fakten: Rund 60 Saalveranstaltungen hat Joachim Streit seit Bekanntgabe seiner Kandidatur Mitte 2008 absolviert, dafür ist er rund 30 000 Kilometer gefahren. In der heißen Phase des Wahlkampfs hat er sich Urlaub genommen und investiert in Gespräche, Besuche, Veranstaltungen, Besprechungen mit Wahlkampfhelfern und Schriftverkehr zwölf bis 16 Stunden am Tag. Rund 1500 seiner Wahlplakate hängen überall im Eifelkreis. Seine im November 2008 gegründete Wer-kennt-Wen-Gruppe im Internet zählt inzwischen mehr als 7000 Mitglieder. (scho)