1. Dossier

Neues Trierer Einzelhandelskonzept: In die Stadtteile sollen mehr Geschäfte

Neues Trierer Einzelhandelskonzept: In die Stadtteile sollen mehr Geschäfte

Ein erweitertes Zentrum, vier Nebenzentren und Geschäfte für den täglichen Bedarf - das sind die Kernpunkte des Einzelhandelskonzeptes Trier 2025+. Die Versorgung der Menschen in den Stadtteilen soll verbessert, ein Wildwuchs des großflächigen Einzelhandels außerhalb der Innenstadt verhindert werden.

Oberbürgermeister Klaus Jensen weiß um die Bedeutung des Handels für die Stadt Trier. "Ohne den würden wir ganz schön alt aussehen", formuliert er ein wenig flapsig, aber verständlich bei der Präsentation des Entwurfs für das neue Einzelhandelskonzept gestern im Trie rer Rathaus. Dass er dies gemeinsam mit Wirtschaftsdezernent Thomas Egger und dem Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Johannes Weinand, tut, unterstreicht zusätzlich, wie wichtig der Stadtvorstand das 314 Seiten starke Basiswissen für die zukünftige Entwicklung Triers hält.
1023 Betriebe, 8000 Beschäftigte, 1 097 000 000 Euro Umsatz. Das sind Zahlen, die dies dokumentieren.
Das Einzelhandelskonzept, in Einklang gebracht mit der Flächennutzungsplanung, soll dazu beitragen, diese Zahlen zu halten und die Stadt für deren Bewohner und die Kunden aus der Region attraktiver zu machen.

Hauptzentrum City: Mit einem Anteil von 583 Millionen Euro Umsatz (2011) werden mehr als die Hälfte aller Umsätze im Bereich Einzelhandel in der Innenstadt gemacht. "Unser Konzept ist ein eindeutiges Bekenntnis zur City", verdeutlicht Wirtschaftsdezernent Thomas Egger. Der Innenstadtbereich soll in Zukunft auch die Paulinstraße (bis St. Paulin) und die Saarstraße (bis Gerberstraße) umfassen.

Stadtteilzentren: Vier solcher Nebenzentren sind vorgesehen, als Einkaufsmöglichkeit für Menschen aus mehreren Stadtteilen. In Trier-West und auf der Tarforster Höhe bestehen diese Angebote bereits. In Feyen (Castelneau) und Ehrang (im Bereich der neuen Bundesstraße) werden neue Nebenzentren entstehen. Dort soll ein leistungsstarkes Angebot von Lebensmitteldiscountern und Vollsortimentern mit bis zu 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche, in Ausnahmefällen sogar noch größer, möglich sein. Mindestens ein Drogeriefachmarkt sowie kleinere Fachgeschäfte sind dort vorgesehen.Handel im Wandel


Nahversorgungszentren: Für die Versorgung des Stadtteils bleiben die derzeitigen Geschäfte erhalten (1500 bis 3500 Quadratmeter Verkaufsfläche). Hier können die Menschen in den Stadtteilen (siehe Grafik) alle Dinge des täglichen Bedarfs kaufen. Im Konzept ist auch der Wunsch nach einem zusätzlichen Drogeriefachmarkt dokumentiert. Zusätzliche Fachmärkte werden nicht zugelassen.

Stadtteilzentren mit ergänzender Versorgungsfunktion: In der Regel gibt es hier einen kleineren Lebensmitteldiscounter oder Vollsortimenter. Ob weitere Geschäfte mit weniger als 600 Quadratmetern dort angesiedelt werden können, wird im Einzelfall entschieden.

Stadtteile mit eingeschränktem Nahversorgungsangebot: Das Konzept sieht vor, dass in Stadtteilen wie Kernscheid oder Olewig, wo es keine oder kaum Geschäfte gibt, ein Angebot geschaffen werden soll - grundsätzlich nur mit kleineren Geschäften für Güter des täglichen Bedarfs.

Neubaugebiete: Eine zusätzliche, neue Nahversorgung ist möglich, wenn deren Funktion nicht durch benachbarte Einkaufszentren gewährleistet ist.

Großflächiger Einzelhandel: Bis 2025 soll in Trier nur an ausgewiesenen Standorten großflächiger Einzelhandel möglich sein. Innenstadtrelevante Sortimente, zum Beispiel Kleidung, Keramik und Schuhe, werden auf zehn Prozent (maximal 800 Quadratmeter) der Verkaufsfläche begrenzt. In neuen Gewerbe- und Industriegebieten ist kein Einzelhandel möglich.

Das neue Einzelhandelskonzept bietet darüber hinaus Hinweise darauf, wie die Attraktivität der Stadt Trier für die Kunden aus der Region erhalten werden kann. Dabei geht es um Profilierungslagen mit klangvollen Namen wie Fashion- und Modeboulevard Fleischstraße, Konstantinquartier oder Überraschungsmeile Neustraße.
Der neue Stadtrat, der im Herbst letztlich über das Konzept abstimmen muss, findet in dem vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik gemeinsam mit der Cima Beratung + Management GmbH erstellten Konzept auch zwei Modelle für die perspektivische Erweiterung der Einkaufsfläche in der City: ein konservatives mit einem möglichen Center im Bereich Treveris/Simeonstraße - ein offensives mit einem zusätzlichen Standort im Bereich Europahalle/Augustinerhof.

Meinung

Die Hausaufgaben sind gemacht
Der Entwurf für das neue Einzelhandelskonzept für Trier ist eine Basis für die weitere Diskussion - mehr nicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Stadt ihre Hausaufgaben sehr gründlich gemacht hat. Letztlich kommt es nun darauf an, dass alle Beteiligten mitziehen. Gemeint sind damit nicht nur Politiker in Ortsbeiräten und Stadtrat. Ebenso wichtig sind die Händler und Grundstückseigentümer in der City. Zu einer attraktiven Stadt gehören nicht nur ein gutes Konzept, hohe Mieteinnahmen und viel Umsatz an den Kassen. Ob die Mischung aus interessanten Geschäften den Besuch in Trier zum Einkaufserlebnis werden lässt, kann die Verwaltung nur bedingt steuern. Übertrieben formuliert: Nur 1-Euro-Läden locken keine Kunden in die Stadt. r.neubert@volksfreund.de